Text-Bild-Ansicht Band 244

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eingedampft, die Kalkseife aber mit einer Säure zersetzt, um die Fettsäure wieder verwenden zu können. – Das Verfahren verspricht wenig- praktischen Erfolg.

Um aus Seifensiederlauge das Glycerin mittels Osmose zu gewinnen (vgl. 1882 243 330), empfiehlt H. Flemming in Kalk bei Köln (D. R. P. Kl. 23 Nr. 17547 vom 17. April 1881) die Verwendung von Guttaperchapapier, welches nur die Salze, wenn auch langsam, hindurchläſst, für Glycerin aber undurchlässig ist. Dadurch wird das bei Verwendung von Pergamentpapier erforderliche Eindampfen der Osmosewässer erspart.

Zur Elementaranalyse organischer Stoffe.

P. Schützenberger (Bulletin de la Société chimique, 1882 Bd. 37 S. 3) hat die auffallende Beobachtung gemacht, daſs kaukasisches Erdöl, Benzol und Anilin, wenn sie mit Natrium oder Kupfer erhitzt und dann destillirt waren, bei der Elementaranalyse so viel Kohlensäure und Wasser gaben, als 100 bis 101,5 Proc., Kohlenstoff und Wasserstoff entsprechen. Wenn diese Verbindungen dagegen 2 Stunden lang dem Sonnenlichte ausgesetzt waren, so gaben sie bei der Analyse wieder 100 Proc. Schützenberger glaubt hieraus schlieſsen zu müssen, daſs Kohlensäure und Wasser unter Umständen eine andere als die gewöhnliche Zusammensetzung haben, daſs somit die Atomgewichte innerhalb gewisser Grenzen schwanken. – Hoffentlich bestätigt sich diese Angabe nicht.

Zur künstlichen Herstellung der Alkaloide.

Das Xanthin hat die Zusammensetzung C5H4N4O2 und unterscheidet sich von dem Theobromin, C7H8N4O2, durch den Mindergehalt von 2 Kohlenstoff- und 4 Wasserstoffatomen. B. Strecker sprach daher schon vor längerer Zeit die Vermuthung aus, daſs die zweite Base ein Dimethylderivat der ersteren sei. Wenn man nun nach E. Fischer (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1882 S. 453) Xanthin in der zur Bildung des neutralen Salzes C5H2N4O2Na2 nöthigen Menge Natronlauge löst, in der Siedehitze mit essigsaurem Blei fällt und das bei 130° getrocknete Salz mit der 1,5fachen Menge Jodmethyl 12 Stunden lang auf 100° erhitzt, die erhaltene Masse mit Wasser auskocht, mit Schwefelwasserstoff fällt und nach dem Uebersättigen mit Ammoniak verdampft, so erhält man Theobromin. Da dieses nach der Methode von Strecker leicht in Coffeïn übergeführt wird, so sind Theobromin und Coffeïn als Dimethyl- bezieh. Trimethylxanthin aufzufassen. Mit dem Xanthin sind aber Guanin und Sarkin nahe verwandt. Durch obige Umwandlung des Xanthins in Coffeïn ist somit die Möglichkeit gegeben, diese Base, welche als der wirksamste Bestandtheil zweier wichtiger Genuſsmittel ein besonderes Interesse hat, aus einem anderen Rohmaterial, dem Guano, zu gewinnen.

Herstellung des Phenols, der Naphtole und des Resorcins.

Die Actiengesellschaft für Anilinfabrikation in Berlin (D. R. P. Kl. 12 Nr. 17311 vom 10. Juli 1881) hat gefunden, daſs durch Einwirkung von Methylalkohol und dessen Homologen, sowie von Benzylalkohol auf die Phenole in Gegenwart von condensirend wirkenden Metallsalzen der Alkoholrest in den Phenolkern eintritt: C6H5.OH + ROH = C6H4R.OH + H2O. Zu diesem Zweck werden gleiche Moleculargewichte der Phenole und Alkohole mit wasserfreiem Chlorzink in einem mit Rückfluſskühler versehenen Gefäſse so lange erhitzt, bis sich die Masse in zwei Schichten theilt, worauf das ausgeschiedene Oel durch Rectification gereinigt wird. Die so erhaltenen Phenole sollen an Stelle der einfachen zur Herstellung von Farbstoffen verwendet werden.