Text-Bild-Ansicht Band 247

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Magermilch von 55° 1 Th. geschmolzenes Fett in eine kleine, 3000 bis 4000 Umdrehungen machende Schleuder treten, deren Oberfläche fein durchlöchert ist. Das von unten in der Mitte zugeführte Gemisch emulsirt sich alsbald und tritt oben als künstlicher Rahm aus, welcher stark lufthaltig ist und je nach Verwendung von Oleomargarin oder Schweineschmalz dessen Geruch und Geschmack hat. Diese Fettemulsion wird nun mit der Milch in der Käsewanne gemischt, auf 32 bis 33° erwärmt, mit Labextract und Kochsalz versetzt und bei 35 bis 40° der Käseprozeſs vollzogen. Die Käsemasse wird hierauf zerschnitten und dann ausgerührt. Hierauf läſst man die Molke ablaufen, bringt den Quark in die Quarkmühle, um ein noch feineres Korn zu erzielen, worauf dieser, in Tücher geschlagen, in hohen Eisenformen unter die Schraubenpressen gelangt. Am folgenden Tage kommen die 20 bis 30k schweren Käselaibe in den auf 20 bis 25° erwärmten Reifungsraum. Nach 4 Wochen ist der Käse marktfähig.

Nach P. Vieth (Daselbst, 1882 S. 519) bestanden 2 Proben dieser Kunstkäse aus:

Schmalzkäse Oleomargarinkäse
Wasser 38,26 37,99
Fett (Aetherextract) 21,07 23,70
Caseïn u. dgl. 35,55 34,65
Asche 5,12 3,66
–––––– ––––––
100,00 100,00.

Beide Käseproben hatten im wesentlichen das Aussehen von Cheddar; der Schmalzkäse war sehr stark gefärbt, wenig gut gearbeitet und hatte einen eigenthümlichen, fremdartigen Beigeschmack; der Oleomargarinkäse dagegen hatte ein sehr gutes Ansehen und schmeckte durchaus nicht schlecht. Das mit Aether ausgezogene Fett bestand beim Schmalzkäse aus 63 Proc. Butter und 37 Proc. fremdem Fett, das des Oleomargarinkäses aus 46 Proc. Butter und 54 Proc. fremdem Fett.

Darstellung antiseptischer Flüssigkeiten.

E. Glanz in Berlin (D. R. P. KL 30 Nr. 20913 vom 22. April 1882) empfiehlt für Desinfectionszwecke eine Mischung von essigsaurer und ameisensaurer Thonerde. Dieselbe wird erhalten durch Auflösen von Thonerdehydrat in einem Gemisch von Ameisensäure und Essigsäure oder durch Umsetzung von schwefelsaurer Thonerde mit essigsaurem und ameisensaurem Calcium, Barium oder Strontium.

Ueber die Destillationsproducte des Colophoniums.

Nach W. Kelbe (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 351) enthielten 150k der Destillationsproducte des Colophoniums etwa 50g Methylalkohol.

Ueber Kaliumsesquicarbonat.

Während das Sesquicarbonat des Natrons als Trona in Salzseen Nordafrikas und Südamerikas vorkommt, war die entsprechende Kaliumverbindung bis jetzt nicht sicher bekannt. Wie nun C. Rammelsberg in den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1883 S. 273 mittheilt, ist dieselbe jetzt beim Abdampfen und Krystallisiren groſser Mengen Bicarbonatlösungen beobachtet. Die Krystalle, welche weder feucht werden, noch verwittern, haben die Zusammensetzung K4H2(CO3)3.3H2O. Es ist Rammelsberg nicht gelungen, das Salz aus der gemischten Lösung beider Carbonate zu erhalten.

Herstellung von Zimmtsäure.

Zur Darstellung von Zimmtsäure und von substituirten Zimmtsäuren aus Benzylidenaceton und dessen Substitutionsproducten läſst man nach Angabe der Farbwerke vormals Meister, Lucius und Brüning in Höchst (D. R. P. Kl. 12 Nr. 21162 vom 2. Juli 1882) auf Benzylidenaceton oder dessen Substitutionsproducte unterchlorig-, unterbromig- oder unteriodigsaure Salze einwirken: C6H5.CH.CH.CO.CH3 + 3NaOCl = 2NaOH + CHCl3 + C6H5.CH.CH.COONa.