Text-Bild-Ansicht Band 261

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Setzt man Thiophensulfosäurechlorid, C4H3SSO2Cl, zu kaltem Wasser und trägt Zinkstaub in dieses Gemisch ein, so wird das Säurechlorid alsbald unter Erwärmung in das Sulfinsalz umgewandelt. Durch abwechselndes Eintragen von Säurechlorid und Zinkstaub gelang schlieſslich die vollständige Umwandlung des ersteren in das sulfinsaure Zinksalz. Es ist zweckmäſsig, die Reaction durch Kühlen mit kaltem Wasser nicht gar zu heftig werden zu lassen.

In ein lebhaft Wasserstoffgas entwickelndes Gemisch von gekörntem Zink und Salzsäure wurde das auf eben beschriebene Weise erhaltene thiophensulfinsaure Zink in kleinen Posten allmählich eingetragen, wobei eine allzu starke Erwärmung zu vermeiden ist. Nach beendigter Reduction wird in die schwach sauere Flüssigkeit ein Ueberschuſs von Zinkstaub eingetragen und erwärmt. Durch Versetzen mit Salzsäure wird das freie Thienylmercaptan, C4H3SSH, abgeschieden und kann durch Wasserdampf überdestillirt werden. Die Ausbeute ist gering.

Mit Diazoverbindungen tritt das Thienylmercaptan zu Azofarbstoffen zusammen. Setzt man zu einer wässerigen Lösung von Thienylmercaptankalium eine Lösung von Diazobenzolchlorid, so erhält man eine orangefarbene krystallinische Fällung, mit Diazobenzolsulfonsäure eine blutrothe Färbung.

Diese letzteren Reactionen sind besonders bemerkenswerth, zeigen dieselben doch ein vollständig verschiedenes Verhalten des Thiophenmercaptans gegenüber dem Phenylmercaptan; letzteres reagirt nämlich nicht mit Diazokörpern, während die Umsetzungen des Thienylsulfhydrates mit den oben erwähnten Diazoverbindungen sofort eintreten.

Nachweisung von Rosanilinsalzen und von sulfonirtem Rosanilin.

Wenn verdünnte wässerige Lösungen von Rosanilinsalzen mit Schwefligsäure behandelt werden, so entstehen nach H. Schiff (Comptes rendus, 1867 Bd. 64 S. 487) helle Lösungen, welche mit Aldehyden stark violett gefärbt werden. S. G. Schmidt (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 1848) fand, daſs auch Aceton die Violettfärbung bewirkt und die durch Schwefligsäure entfärbte Rosanilinsalzlösung läſst sich daher auch als genaues Reagens zum Nachweise von Aceton benutzen. Wie A. Liebmann und Studer im Journal of the Society of Chemical Industry, 1886 S. 287 mittheilen, kann diese Reaction umgekehrt auch zur Nachweisung von Rosanilinsalzen angewendet werden, wenn solche in Wein, Farben u. dgl. vorhanden sind. Zur Prüfung von „Cudbear“ auf beigemischte Magenta wird 1g mit 100cc Wasser gekocht und nach Erkalten die Lösung mit Schwefligsäuregas gesättigt. Dadurch wird der gröſste Theil des „Cudbear“ gefällt. Die Magenta aber, wenn solche vorhanden ist, bleibt in Lösung und verursacht bei Zusatz von Aceton eine starke Violettfärbung. Es ist so möglich, in „Cudbear“, welchem 0,025 Proc. Magenta zugesetzt ist, letztere genau nachzuweisen. Um zu unterscheiden, ob „Cudbear“ mit Rosanilinsalzen oder sulfonirten Rosanilinen verunreinigt ist, kochen die Verfasser die mit Schwefligsäure gesättigte Lösung und färben in der filtrirten Lösung ein mit Tannin und Brechweinstein gebeiztes Baumwolltuch, wobei nur Magenta auf der Faser befestigt wird.

Zur Untersuchung von Wein auf Magenta dampft man 100cc auf 10cc ein, sättigt mit Schwefligsäure, fällt die natürliche Farbe mit Bleiacetat und setzt zum Filtrate Aceton.

T. Fairley empfiehlt (daselbst S. 286) zur Prüfung von Farbhölzern und Archillpaste auf Beimischung von Rosanilinfarbstoffen dieselben mehrere Male mit Ammoniak zu behandeln; dadurch wird der natürliche Farbstoff ausgezogen und auf Zugabe von Alkohol tritt dann der Anilinfarbstoff in der ihm eigenen Farbe auf.

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Berichtigung. In der Tabelle betreff. Auſstieg des Erdöles S. 83 Spalte 2 ist zu setzen „t“ statt „a“. – S. 88 (W. Thomson's Prüfung von Stärkekleister) Z. 13 v. u. ist zu lesen „(250mm lang und 6mm dick)“ statt „(25mm + 4mm)“.