Text-Bild-Ansicht Band 259

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werth, da sie in der Schnelligkeit der Wirkung von der viel billigeren gemahlenen Schlacke des basischen Prozesses übertroffen wird.

Verfälschung von Leinöl mit Harzöl u.a.

Nach H. Stockmeier (Technische Mittheilungen für Malerei, 1885 S. 58) ist die Verfälschung des Leinöles mit anderen billigen fetten Oelen durch die Preisverhältnisse so gut wie völlig ausgeschlossen. Dagegen ist wiederholt eine Verfälschung mit Harzöl beobachtet und eine solche mit schottischen Mineralölen wahrscheinlich.

Indien führt neuerdings Leinsamen aus, welcher in England und Holland besonders wegen des Oelkuchens verarbeitet wird; das dabei gewonnene Oel ist das Nebenproduct. Dieses Leinöl, welches sich äuſserlich von dem aus Linum usitatissimum gewonnenen nicht unterscheidet, zeigt die Eigenschaft, selbst nach dem Kochen mit Bleioxyd nicht zu trocknen oder erst ganz allmählich unter ganz anderen Eigenschaftsäuſserungen sich zu verdicken. Dieses Leinöl ist schon öfters in Folge seines geringen Preises im Handelsverkehre in betrügerischer Weise erschienen und hat dort die gröſsten Uebelstände hervorgerufen.

Ueber die Fettbestimmung in den Palmkernmehlen.

Nach Versuchen von Wilm (Landwirthschaftliche Versuchsstationen, 1885 Bd. 32 S. 1) bringt man zur Fettbestimmung von Oelkuchen u. dgl. 5g der getrockneten Probe in einer aus Filtrirpapier geklebten Hülse in den Soxhlel'schen Apparat und hält das Wasserbad auf etwa 65°, so daſs der Aether etwa alle 4 Minuten überhebert. Die Ausziehung des Fettes ist dann in 2 Stunden beendigt; doch ist es erforderlich, daſs das käufliche Palmkernmehl zuvor möglichst fein gepulvert wird.

Zur Werthbestimmung von Braunstein.

P. Charpentier (Comptes rendus, 1885 Bd. 101 S. 316) erhitzt die zu untersuchende Braunsteinprobe mit Salzsäure, leitet das Chlor in eine Lösung von Eisenvitriol: 6FeSO4 + 3Cl2 = Fe2Cl6 + 2Fe(SO4)3, setzt dann Rhodankalium zu: Fe2(SO4)3 + 6KCNS = 3K2SO4 + Fe2(CNS)6, und titrirt mit Kalilauge bis zur Entfärbung: Fe2(CNS)6 + 6KOH = Fe2(OH)6 + 6KCNS.

Nach einem zweiten Verfahren wird das Chlor in eine Lösung von Silbernitrat geleitet, dann ein Tropfen Ferronitrat zugefügt und nun zur Bestimmung des nicht von Chlor gefällten Silbers Rhodankalium bis zum Eintritte der Rothfärbung zugesetzt.

Verfahren zur Reinigung mit Kalk geschiedener Rübensäfte.

Nach Th. Drost (Oesterreichisch-Ungarisches Patent Kl. 89 vom 20. August 1885) wird der in bekannter Weise geschiedene Rübensaft mit Kohlensäure auf etwa 0,12 Proc. CaO absaturirt; in der zweiten Saturation wird jede Pfanne ebenfalls so lange saturirt, bis die Alkalität etwa 0,03 bis 0,035 Proc. CaO beträgt. Wenn der Saft von den zweiten Filterpressen kommt, gelangt derselbe, ohne erwärmt zu werden, mit einer Temperatur von etwa 75° in die Reinigungspfannen. Hier wird derselbe, um gereinigt und entfärbt zu werden, mit einer Lösung von saurer oder neutraler schwefligsaurer Magnesia einige Minuten lang aufgekocht und alsdann über Filterpressen filtrirt. Ist der aus besonders schlechter Rübe gewonnene Dicksaft dunkel, oder weist er keinen genügenden Reinheitsquotienten auf, so kann demselben durch einen kleinen Kalkzusatz eine Alkalität von etwa 0,2 bis 0,4 gegeben und diese mittels saurer oder neutraler schwefligsaurer Magnesia oder Kohlensäure auf etwa 0,04 herabgebracht werden. Nach dieser Behandlung geht der Dicksaft abermals über Filterpressen und kann sodann anstandslos verkocht werden.

Zur Herstellung von Wagenfett.

Zur Herstellung der englischen Wagenfette wird nach A. Ihl (Chemikerzeitung, 1885 S. 1554) aus Harzöl zunächst der sogen. „Ansatz“ gekocht. Hierzu wird Harzöl mit Kalkhydrat 8 bis 12 Stunden lang gekocht, bis eine gleichförmige