Text-Bild-Ansicht Band 250

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dem „Chain Pier“ läuft und in etwa 18 Tagen nur aus gewöhnlichem Materiale hergestellt worden. Den Strom liefert eine Siemens'sche Dynamomaschine (D5) mit 55 Volt elektromotorischer Kraft, 18 Ampere Stromstärke, bei 1700 Umläufen in der Minute. Die Croßley'sche Gasmaschine (2e) hat 2 Schwungräder und macht 160 Umläufe. Die von Volk gebaute, getriebene Dynamomaschine wiegt 140k und macht ungefähr 700 Umdrehungen und treibt mittels Riemen eine Zwischenachse und von dieser aus die eine Achse des Wagens, beidemal mit Uebersetzung von 2 : 1; auf einer Steigung von 1 : 100 läuft der Wagen mit 8km in der Stunde, abwärts mit 10km. Der Wagen ist auſser dem Führer auf 12 Personen berechnet, hat aber schon 16 gefahren; er wird bei Nacht durch eine 20-Kerzen-Swanlampe erleuchtet. Die gewöhnlichen Schienen mit 0m,6 Spurweite liegen auf Langschwellen und sind durch Kupferdrahtschleifen (Nr. 8 engl.) verbunden. Die Schienen allein führen den Strom zu, mit weniger als 5 Proc. Verlust bei trockenem Wetter und nicht über 10 Proc. bei Regen.

Für 60 Fahrten hin und zurück mit 12 Personen werden die Betriebskosten berechnet: Gas, 10 Stunden zu 25 Pf. = 2,50 M., Oel und Abnutzung 0,75, Führer 3,35 (?), Arbeiter 4,20 und Amortisation 5,00, zusammen 15,80 M.

Zum Vergleiche werden die Zahlenangaben der Bahn in Chicago beigefügt: Maschine 2e nominal, 3e,5 indicirt; Stromstärke 18 Ampère, elektromotorische Kraft 55 Volt; Motorgewicht 140k, Wagengewicht 366k, Ladung (12 Personen) 1t. Steigung 1 : 100, mittlere Geschwindigkeit 11km in der Stunde, täglicher Weg 40 bis 48km und mittlere tägliche Personenzahl 350.

Telephoniren auf groſse Fernen.

Bei dem Sprechen auf einer der Postal Telegraph Company gehörigen 1600km langen Leitung zwischen New-York und Chicago ist das Hopkins'sche Telephon in kurzem Schlüsse durch die primäre Bewickelung eines Inductors benutzt worden, dessen secundäre Rolle zwischen Leitung und Erde eingeschaltet war. In diesem Batterie-Telephon, welches von dem in D. p. J. 1883 248 201 beschriebenen abweicht, trägt die hinter dem trichterförmigen, gebogenen Mundstücke liegende horizontale Platte an der Unterseite eine Kohlenscheibe, gegen welche sich eine zweite am oberen Ende eines Drahtes befestigte legt; der Draht geht durch einen hölzernen Schwimmer hindurch und taucht wie dieser mit seinem unteren Ende in Quecksilber in einem eisernen Gelaſse ein. Der eine Pol der Batterie ist an das Gefäſs, der andere an die schwingende Platte geführt. Der Widerstand der benutzten Leitung wird zu 1,18 Ohm für 1km angegeben, die Entfernung der Tragsäulen zu 400m. (Nach dem Génie civil, 1883 Bd. 3 * S. 513.)

Einfluſs des elektrischen Lichtes auf das Pflanzenwachsthum.

Wie H. de Parville im Journal des Débats mittheilt, zeigte schon im J. 1806 A. P. de Candolle, daſs das Licht von 6 Argand'schen Lampen hinreicht, um die grüne Farbe dünn aufgeschossener Blätter und junger Triebe von Senf und Kresse zu entwickeln, aber ohne behaupten zu können, daſs wirklich eine Zersetzung von Kohlensäure stattgefunden habe. Biot gelangte mit stärkeren Lampen doch zu keinem neuen Ergebnisse. Inzwischen stellte Daubeny (1836), Draver (1844), Sachs (1865) und Pfeffer (1871) fest, daſs die gelben Strahlen der gewöhnlichen Lampen gerade so gut auf die Pflanzen wirken als alle Strahlen des Spectrums mit einander. Herré-Mangon unterwarf im J. 1861 zum ersten Male Pflanzen der Einwirkung des elektrischen Lichtbogens, konnte aber dabei nicht herausbringen, ob unter dessen Einfluſs eine Zersetzung von Kohlensäure und direktes Wachsthum der Pflanzen stattgefunden habe. Es erwies sich jedoch deutlich, daſs das elektrische Licht die Pflanzenstengel nach sich zieht wie das Sonnenlicht. Herré-Mangon schrieb mit Recht diesen sogen. Heliotropismus dem Einflüsse der violetten Strahlen zu, welche in dem elektrischen Lichte sehr zahlreich sind und ebenso in groſser Menge das Sonnenlicht zusammensetzen helfen. Endlich im J. 1866 setzte W. Wolkow Triebe von Kresse, welche im Dunkeln gezogen waren, 8 Stunden lang der Flamme eines Bunsen'schen Brenners aus, welche durch kohlensaures Natrium leuchtend gemacht