Text-Bild-Ansicht Band 256

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Daſs die letzte Probe neben der meisten Stärke auch die meiste Hefe enthält, erklärt sich daraus, daſs das Bindungsvermögen für Wasser bei Hefezellen gröſser ist als bei Stärke, so daſs letztere das Bindevermögen für Wasser herabsetzt. Auch die Gährkraft wird durch die Stärke vermindert. So betrug die Kohlensäure-Entwicklung in den ersten 24 Stunden für Probe I 13g,97, für II 11g,27 und für III nur 10g,78. Dies erklärt sich daraus, daſs nicht die Menge der reinen Hefesubstanz, sondern der Grad der Entwicklung der Hefezellen entscheidend für das Maſs der Gährungs erregenden Wirkung ist. Nun hat man es in einer mit Stärkemehl versetzten Hefe zweifellos mit einer solchen zu thun, bei welcher eine wenigstens theilweise Wasserentziehung der Hefezellen erfolgt ist und schon die mikroskopische Untersuchung solcher Hefe läſst erkennen, daſs stets eine ziemliche Zahl verschrumpfter und verfallener Hefezellen sich neben den vollen und prallen, das Bild einer völlig gesunden Beschaffenheit darbietenden Zellen vorfindet.

Wenn nun auch nicht angenommen werden kann, daſs derartige verschrumpfte Zellen bereits völlig abgestorben sind, so ist es doch zweifellos, daſs ihre Lebensthätigkeit keine normale und somit die von dieser zu gewärtigende Wirkung nicht jener gleich sein wird, welche von völlig gesunden Hefezellen in Hinsicht der Gährungserregung geliefert werden kann. Wenigstens wird dies im Anfange des Gährungsprozesses zweifellos der Fall sein. Dagegen läſst sich denken, daſs bei dem längeren Verweilen in einer gährungsfähigen Lösung sich die ursprünglich vorhandenen, nicht normalen Zellen allmählich wieder erholen und dann gleichfalls an der Gährungserregung mitwirken, was soviel bedeuten würde, als daſs eine an Stärkemehl reichere Hefe anfangs schwächer wirkt als reine Hefe, in längerer Berührung mit der Gährungsflüssigkeit aber kräftiger wirken kann. Versuche mit obigen Hefeproben bestätigten denn auch ein Anwachsen der Gährkraft der anfangs schwächer wirkenden Hefen im Verlaufe des Gährungsprozesses.

Wenn gewisse Hefematerialien sich nicht unmittelbar auf Preſshefe verarbeiten lassen, ohne einen Stärkezusatz zu erhalten, so kann gegen die Anwendung des Stärkezusatzes, welcher hier gewissermaſsen nur zur Verbesserung der Beschaffenheit dient, nichts eingewendet werden. Wo jedoch ein Stärkezusatz in der Absicht einer Erhöhung der Ausbeute gemacht werden will, erscheint dies gänzlich verfehlt; denn ein solches Verfahren bedeutet nichts anderes als den Ersatz eines Antheiles von Wasser durch die jedenfalls viel kostspieligere Stärke, während zugleich der Werth des Productes herabgesetzt wird.

Ueber den Anbau von Zuckerrüben.

Wrede bespricht in der Hannoverschen Land- und Forstwirthschaftlichen Zeitung, 1884 S. 1085 die Kosten für den Anbau der Zuckerrüben in der Provinz Hannover. Für 1ha betragen dieselben im Durchschnitte für Arbeiten 240, Düngung 300, Einsaat 24, allgemeine Wirthschaftskosten 64, Pacht 120 und Zinsen vom Betriebskapitale 24, zusammen 774 M., oder bei einer Durchschnittsernte von 310 Doppelcentner (zu 100k) 2,50 M. für den Doppelcentner, einschlieſslich Blätter und Schnitzel. Wie viel von den gefundenen Gewinnungskosten für Blätter und Schnitzel in Abzug zu bringen ist, hängt von der Verwerthung derselben ab. Die der ersteren ist im höchsten Grade abhängig von dem Wetter während der Rodezeit. Ob ein frostfreier Herbst die Fütterung der Blätter bis Ende November gestattet, oder ob ein früh eintretender Frost dieselbe vielleicht schon Mitte oder Ende Oktober unmöglich macht, oder wenigstens auf Ochsen und Hammeln beschränkt, ob trockenes oder nasses Wetter vorherrschend ist, macht selbstverständlich einen groſsen Unterschied.

Für das südliche Mähren ergeben sich nach einer Mittheilung im Organ für Rübenzucker-Industrie, 1884 S. 171 für 1ha bei 250 Doppelcentner Rübenertrag 232 Gulden Betriebskosten.

B. Lach (daselbst 1885 S. 133) zeigt, daſs beschattete Rüben den unbeschatteten erheblich nachstehen.

Auf neun verschiedenen Gütern ausgeführte Anbauversuche ergaben nach M. Maercker (Neue Zeitschrift für Rübenzucker-Industrie, 1885 Bd. 14 S. 85) im Mittel den höchsten Zuckergehalt der Rübe (14,9 Proc.) für Gebrüder Dippe's