Text-Bild-Ansicht Band 261

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Die Kosten für Rohmaterialien sind mehr als die Hälfte niedriger wie früher. Auch die Kosten für Arbeit und Ausbesserung sind durch Einführung mechanischer Vorrichtungen u.s.w. bedeutend vermindert worden. Da aber dennoch nach dem Ammoniakverfahren Soda bedeutend billiger hergestellt werden kann, ist es den Leblanc-Sodafabriken nur dann möglich, weiter zu arbeiten, wenn der von den Chlorproducten, namentlich dem Chlorkalke, erzielte Gewinn den durch die niedrigen Sodapreise erlittenen Verlust deckt. Die Leblanc-Sodafabrikanten verlegen sich immer mehr auf die Herstellung von Aetznatron. Dies ist daraus ersichtlich, daſs im J. 1878 nur 96000t, im J. 1886 dagegen 145000t Aetznatron in England auf den Markt gebracht wurden.

Seit der Preis von Chlorkalk durch eine Vereinigung von Fabrikanten einheitlich gehalten wird, ist die Herstellung wie auch der Verbrauch dieses Artikels ziemlich gleich geblieben. Die Sodaherstellung nach dem Leblanc'schen Verfahren muſs aber wahrscheinlich noch weitere Einschränkung erfahren. Im J. 1884 wurden noch 87247 Tonnen Salz nach dem Leblanc-Verfahren zersetzt, ohne daſs Verwendung für die daraus gewonnene Salzsäure vorhanden war. Da aber seither die Preise von Sulfat und Soda noch bedeutend gefallen sind, so ist die Herstellung von Soda ohne Verwerthung der Salzsäure nach dem Leblanc-Verfahren nicht mehr möglich.

Das Verfahren von Simpson und Parnell, welches eine Vereinigung des Leblanc'schen und des Ammoniak-Sodaverfahrens anstrebt, soll von der Alkali und Sulphur Company in Widnes im groſsen Maſsstabe ausgeführt werden. Salzlösung wird mit Schwefelammonium und Kohlensäure behandelt, wobei unter Entweichen von Schwefelwasserstoffgas Natriumbicarbonat gefällt wird und Chlorammonium in Lösung geht; letzteres wird mit Sodarückstand erhitzt und das entweichende Schwefelammonium zur Umsetzung neuer Mengen Kochsalz benutzt. Das Schwefelwasserstoffgas kann in Schwefelsäure oder auch in Schwefel umgewandelt werden. Die Fällung des Bicarbonates nehmen die Erfinder mit reiner, aus Ammoniumbicarbonat hergestellter Kohlensäure vor. Da das Verfahren, verglichen mit der Chlorkalkausbeute, bedeutende Mengen Soda liefert, wird die Leblanc-, wie auch die Ammoniaksodafabrikation, wenn sich dasselbe erfolgreich zeigt, weitere Einschränkung erfahren müssen.

Die Sodaindustrie und ihre Nebenzweige haben sich in England besonders in den Städten St. Helens, Warrington und Widnes eingebürgert. In St. Helens wurde im J. 1829 die erste Sodafabrik errichtet. Jetzt sind in jener Stadt 8 Sodafabriken, 9 groſse Glasfabriken, 5 Kupferschmelzhütten und 2 Kupferextractionswerke in Betrieb. Die Bevölkerungszahl ist von 14252 auf 61472 gestiegen. In Widnes erfolgte der Zuwachs noch schneller. Die Fabrikation wurde dort etwa ums J. 1848 begonnen und jetzt sind 15 Sodafabriken, 4 Kupferwerke und eine groſse Seifenfabrik im Betriebe.

[Kleinere Mittheilungen.]

Zusammendrückung eines Dampfkessel-Flammrohres.

Einen bemerkenswerthen Fall der Zusammendrückung eines Dampfkessel-Flammrohres in Folge von Wassermangel theilt der Engineer, 1886 Bd. 61 * S. 154 mit. Dieser Fall verdient darum besonders Beachtung, als er ein aus Stahl hergestelltes Feuerrohr betrifft, welches sich dabei ganz vorzüglich gut gehalten hat, während bekanntlich nicht selten gerade Stahl bei Dampfkesseln ein wenig zuverlässiges, manchmal geradezu unerklärliches Verhalten zeigt. (Vgl. 1886 261 138. 341.)

Das betreffende Flammrohr war aus Stahlblechen der West Cumberland Eisenwerke hergestellt und in einem Kessel auf einer Grube des Midland-Distriktes in Betrieb. Das Flammrohr bestand aus 11 Schüssen. Die Schüsse waren der Länge nach geschweiſst und an beiden Enden mit Flanschen versehen, mittels deren sie unter Einlage eines Zwischenringes zusammengenietet wurden. In den 2., 4., 6. und 8. Ring war je ein Galloway-Rohr zur Versteifung eingesetzt. Die Zusammendrückung erstreckte sich über den 2. bis 7 Schuſs und erreichte ihre gröſste Stärke in dem 5. und 6. Schuſs; die Querschnitte erhielten hier die aus Fig. 2 bis 6 ersichtliche Gestalt. Während