Text-Bild-Ansicht Band 253

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Ueber die Durchlässigkeit des Silbers für Sauerstoff.

Nach Versuchen von L. Troost (Comptes rendus, 1884 Bd. 98 S. 1427) ist Silber bei etwa 800° ebenso durchlässig für Sauerstoff wie Platin und Eisen für Wasserstoff; auf 1qm Oberfläche gingen stündlich 11,7 Sauerstoff durch Silberblech. Kohlensäure, Kohlenoxyd und Stickstoff diffundiren nur sehr wenig. Luftpyrometer mit Silberbehälter sind daher unzulässig.

Idunium, ein neues Element.

M. Websky (Sitzungsberichte der Berliner Akademie, 1884 S. 331) fand in einem wesentlich aus Zink haltigem Bleivanadat bestehenden Minerale von der Grube Aquadita, Laplata, ein dem Vanadin ähnliches Element, welches Verfasser „Idunium“ nennt. Wird die Vanadinsäure als vanadinsaures Ammonium in Salmiaklösung abgeschieden, so hinterbleibt etwa vorhandene Idunsäure in der Mutterlauge, welche sich bei Zusatz von etwas Schwefelammon röthet und dann rothes Idunoxyd ausscheidet.

Ueber das Einmieten der Rüben.

G. Vibrans (Deutsche Zuckerindustrie, 1884 S. 216) hat beobachtet, daſs die Rüben in den Mieten stärker aus wachsen und 0,5 Proc. Zucker weniger enthalten als in Haufen aufbewahrte. Da nun die Temperatur im Herbste in den Mieten um 4 bis 5° höher ist als in Haufen, so dürfte es sich empfehlen, Rüben überhaupt nur in Haufen aufzubewahren, welche durch Moostorf u. dgl. vor Frost geschützt werden.

Verfahren zur Herstellung von Vanillin.

Nach Haarmann und Reimer in Holzminden (D. R. P. Kl. 12 Nr. 27992 vom 28. August 1883) geht Coniferin durch Oxydation mit wässeriger Chromsäure glatt in Glucovanillin über. Zu dem Zwecke versetzt man eine Lösung von 10 Th. Coniferin in 200 Th. Wasser bei gewöhnlicher Temperatur mit einer Auflösung von 8 Th. Chromsäureanhydrid in möglichst wenig Wasser und überläſst das Gemisch mehrere Tage sich selbst, bis sich ein miſsfarbiger, bräunlicher Niederschlag abgesetzt hat. Man fügt dann Bariumcarbonat oder ein anderes Erdalkalimetallcarbonat hinzu, erhitzt die Flüssigkeit zum Sieden und scheidet davon so die letzten Reste gelösten Chromes als Chromoxydhydrat ab. Die von dem Niederschlage abfiltrirte Flüssigkeit wird auf ein geringes Volumen eingedampft und mit überschüssigem Alkohol versetzt. Dadurch werden sehr geringe Mengen von zuckervanillinsaurem Barium oder Erdalkalimetall, welche sich gleichzeitig mit Glucovanillin bei der beschriebenen Oxydation des Coniferins bilden, gefällt. Die von dem ausgeschiedenen Niederschlage abfiltrirte alkoholische Lösung hinterläſst das Glucovanillin beim Abdestilliren des Alkohols in Krystallkrusten, welche bei etwa 170° schmelzen. Coniferin wird von concentrirter Schwefelsäure mit tief violetter Farbe, Glucovanillin mit hellgelber Farbe gelöst.

Das Glucovanillin wird durch Emulsin in wässeriger Lösung, sowie auch durch Kochen mit verdünnten Mineralsäuren, am besten mit verdünnter Schwefelsäure, glatt in Glucose und Vanillin gespalten. Aus der auf die eine oder andere Weise erhaltenen Lösung wird das Vanillin durch Extraction mit Aether u.s.f. gewonnen.

Zur Kenntniſs des Colchicins.

A. Houdes (Comptes rendus, 1884 Bd. 98 S. 1442) hat zur Gewinnung von krystallisirtem Colchicin die Colchicumsamen mit 96procentigem Alkohol ausgezogen, aus den filtrirten Lösungen den Alkohol abdestillirt, den Rückstand mit 5procentiger Weinsäure ausgezogen und die saure Lösung mit Chloroform ausgeschüttelt. Das Chloroform hinterläſst gefärbte Krystalle, welche durch Umkrystallisiren aus einem Gemische von Chloroform, Alkohol und Benzin gereinigt werden. Man erhält etwa 0,3 Proc. Ausbeute.

Colchicin bildet farblose Prismen von sehr bitterem Geschmacke und schmilzt bei 93°, nach dem Trocknen bei 100° erst bei 163°. Es ist wenig löslich in Wasser, Glycerin und Aether, sehr leicht in Alkohol, Chloroform und Benzin. Es scheint wie das Solonin ein Glycosid zu sein.