Text-Bild-Ansicht Band 263

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Nach dem Zusatzpatente * Nr. 37355 vom 2. Februar 1886 haben Bang und Ruffin ihr Verfahren und den Apparat etwas geändert. Statt Petroleumäther werden jetzt zur Entfuselung des Rohspiritus die über 100° siedenden Bestandtheile des Erdöles und an Stelle der zur Reinigung des gebrauchten Petroleumäthers bez. Erdöles verwendeten Schwefelsäure wird Spiritus von 90° verwendet, welcher dem Erdöle das gelöste Fuselöl wieder entzieht. Es sollen 4 bis 5 Th. 90grädigen Spiritus auf 1000 Th. Erdöl genügen, um aus letzterem alles Fuselöl wegzunehmen.

Der neue Entfuselungsapparat ist in zweierlei Ausführungen in Fig. 15 und 16 Taf. 3 skizzirt. Der erste Apparat (Fig. 15) ist so eingerichtet, daſs der Rohspiritus in die mit Erdöl gefüllten Gefäſse V geleitet wird, deren Anzahl und Gröſse sich nach dem Grade der Verunreinigung des zu entfuselnden Rohspiritus richtet. Um die Vertheilung des Rohspiritus zu begünstigen, kann man Ueberlaufschalen p benutzen, oder auch poröse Stoffe, wie z.B. Schwämme oder Schwammabfälle q, anwenden. Die Gefäſse V stehen durch Röhren, welche vom Boden des einen nach dem oberen Theile des folgenden Gefäſses gehen, unter einander in Verbindung, derart, daſs die Flüssigkeit, wenn sie ein Gefäſs durchlaufen hat, in den oberen Theil des darauf folgenden Gefäſses eintritt, Nachdem die Gefäſse V mit Erdöl gefüllt worden sind, setzt man das erste derselben mit dem höher gelegenen Rohspiritusbehälter A in Verbindung. Der Rohspiritus tritt in der Nähe der Decke ein und sinkt in Folge seines gröſseren specifischen Gewichtes zu Boden, indem er durch das Erdöl hindurchgeht. Von dem ersten Gefäſse flieſst der Rohspiritus nach dem nächsten und so fort bis zu dem letzten Gefäſse V, aus welchem er durch den Hahn E austritt. Da es nothwendig ist, das in den letzten Gefäſsen enthaltene Erdöl stets vollständig rein zu erhalten, so empfiehlt es sich, jedes Gefäſs V mit einem Probirhahne zu versehen, um sich durch Probenahme von der Reinheit des Erdöles überzeugen zu können.

Die Erneuerung des Erdöles erfolgt dadurch, daſs man mit Hilfe der entsprechenden Hähne den Durchfluſs des Rohspiritus unterbricht und den mit dem Erdölbehälter G verbundenen Hahn F öffnet. Der Durchfluſs des Erdöles erfolgt in der umgekehrten Richtung des Rohspiritus, wobei das zuflieſsende Erdöl das in den Gefäſsen enthaltene vor sich herdrängt, welches alsdann durch den Hahn C austritt. Auf diese Weise kann man das Erdöl ganz oder theilweise erneuern. Zur Reinigung des gebrauchten Erdöles wird entweder Schwefelsäure, oder Alkohol verwendet,

Die zweite Ausführung Fig. 16, welche ihrer Einfachheit halber den Vorzug verdienen soll, besteht aus einem stehenden Cylinder X, dessen Gröſsenverhältnisse natürlich je nach Menge und Beschaffenheit des zu behandelnden Rohspiritus wechseln. Dieser Cylinder kann mit Ueberlaufschalen oder mit Schwämmen ausgefüllt sein und steht einerseits durch den Hahn F mit dem Erdölbehälter G, andererseits durch das Rohr L mit dem Rohspiritusbehälter A in Verbindung. Bei C und E befinden sich die Ausfluſshähne. K ist ein Glasrohr zur Beobachtung des Standes der im Cylinder X enthaltenen Flüssigkeit.

Nachdem man vorher den unteren Theil des Cylinders bis zu der Höhe o mit Wasser gefüllt hat, öffnet man den Hahn F, um das Erdöl zuzulassen und den Cylinder damit zu füllen. Das zuerst eingefüllte Wasser hat den Zweck, das eintretende Erdöl zu verhindern, durch das Rohr E auszuflieſsen. Man öffnet hierauf den Hahn B; der Rohspiritus fällt alsdann in dem Cylinder X nach unten, treibt das am Boden befindliche Wasser heraus und geht bei E in vollkommen gereinigtem Zustande ab.

Dieser Apparat soll vor dem im Hauptpatente beschriebenen Gefäſssysteme den Vortheil besitzen, daſs er weniger Raum einnimmt, die Reinigung schneller bewirkt und gestattet, daſs das zum Reinigen dienende Erdöl erneuert werden kann, ohne daſs eine Unterbrechung des Betriebes nothwendig ist. (Vgl. auch Englisches Patent 1884 Nr. 10870 und 1886 Nr. 783.)