Text-Bild-Ansicht Band 253

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Deutsche Industrie während des letzten Jahrzehnts.

Mit Abbildungen auf Tafel 14.

Ein über diesen Gegenstand am 6. März 1884 von Prof. C. Bach in Stuttgart am Polytechnikum gehaltener Festvortrag (Königsgeburtstag) brachte Darstellungen, welche auch für weitere Kreise von Interesse sein dürften. Der Redner hatte sich die Aufgabe gestellt, darzuthun, daſs die Fortschritte, welche die deutsche Industrie seit dem Hereinbrechen der wirthschaftlichen Krisis gemacht hat, zu einem groſsen Theile den eigenen Anstrengungen der industriellen Kreise zu danken sind, unter gleichzeitiger Hervorhebung der bedeutenden Unterstützung, welche die neue Wirthschaftspolitik, neue Einrichtungen, wie z.B. das Patentgesetz, die durch die Leistungen der Armee und durch die Reichsregierung geschaffene Sicherheit der politischen Verhältnisse, die Fürsorge der einzelnen Landesregierungen u. dgl. gewährten und noch gewähren. In Verfolgung dieses Zweckes wurden mehrere Industriezweige herausgegriffen und graphische Darstellungen benutzt, die zu einem Theile auf Taf. 14 wiedergegeben sind.

Kohlenbergbau. Die Ordinaten des Linienzuges Fig. 1 stellen dar die Tonnen Steinkohlen, welche jährlich in den preussischen Kohlenbergwerken gefördert worden sind, beginnend mit dem J. 1867 und endigend 1882. Im Allgemeinen zeigt die Curve eine fortgesetzte Zunahme der Production: 21 Millionen auf 47 Millionen Tonnen. (Letztere Zahl ist ungefähr 90 Mal so groſs als der jährliche Kohlen verbrauch Württembergs.) In der Masse der Förderung läſst sich hiernach der groſse Einfluſs der wirthschaftlichen Krisis nicht erkennen.

Wesentlich anders verhält sich der Linienzug Fig. 2, welcher die Verkaufswerthe der gesammten Jahresförderung angibt. Hier markirt sich deutlich die im J. 1871 beginnende rapide Preissteigerung. Aber schon nach 1873 sinkt der Preis und zwar bis 1879, um dann wieder stetig zu steigen.

Die Curve Fig. 3, welche die Veränderlichkeit des Tonnenpreises der Steinkohle darstellt, bringt dieselbe Erscheinung zum Ausdrucke, welche der Linienzug Fig. 2 erkennen lieſs. Weiter findet sich, daſs der Preis für die Tonne seit 3 Jahren ziemlich constant geblieben und zwar um ein Erkleckliches niedriger ist als zu Ende der 60 er Jahre.

Die Curve Fig. 4 zeigt, daſs der Verdienst der Arbeiter (Durchschnittslohn für 8 stündige Schicht) trotz des gleichbleibenden Verkaufspreises seit 1881 gestiegen ist. Woher dies kommt, spricht der Linienzug Fig. 5 aus: Die Leistung des Arbeiters in Tonnen geförderter Kohle hat sich bedeutend gehoben. Während sie in den J. 1868 bis 1870 durchschnittlich 216t jährlich betrug, sank sie während des Zeitraumes 1871