Text-Bild-Ansicht Band 252

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annehmen, in welchen Fällen Schwefelverbindung, Spuren Sulfit oder auch Thiosulfat gegenwärtig sind.

Wenn man einige Tropfen Ameisensäure mit Aetzammoniak übersättigt und nach Zusatz von ein Paar Tropfen Silbernitrat aufkocht, so bleibt die Flüssigkeit klar und farblos. Wenn man dagegen das Kaliumcarbonat mit Essigsäure neutralisirt und dann mit Ameisensäure versetzt, so wirkt diese auf zugefügtes Silbernitrat bei gelinder Erwärmung sofort reducirend ein.

Zur Untersuchung von Olivenöl.

S. Carpi hat gefunden, daſs Baumwollsamenöl, welches 3 Stunden lang auf – 20° abgekühlt wurde, nie so hart ist als gleich behandeltes Olivenöl. Zur Bestimmung der Festigkeit diente ein cylindrisches, unten in eine Kegelspitze von 90° endigendes Eisenstäbchen von lern Länge bei 2mm Durchmesser, auf welches ein in Gramm zu bemessender Druck so lange senkrecht wirkte, bis dasselbe seiner ganzen Länge nach in das erstarrte Oel eingedrungen war. Dieser Druck betrug beim besten Olivenöl 1700g, bei anderen Sorten weniger, aber immer über 1000g, bei Baumwollsamenöl nur 25g, wie folgende Tabelle zeigt:


Zusammensetzung

Härtegrad in Gramm
Farbe nach 3 stünd.
Erstarrtsein
Reines Olivenöl 1270 bis 1700 Rein weiſs.
5 proc. Baumwollöl 950 1200 Hellweiſslich.
10 850 920 Weiſslich.
20 750 800 Weiſslichgrün.
25 60 71 Hellgelblichgrün.
50 51 56 Gelblichgrün.
75 33 36 Bernsteingelblich.
Reines Baumwollöl 25 Bernsteingelb.

(Nach den Annali di Chimica applicata alla Farmacia ed alla Medicina, Bd. 77 Nr. 3 durch das Archiv der Pharmacie, 1883 Bd. 221 S. 964.)

Verwendung verflüssigter Gase als Kältemittel.

Von allen früher als permanent angesehenen Gasen zeigt nach S. v. Wroblewski (Monatshefte für Chemie, 1884 S. 47) nur der Wasserstoff bei der Temperatur von –136° keine Spuren der Verflüssigung. Auch wenn man ihn bei dieser Temperatur dem Drucke von 150at aussetzt und dann sich plötzlich ausdehnen läſst, sieht man keinen Nebel in der Glasröhre, welche das Gas enthält, entstehen. Für die Verflüssigung des Wasserstoffes ist offenbar eine niedrigere Temperatur nothwendig als diejenige, welche mit Hilfe des im Vacuum verdampfenden Aethylens erreicht wird.

In gröſserer Menge verflüssigt und durch plötzliche Aufhebung des Druckes zum gewaltsamen Sieden gebracht, erstarrt der Sauerstoff nicht wie die flüssige Kohlensäure; er läſst aber sowohl auf dem Boden des Gefäſses, in welchem er enthalten gewesen ist, wie auf dem abzukühlenden Gegenstande, welcher im flüssigen Sauerstoffe eingetaucht war, einen krystallinischen Niederschlag zurück. Es muſs durch weitere Versuche entschieden werden, ob dieser Niederschlag aus Sauerstoffkrystallen allein besteht, oder ob er zum Theile oder gänzlich von den möglichen Verunreinigungen des Gases herrührt. Die Verwendung des bei etwa –186° siedenden Sauerstoffes als Kältemittel wird dadurch wesentlich erschwert, daſs man damit in geschlossenen sehr festen Gefäſsen experimentiren muſs, da es bis jetzt nicht gelungen ist, den Sauerstoff im Zustande einer statischen Flüssigkeit unter dem Drucke von 1at zu erhalten.

Bis jetzt konnte Verfasser der Wirkung dieser Kälte mit Erfolg nur Stickstoff aussetzen. Comprimirt in einer Glasröhre, abgekühlt im Strome des siedenden Sauerstoffes und gleich nachher expandirt, erstarrt dieses Gas und fällt in Schneeflocken nieder, welche aus Krystallen von bemerkenswerther Gröſse bestehen.

Nach weiteren Mittheilungen in den Comptes rendus, 1884 Bd. 98 S. 149 ist es nun auch gelungen, durch Verwendung des Sauerstoffes als Kältemittel und plötzliche Druckentlastung den Wasserstoff zu verflüssigen.