Text-Bild-Ansicht Band 266

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Montanstatistik des deutschen Reiches.

In den Monatsheften zur Statistik des deutschen Reiches wird das vorläufige Resultat der montanstatistischen Erhebungen für das Jahr 1886 mitgetheilt. Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, hat mehrfach Einschränkung der Produktion stattgefunden, nichtsdestoweniger sind aber viele Durchschnittswerthe wiederum zurückgegangen.


Producte:
Gesammt-Production:
Menge in 100 Tonnen Werth in Mill. Mark
1886 1885 1886 1885
Steinkohlen 580206 583204 300,7 302,9
Braunkohlen 156170 153529 40,3 40,4
Steinsalz 4444 3775 2,2 2,0
Kainit 2404 2423 3,5 3,7
Andere Kalisalze 7048 6787 7,8 7,4
Eisenerze 44892 91363 29,6 33,8
Zinkerze 7052 6807 7,7 7,6
Bleierze 1585 1579 15,9 15,1
Kupfererze 4958 6214 14,4 19,2
Kochsalz 4796 4613 11,8 11,8
Chlorkalium 1141 1073 15,3 14,7
Schwefelsäure 3258 3153 11,7 12,3
Roheisen 34895 36586 140,4 159,4
Guſseisen zweiter Schmelzung 6729 6436 109,1 109,2
Schweiſseisen und Schweiſsstahl 12908 13736 144,2 165,4
Fluſseisen und Fluſsstahl 13606 11968 165,4 155,9
Zink 1309 1291 34,6 33,9
Blei 930 931 22,1 19,4
Kupfer 200 206 17,3 20,8
Silber k 319598 309418 42,7 44,1
Gold k 1065 1378 3,0 3,9

Veränderung von sog. Wachstaffet beim Lagern.

Gelegentlich einer Revision der in verschiedenen Städten und Festungen Frankreichs für den Mobilisirungsfall aufgespeicherten Verbandmaterialvorräthe wurde die Wahrnehmung gemacht, daſs der sogen. Wachstaffet, wenn er nicht an absolut trockenen Orten aufbewahrt war, sich verdorben und brüchig zeigte. Der betreffende Stoff wird erhalten durch wiederholtes Bestreichen einer feinen Gaze mit gekochtem Leinöl und jedesmaligem Trocknenlassen an der Luft. Balland fand nun, daſs beim Ausziehen des verdorbenen Stoffes mit Wasser sich in diesem bedeutende Mengen sowohl organischer Säuren als auch besonders von Schwefelsäure lösten. Balland ist der Ansicht, daſs die Schwefelsäure durch Verwendung eines mit Hilfe von Metallsulfaten hergestellten gekochten Leinöles in den Stoff gelangt sei. Durch lang andauernde Einwirkung der Feuchtigkeit fand eine Zerlegung der Sulfate unter Freiwerden von Schwefelsäure statt, welche die Zerstörung des Gewebes bewirkte. Balland empfiehlt deshalb die Anwendung eines anders bereiteten Oeles zur Wachstaffetfabrikation oder für Malereizwecke. (Journal de Pharmacie et de Chimie, 1887 Bd. 15 S. 18 nach Archiv der Pharmacie, 1887 Bd. 225 S. 270.)

[Einfacher dürfte das Auftreten der Schwefelsäure durch die Annahme zu erklären sein, daſs zur Herstellung des Wachstaffets mit Schwefelsäure gereinigtes Leinöl benutzt wurde, welches – absichtlich oder unabsichtlich – nicht völlig von dieser Säure befreit worden war. Das zur Bereitung weiſser Oelfarbe mittels Bleiweiſs dienende, mit Schwefelsäure gereinigte Leinöl wird nicht immer vollständig gewaschen, da ein geringer Gehalt an Schwefelsäure das Gelbwerden der Farbe verhindern soll. Vgl. Muspratt's Handbuch der technischen Chemie III. Auflage Bd. 2 S. 1495.]

K.