Text-Bild-Ansicht Band 261

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heiſsen Walzenflächen vor, der Fasermasse zunächst Kalkhydrat, dann saure Salze (z.B. Alaun) zuzusetzen und die Walzen auf 132 bis 150° zu erhitzen.

Anwendung des Celluloids zum Schütze von Schiffsböden.

Zur Verhütung von Ablagerungen an der Schiffshaut wurde von Ferd. Capitaine in Berlin und Jul. Bernard in Paris Celluloid mit Erfolg versucht. Vor etwa 5 Jahren wurde auf die untere Fläche eines kleinen Schraubendampfers, welcher die Verbindung der Insel Re mit dem Festlande vermittelt, eine Celluloidplatte von 1mm,5 Stärke und 1qm Fläche befestigt. Das benutzte Celluloid war fast durchsichtig und hatte keinerlei Zusatz von Mineraltheilen bezieh. Farben erhalten. Eine von Jahr zu Jahr sich wiederholende Untersuchung ergab, daſs die Celluloidplatte auch nicht den geringsten Ansatz von Pflanzen oder Muscheln zeigte, während der übrige Schiffsboden davon stets so überzogen war, daſs eine jedesmalige Entfernung derselben nöthig wurde. An der Celluloidplatte war übrigens auch nach Verlauf von 4½ Jahren nicht die geringste Veränderung zu bemerken, weder in ihrer Stärke noch in der Elasticität und Beschaffenheit des Materials. Versuche mit Celluloidfirniſs wurden nicht angestellt; derselbe hat übrigens den Uebelstand, daſs er, um haltbar zu sein, auf eine vorher auf etwa 35° erwärmte Oberfläche aufgetragen werden muſs.

Der mitgetheilte und befriedigende Versuch verdient Beachtung, da der Preis des Celluloids gegenwärtig auf etwa 6 M. für 1k gesunken ist. Es ist übrigens wahrscheinlich, daſs zu dem angegebenen Zwecke das Celluloid nicht durch Hartgummi ersetzt werden kann. (Vor einigen Jahren – vgl. 1877 224 225 – wurde auf die angeblich erfolgreiche Verwendung von Papier hingewiesen, welches freilich viel billiger wäre wie Celluloid. Red.)

Ueber die Behandlung der Abwasser von Städten.

Die Menge des Abfluſswassers von den Straſsen ist je nach dem Zustande derselben und nach dem Verkehre sehr verschieden. Als Durchschnitt vieler Versuche auf verschieden gebauten Straſsen fand C. M. Tidy nach dem Journal of the Society of Chemical Industry, 1886 S. 344 4g Bestandtheile in 1l Abfluſswasser, davon waren 1g,7 gelöst. Auf Holzpflaster fand er während eines heftigen Sturmes 0g,7 Trockensubstanz in 1l Wasser; davon waren 0g,56 in Lösung. Natürlich übt das Wetter bedeutenden Einfluſs auf die Menge und Zusammensetzung des Abwassers aus. Die Menge des verunreinigten Wassers, welches von Fabriken herrührt, lälst sich gewöhnlich gar nicht bestimmen.

Um über die durchschnittliche Zusammensetzung des Abwassers einer Stadt Anhaltspunkte zu erhalten, müssen während mindestens 24 Stunden jede Vo Stunde Proben genommen werden, welche dann mit einander gemischt zur Untersuchung gelangen. Es ist ebenfalls wichtig, daſs an möglichst vielen Stellen in den Abfluſskanälen Proben geschöpft werden. Da Gewitter bedeutenden Einfluſs auf die Zusammensetzung der Abwasser ausüben, müssen auch Proben, welche etwa 1 bis 1½ Stunden nach einem Gewitterregen entnommen wurden, analysirt werden. Als Durchschnitt vieler Versuche enthält nach Tidy das Abwasser der Stadt London nach heftigem Regen 1g,3 Bestandtheile in 1l, davon 0g,9 gelöst. Von den organischen Bestandtheilen sind 0g,2 gelöst vorhanden (vgl. 1874 211 208).

Neben amorphen organischen Substanzen enthalten die Abwasser niedere Thierformen, so Monaden und Vibrionen. Wenn längere Zeit der Luft ausgesetzt, bilden sich höher organisirte Infusorien, so Vorticellen und Rotiferen. Wenn solches Wasser in Zersetzung begriffen ist, entwickelt sich Schwefelwasserstoff und Methan und das thierische Leben verschwindet in denselben. Wird aber solches sich zersetzendes Abwasser mit gewöhnlichem Wasser vermischt und der Luft ausgesetzt, so treten wieder Rotiferen und Vorticellen auf und der schlechte Geruch des Wassers verschwindet. Daraus geht hervor, daſs bei der Analyse von mit Städteabwasser verunreinigtem Fluſswasser je nach der Zeit und dem Orte der Probenahme verschiedene Ergebnisse erhalten werden können. Wasser, welches in der Nähe der Ufer entnommen wird, enthält gewöhnlich nur niedere Thierformen; solches aus der Mitte des Flusses, wo mehr