Text-Bild-Ansicht Band 247

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Neuerungen an Speiseapparaten für Dampfkessel.

Mit Abbildungen auf Tafel 28.

In neuerer Zeit benutzt man zur Kesselspeisung vielfach Apparate, bei welchen ein Gefäſs abwechselnd mit einem Speisewasserbehälter und mit dem Dampfkessel in Verbindung gebracht wird und der Dampf wie bei den Pulsometern direkt auf das Wasser wirkt Es sind derartige Vorrichtungen, mit Handsteuerung versehen, unter dem Namen Retour d'eau schon lange Zeit bekannt und namentlich in Heizungsanlagen hier und da in Gebrauch. Allgemeinere Beachtung haben sie jedoch neuerdings erst dadurch gefunden, daſs dieselben selbstthätig eingerichtet wurden und in Folge dessen nun eine sehr häufig und in kleinen Mengen stattfindende Speisung ermöglichen (vgl. die Apparate von Cohnfeld 1879 232 * 310, Langensiepen 1881 241 * 87, Ritter und Mayhew 1881 241 * 420). Abgesehen von dem groſsen Nutzen einer solchen gleichmäſsigen Speisung haben dieselben, wenn zweckmäſsig eingerichtet, den Speisepumpen und Injectoren gegenüber auch den Vorzug eines geringeren Wärmeverbrauches, wie aus folgender Betrachtung hervorgeht.

Bei einer Dampfspeisepumpe genügt, wenn man zunächst von allen Dampf-, Pressungs-, Wärme- und Arbeitsverlusten durch Reibung absieht, die Volldruckarbeit von 1l Dampf, um 1l Wasser (= 1k) in den Kessel zu pressen. Nimmt man an, daſs die Expansionsarbeit dieses Dampfes ausreiche, um sämmtliche Verluste auszugleichen, so würde mithin die Pumpe für 1l Wasser 1l Dampf gebrauchen. In der Regel wird der Verbrauch wegen der mangelhaften Ausnutzung des Dampfes in gewöhnlichen Speisepumpen noch wesentlich gröſser sein. Beträgt nun die Kesselspannung 6at, so ist 1l Dampf = 0k,00326. Ist ferner die Temperatur des Speisewassers 15°, so sind 1k Wasser (nach Grashof) 160,938 + 449,457 + 44,667 – 15 = 640c zuzuführen, um 1k Dampf von 6at Spannung zu erzeugen, also für 0k,00326 = 640 × 0,00326 = 2c,086. Dies wird mithin die mindestens nöthige Wärmemenge sein, welche zur Speisung mittels Speisepumpe für 1k Wasser verbraucht wird. Ist das Speisewasser auf 95° vorgewärmt, so ergibt sich in gleicher Weise die Wärmemenge zu 560 × 0,00326 = 1c,826.

Ein Injector verbraucht für 1k Wasser mindestens 0k,06 Dampf (in der Regel 0,07 bis 0k,08). Da aber bei der Speisung mittels eines Injectors die innere Verdampfungswärme und die Flüssigkeitswärme, soweit sie nicht dem Dampfe nach der Condensation verbleibt, an das Speisewasser übergeht, so ist als Verlust nur die äuſsere Verdampfungswärme in Betracht zu ziehen. Dieselbe beträgt für 1k Dampf von 6at Spannung 44c,667, folglich für 0k,06 = 44,667 × 0,06 = 2c,68.

Ueber den Dampfverbrauch der nach Art der Pulsometer wirkenden Speiseapparate liegen keine genauen Angaben vor. Würde während