Text-Bild-Ansicht Band 253

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F. Greening in London (Englisches Patent, 1883 Nr. 2481) will auf Nitrocellulose zunächst Ammoniakgas einwirken lassen, darauf in Ammoniumsulfatlösung legen; dann wird die Masse mit einer Lösung von Naphtalin und Chlorzink in Methylalkohol gemischt.

Ueber Phosphorsäureanhydride.

Wenn man nach P. Hautefeuille (Comptes rendus, 1884 Bd. 99 S. 33) in einer Glasröhre Phosphor in einem Strome trockener Luft verbrennt, so setzt sich an den kalten Stellen des Rohres das schon bekannte krystallisirte Anhydrid ab, während sich an den heiſseren Stellen ein pulveriges amorphes Anhydrid und an den rothglühenden Stellen ein glasiges Anhydrid absetzt.

Das krystallisirte Anhydrid geht beim Erwärmen auf 440° durch Polymerisation in die weniger flüchtige amorphe Abart über und bei beginnender Rothglut bildet sich das glasartige Anhydrid. Noch höher erhitzt, verwandelt sich dieses unter Sublimation wieder in das krystallisirte Anhydrid; letzteres gibt mit Wasser sofort klare Lösung, die amorphen Anhydride lösen sich dagegen langsam.

Verfahren zur Herstellung von Strontium- oder Bariumchlorid.

Nach B. Wackenroder in Cöthen (D. R. P. Kl. 75 Nr. 28062 vom 24. Oktober 1883) fällt beim Einleiten von Kohlensäure in die wässerige Lösung von Schwefelstrontium oder Schwefelbarium Schwefel haltiges Carbonat. Setzt man aber zu der Sulfidlösung die äquivalente Menge Chlorcalcium, so entsteht beim Einleiten von Kohlensäure Schwefelwasserstoff nebst Chlorstrontium bezieh. Chlorbarium und Calciumcarbonat fällt nieder. Es wird nun zunächst fein gepulverter Coelestin bez. Schwerspath im bekannten Verhältnisse mit gepulverter Steinkohle innig gemischt und bei Luftabschluſs geglüht, die Glühmasse mit Wasser ausgelaugt, die wässerige Sulfidlösung mit so viel Chlorcalcium bezieh. dieses enthaltenden Abfällen versetzt, daſs deren Chlorcalciumgehalt dem Sulfidgehalte äquivalent ist, und siedend so lange Kohlensäure eingeleitet, bis Schwefelwasserstoff nicht mehr entweicht. Die entstandene Lösung von Chlorstrontium bezieh. Chlorbarium wird am besten mittels Filterpressen vom ausgefällten Calciumcarbonat getrennt und behufs Krystallisation durch Eindampfen concentrirt.

Beabsichtigt man die Darstellung von kohlensaurem Strontium, so kann die wie oben hergestellte Chloridlösung mittels Ammoniak und Kohlensäure in Carbonat übergeführt und die entstandene Salmiaklösung durch Destillation mit Kalk wieder in Chlorcalcium und Ammoniak zurückgeführt werden.

Zur Kenntniſs des Quercetins.

Nach C. Liebermann (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1884 S. 1680) stellt man Quercitrin am besten aus frischer Quercitronrinde her, da in der gealterten das Glykosid bereits theilweise zersetzt ist. Von dem im Handel vorkommenden Quercitrin war nur das von Kahlbaum bezogene rein. Die übrigen enthielten namentlich Quercetin, welches durch Selbstzersetzung des Quercitrins entsteht, wenn letzteres vor dem Aufbewahren nicht ganz sorgfältig auf Porzellan und in mäſsiger Wärme ausgetrocknet worden war; aber selbst ganz trockenes Quercitrin scheint sich mit der Zeit zu zersetzen. Derartige Quercitrine sind meist sehr schwer zu reinigen, weil das Quercitrin sich dann nur noch schwer in siedendem Wasser, woraus es zur Reinigung umkrystallisirt werden muſs, löst. Die Lösung ist trübe, kaum filtrirbar und setzt nur wenig Quercitrin ab, wogegen reines Quercitrin sich in genügenden Mengen siedenden Wassers schnell und klar löst, leicht und klar filtrirt und ein Filtrat gibt, welches beim Erkalten durch massenhafte Ausscheidung hübscher, glitzernder, hellgelblich gefärbter Blättchen fast erstarrt.