Text-Bild-Ansicht Band 259

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1), weil sie auch zur Gerbstoffbestimmung gebraucht werden kann.

Die Simand'sche Methode hält., was die Genauigkeit betrifft, der titrimetrischen von Löwenthal jedenfalls das Gleichgewicht; was sie aber unannehmbar macht, ist der erwähnte groſse Zeitaufwand. Wenn man bedenkt, daſs zum vollständigen Auskochen von 10g Lohe mindestens 0l,5 Wasser nöthig ist, worin also, die Rinde zu 10 Proc. Gerbstoff angenommen, bloſs 1g des letzteren enthalten ist, so wird man leicht einsehen können, daſs die Eindampfzeit sehr in die Länge gezogen wird. In Wahrheit werden aber 10g Rinde kaum genügend lösliche Substanzen abgeben, um die Werthe nicht zu klein werden zu lassen. Wollte man wieder die Menge des zum Auskochen nöthigen Wassers irgendwie beschränken, also concentrirtere Auszüge herstellen, so ziehen hier die Hornschläuche eine Grenze. Die letzteren entfernen nämlich den Gerbstoff aus concentrirten Lösungen nur langsam und unvollständig. Das sonst verhältniſsmäſsig schnelle Eindampfen in Platingefäſsen wird dadurch verlangsamt, daſs sich über dem eingeengten Auszuge eine zähe Haut bildet, die jede Dampfentwickelung verhindert. Ist die Flüssigkeit einmal weggedampft, so folgt ein Trocknen im Schranke, was auch wieder Zeit erfordert. Diese Zeitverluste könnten allerdings einigermaſsen ausgeglichen werden, wenn eine gröſsere Anzahl von Bestimmungen neben einander ausgeführt würden. Dies bedingt aber die Beschaffung vieler Platinschalen. Der Grundgedanke der Methode ist aber richtig und übertrifft hierin die Löwenthal'sche. Während wir bei letzterer die Menge Gerbstoff in Gewichten Tannin, also eines ziemlich davon verschiedenen Körpers ausdrücken, wiegen wir dort den Gerbstoff selbst, wenn auch indirekt.

Oxalsäureverhältniſs. Ich komme nun zur Besprechung der wichtigsten aller Fragen, nämlich zu der Frage: Wie viel Gerbstoff zeigt das Chamäleon an, welches zur Oxydation des ersteren verbraucht worden ist? Die richtige Beantwortung ist nur möglich, wenn die Gerbsäure genau bekannt und ihr Reductionsvermögen gegen Chamäleon festgestellt ist. Wie aus der Einleitung hervorgeht, ist es heute aber noch schwierig, zu sagen, was Gerbsäure eigentlich ist. Gleichwohl sind für Eichengerbsäure schon Reductionsverhältnisse angegeben worden. Nach Oser ist der Reductionswerth von 63g Oxalsäure gleich dem von 62g,29 Eichengerbsäure. Simand gibt das Verhältniſs 63 : 60,11. Die Richtigkeit dieser Zahlen ist aber sehr fraglich.

Dieser schlimmen Sachlage ist man dadurch aus dem Wege gegangen, daſs man das Reductionsverhältniſs einer verwandten Verbindung, des Tannins, bestimmte, welches uns in sehr reiner Form heute zugänglich ist. Aus dieser Beziehung berechnet man dann den Procentgehalt

1)

der Gewichtszahl der Nichtgerbstoffe von derjenigen der gesammten organischen Stoffe erhält man die Menge der in dem Auszüge enthaltenen gerbenden Stoffe, also Gerbstoff = (a – b) – (c – d).