Text-Bild-Ansicht Band 253

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Schwefelwasserstoffes absorbirt, indem derselbe wieder Schwefelcalcium löst und so eine Lauge von Calciumsulfhydrat bildet, welche dann wieder in dem beschriebenen Kessel zersetzt wird. Der hierbei bleibende Rückstand, bestehend aus kohlensaurem Kalk, Kokes, Schwefeleisen u. dgl., wird vorher durch Filtration von der Lauge getrennt. Die Reactionen verlaufen also folgendermaſsen:

CaS + H2S = CaSH2S und CaSH2S + 2H2O = CaOH2O + 2H2S.

Der frei bleibende Schwefelwasserstoff kann nun entweder zu Schwefligsaure verbrannt und diese auf Schwefelsäure verarbeitet werden, oder man kann auch denselben nach verschiedenen bekannten Methoden auf Schwefel verarbeiten.

Ueber eine neue Behandlung des Caseïns.

Armand Dollfus schlägt im Moniteur de la Teinture, 1884 S. 162 vor, das Caseïn mit Salpetersäure zu behandeln, indem er sich hierbei eine derartige Veränderung dieses Befestigungsmittels verspricht, daſs die damit fixirten Farben sowohl in Bezug auf Beständigkeit, als Wohlfeilheit, vortheilhaft die Albuminfarben ersetzen können. Gewöhnliche Salpetersäure verwandelt in der Kalte das Caseïn in wenigen Augenblicken in eine gelbe Substanz, in „Nitrocaseïn“ letzteres wird mit lauwarmem Wasser bis zur neutralen Reaction gewaschen. Hierauf fügt man Wasser und wenig Aetznatron zu und kocht bis zur Lösung. Es darf nur die genau nöthige Menge Natron zugesetzt werden und so viel Wasser, daſs sich die Farbe gut druckt. Beim Dämpfen fixirt sich die letztere auf Baumwolle auf so innige Art, daſs sie allem Reiben, dem stärksten Seifen, dem Chlor und selbst einem schwachen Schönen widersteht. Alkalische Stoffe sowie das Chlor scheinen diese Nitrocaseïnfarbe eher stärker zu fixiren, während sie hingegen durch Säuren geschwächt wird. Der Ton der Farbe ist ein gelbliches Chamois; derselbe kann jedoch durch Einführung von Krappauszug, Ruſsschwarz, Ocker u.s.w. in beliebigem Sinne verändert werden. Es versteht sich von selbst, daſs das neue Verdickungs- und Befestigungsmittel lebhafte Farbstoffe trübt, mit Ausnahme von Guignet's Grün und Mennige, welche durch dasselbe nur gelber gemacht werden. Die dunkeln Farben, in welchen bedeutende Mengen unlöslicher Stoffe enthalten sind, zeigen indessen geringere Beständigkeit als die hellen Farben. Das nitrirte Caseïn mischt sich übrigens gut mit Hühner- und mit Bluteiweiſs.

Behandelt man Caseïn mit immer mehr verdünnter Salpetersäure, so verändert es sich in ähnlichem Sinne; 27° starke Säure bringt jedoch keine Gelbfärbung mehr hervor und erzeugt ein Derivat, welches zwar noch mit sehr wenig Natron gelöst werden kann; dahingegen fixirt die erhaltene Lösung nicht mehr so vollständig, immerhin aber ungleich besser wie nicht behandeltes Caseïn, und ohne die Farben zu trüben. Auſserdem mischt sich die Lösung von weiſsem Nitrocaseïn gut mit Albumin, welch letzteres denselben die fehlende Beständigkeit ertheilt.

Zur Bestimmung des Phenoles im Kreosotöle.

Die Kreosotölfabrikanten bezeichnen meist die Gesammtmenge der in einem Kreosotöle enthaltenen sauren Oele als den Phenolgehalt desselben. Kleinert (Zeitschrift für analytische Chemie, 1884 S. 1) findet nun aber, daſs die sauren Oele der käuflichen Kreosotöle gröſstentheils erst über 200° sieden und sich dennoch gegen Brom wie Phenol verhalten. Wenn man daher in einem Kreosotöle nach der Methode von Koppeschaar (vgl. 1876 221 486) das Phenol bestimmt, so kommt die gröſste Procentmenge nicht auf das Phenol, sondern auf andere, in den sauren Oelen enthaltene und im Wasser lösliche Stoffe von höherem Siedepunkte als der des Phenols.

Ueber Diresorcin.

Bei Versuchen, welche in der Fabrik von E. Merck in Darmstadt im gröſseren Maſsstabe ausgeführt wurden, ergab sich beim Schmelzen von Resorcin mit Aetznatron und Ausziehen der neutralisirten Schmelze mit Aether ein Rückstand, welcher nach dem Umkrystallisiren meist 25 bis 35 Proc. Diresorcin