Text-Bild-Ansicht Band 263

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Als Beispiel diene die Fabrikation des wasserlöslichen Indulins aus salzsaurem Amidoazobenzol und Paraphenylendiamin: 100k salzsaures Amidoazobenzol werden mit 100k Paraphenylendiamin in einem mit Destillirvorrichtung versehenen Blauschmelzkessel 3 bis 4 Stunden lang auf 180° erhitzt. Gegen Ende verdickt sich die Masse, worauf man den Deckel des Kessels abheben und die Masse mit einem eisernen Rührer aufrühren muſs. Zeigt eine herausgenommene und in Salzsäure haltigem Wasser gelöste Probe den richtigen Farbton, so gibt man die Schmelze in einen Abtreibkessel, versetzt mit 90k Natronlauge von 33° B., bläst die flüssigen Verunreinigungen mit Wasserdampf ab, wäscht das zurückbleibende Harz vollständig mit Wasser aus, läſst darauf erkalten, zerkleinert und löst mit der nöthigen Menge Salzsäure auf.

Der gelöste Farbstoff wird mit Kochsalz ausgefällt, durch Umlösen gereinigt, wieder ausgefällt, gepreſst und getrocknet.

Es können alle Diamine des Benzols, Toluols und Xylols, sowie alle Amidoazoderivate derselben, ferner anstatt der letzteren Dimethyl-, Diäthyl-, Phenyl- und Tolylamidoazoverbindungen der genannten Kohlenwasserstoffe und die unter den Namen „Tropäolin D“ und „Tropäolin oo“ bekannten Salze der Sulfosäuren des Dimethyl- und Phenylamidoazobenzols, sowie Chrysoidin und Bismarckbraun zur Gewinnung wasserlöslicher Induline dienen.

Sämmtliche Glieder dieser Farbstoffgruppe sind in Wasser leicht löslich und färben Baumwoll- und Leinenfaser sowohl in ungebeiztem, als gebeiztem Zustande je nach den in Anwendung gebrachten Rohstoffen blau bis rothviolett; bei vorangehender Tannirung der Faser werden die Ausfärbungen kräftiger. Wolle wird am besten ohne jede Beize gefärbt.

Technisch wichtig sind ganz besonders die durch die Einwirkung der Paradiamine auf salzsaures Amidoazobenzol oder Amidoazotoluol entstehenden Farbstoffe, da sie ganz wesentlich lichtechter sind und blauere Farbtöne liefern als die mit Metadiaminen dargestellten.

Setzt man zu der wässerigen Lösung irgend eines der beschriebenen wasserlöslichen Induline ein Oxydationsmittel, z.B. chromsaures Kali, so entsteht beim Erwärmen ein dunkler, in Wasser unlöslicher Niederschlag. Diese Eigenschaft der neuen Farbstoffe, durch Oxydationsmittel dunkler und unlöslich zu werden, ermöglicht es, den auf der Faser erzielten Farben bei tieferem Tone vollständige Waschechtheit zu geben. Zu dem Ende zieht man die mit 2 bis 3 Proc. Farbstoff gefärbte Woll-, Baumwoll- oder Leinenwaare durch ein etwa 60° warmes, 5 bis 7 Procent vom Gewichte der Waare chromsaures Kali enthaltendes Bad und wäscht nachher mit Wasser aus. Es können alle in der Anilinschwarzfärberei gebräuchlichen Oxydationsmittel Anwendung finden und man erhält z.B. durch chromsaures Kali, Ferridcyankalium, chlorsaures Kali und Eisenchlorid gleich gute Ergebnisse.

Zur Gewichtsbestimmung des Indigos.

Zur Bestimmung der Menge des auf der Faser befestigten Indigos empfiehlt A. Renard im Bulletin de la Société chimique, 1887 Bd. 47 S. 41 folgendes Verfahren: Man erwärmt 10g des Stoffes auf 60 bis 70° mit einer mit Kalkmilch versetzten Lösung von neutralem Natriumhydrosulfit; letztere Lösung soll hergestellt werden durch Vermischen von 100cc