Text-Bild-Ansicht Band 259

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der Rinde an Gerbsäure, als ob erstere wirklich Tannin enthielte. Die erhaltenen Zahlen sind natürlich völlig falsch und den bisherigen Beobachtungen zu Folge zu niedrig; sie geben bloſs einen Vergleichswerth für die Güte einer Rinde. Es ist aber dennoch gerathen, diese Zahlen auszurechnen, denn eine bloſse Angabe des Chamäleonverbrauches in dem Sinne, wie Löwenthal es that, ist für Nichtchemiker nicht verständlich genug. Aber auch dann sind nicht alle Schwierigkeiten gehoben, da ja auch Tannin nicht eine so genau bekannte Verbindung ist, als daſs man ohne weiteres das Chamäleon darauf stellen könnte.

Nach C. Neubauer reduciren 63g Oxalsäure und 41g,57 Tannin je gleiche Mengen Chamäleon. C. Councler und J. Schroeder (1882 246 252) erklären diese Angabe für falsch und geben dafür die Werthe 34g,22 Tannin (Councler) bezieh. 34g,38 (Schroeder) gleich 63g Oxalsäure, welche Zahlen ganz unabhängig von einander gefunden wurden. Als völlig richtig sehen sie dieses Verhältniſs auch nicht an, aber doch als der Wahrheit viel näher stehend wie das Neubauer'sche. Die Genannten bestimmten erst den Wirkungswerth von Chamäleon gegen möglichst reines Tannin, sodann denjenigen gegen Oxalsäure. Den wirklichen Gerbstoffgehalt der Probetanninlösung bestimmten sie nach Hammer, durch genaue Ermittelung des specifischen Gewichtes vor und nach dem Ausfällen des Gerbstoffes mit Hautpulver, worauf aus der von Hammer aufgestellten Tabelle der Gerbstoffgehalt zu ersehen ist. Bei diesem so groſsen Unterschiede der Zahlen konnte ich mich nicht ohne weiteres an diese Angabe halten, sondern muſste versuchen, auf irgend welche Weise die eine oder die andere Zahl wiederzufinden.

Wie Neubauer zu seiner Angabe kam, ist mir nicht bekannt und, da ich das Verfahren von Councler und Schroeder nicht völlig billigen kann, weil ihre Zahl die Richtigkeit der Hammer'schen Tabelle voraussetzt, so entschloſs ich mich, den Gerbstoffgehalt meines Tannins nach der gewichtsanalytischen Methode von Simand festzustellen. Sollten dann die erhaltenen Werthe mit einer der beiden obigen Zahlen – wenn auch nur annähernd – stimmen, so konnte ich mich doch mit Recht an das betreffende Verhältniſs halten, da die Art, wie ich es nachprüfte, eine durchaus unabhängige war. Dabei muſs man nach Simand abgemessene Theile der Rindenauszüge, welche eingedampft werden, ebenfalls vor und nach dem Ausfällen des Gerbstoffes mit Chamäleon titriren. Daraus erfährt man einerseits, wie viel Gerbstoff die Rinde enthält, und andererseits aber auch, wie viel Chamäleon dieser Gerbstoff zur Oxydation beansprucht. Drückt man dann den Werth des verbrauchten Chamäleons durch das Gewicht der entsprechenden Menge Oxalsäure aus, so führt eine einfache Proportion zu dem gewünschten Oxalsäureverhältniſs. Simand fand auf diese Weise das Oxalsäureverhältniſs für Eichengerbsäure; er gibt aber zu, daſs diese Zahl 60,11 entschieden zu niedrig sei, indem die Bestimmung des Gerbstoffgehaltes