Text-Bild-Ansicht Band 253

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vorzuziehen, den Kalk vorher zu erhitzen. Vor dem vollständigen Entphosphoren des metallischen Bades gieſst man die Phosphorsäure haltige Metallschlacke ab und setzt nun aufs Neue Kalk zu, um das vollständige Entphosphoren des Metallbades nach dem basischen Verfahren zu erzielen. Man erhält eine Phosphorsäure haltige Metallschlacke, welche verhältniſsmäſsig nur wenig Eisen oder Mangan enthält, aber ein um so gröſseres Verhältniſs an Phosphorsaure, als der Zusatz an Kalk gering und die Temperatur sehr hoch gewesen ist. Diese Schlacke soll zerkleinert direkt als Düngemittel, oder nach Behandlung mit Säuren als Superphosphat verwendet werden.

Das zweite angegebene Verfahren der Behandlung des Phosphorlechs liefert den Phosphor in Form eines Handelsartikels von geringerem Werth, als der aus der Behandlung mit schwefelsauren Alkalien hervorgehende. Unter gewissen Umständen kann jedoch der Werth des Metalles im Leche, das in derselben Hitze in Stahl umgewandelt wird, diesen Werthunterschied angeblich ausgleichen.

Zur Kultur des Zuckerrohres.

In Pernambuco tritt eine Pilzkrankheit des Zuckerrohres auf, wobei die Stämme dicht mit dem Mycelium eines Pilzes wie mit einem weiſsen Filz überzogen sind; auch das Innere des Zuckerrohres ist völlig von diesem Mycelium durchdrungen. Nach De Bary ist dieser Pilz Schizophyllum commune Fries. W. Knop (Landwirthschaftliche Versuchsstationen, 1884 Bd. 30 S. 277) hat nun Aschenanalysen von krankem (I und II) und gesundem Rohr (III) ausgeführt und enthielten die bei 1000 getrockneten Proben:

I II III
Kieselsäure 0,810 1,065 1,450
Kalk 0,060 0,245 0,120
Magnesia 0,162 0,463 0,225
Phosphorsäure 0,070 0,142 0,120
Schwefelsäure 0,080 0,107 0,095
Chlor 0,289 0,310 0,313
Kali 0,861 0,915 0,895
Natron 0,001 0,015 0,045
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Aschengehalt 2,333 3,262 2,963.

Mangan und Eisen sind bei diesen Analysen nicht bestimmt, weil es bei der geringen Menge, in welcher sie im Rohre vorhanden sind, bei Gegenwart von Phosphorsäure nicht mehr möglich ist, dieselben quantitativ zu scheiden.

Die durch obige Analysen festgestellten Schwankungen in den Mineralbestandtheilen sind nicht gröſser, als sie bei einer Grasspecies auf einem und demselben Felde in verschiedenen Jahren vorkommen können, gleichgültig, ob die Pflanzen gesund oder krank sind. Die Gehalte an Chlor sind in allen drei untersuchten Sorten auffallend hoch im Vergleiche mit denen aller übrigen bis jetzt analysirten Landpflanzen. Der Gehalt an Magnesia ist auffallenderweise höher als der an Kalk. Die Aschenprocente betragen beim Zuckerrohre, bei gesundem wie krankem, weniger als bei allen bisher analysirten Kulturpflanzen. Diese Pflanze nimmt also unter allen Kulturpflanzen den Boden am wenigsten in Anspruch.

Offenbar steht die Pilzkrankheit in keinem nachweisbaren Zusammenhange mit der Ernährung der Pflanze durch die in dem Boden von Pernambuco vorhandenen Nährstoffe und ist auch nicht bedingt durch andere unnütze oder schädliche Beimengungen von Bestandtheilen der Bodenflüssigkeit und des Bodens, wie durch bezügliche Analysen festgestellt wurde.