Text-Bild-Ansicht Band 266

Bild:
<< vorherige Seite

Die Fabrikation des Arsensäurefuchsins; von Dr. Otto Mühlhäuser.

Mit Abbildungen auf Tafel 26 und 27.

Da bis dahin unsere Literatur eine der Wichtigkeit des Farbstoffes Entsprechende Darstellung der Fabrikation des Arsensäurefuchsins, namentlich unter voller Berücksichtigung des entwickelungsgeschichtlichen Momentes nicht besitzt, so hat der Verfasser die Bearbeitung des Stoffes von dieser interessanten Seite aus unternommen. Eigene Erfahrungen in der Fuchsinfabrikation erlaubten die Ergänzung der meist der fremdländischen Literatur entnommenen Resultate.

Die Art und Weise dieser Behandlung des Stoffes dürfte namentlich dem sich für Technologie-Historik interessirenden chemischen Technologen erwünscht sein, aber auch dem der Farbenindustrie näher Stehenden wird ein Einblick in die Fabrikation und in die historische Entwickelung, welche dieselbe im Laufe der Jahre durchgemacht hat, nicht uninteressant erscheinen, zumal die Fuchsinfabrikation derjenige Farbbetrieb ist, in welchem die die organische Farbentechnik charakterisirenden Arbeitsweisen und Kunstgriffe, welche immer wieder da zur Anwendung kommen, wo es sich um die Uebertragung einer Laboratoriumsmethode in den Groſsbetrieb handelt, ihre Ausbildung erfahren haben.

Um dem weniger mit der Sache vertrauten Interessenten das Studium der Abhandlung zu erleichtern, ist der quantitativen Seite der Fabrikation meist die qualitative nebst kurzer Charakteristik des betreffenden Apparatensystemes vorangestellt. Dadurch werden in einigen Fallen Wiederholungen nöthig, aber diese flüchtigen Skizzen, welche der eigentlichen Ausführung vorhergehen, gestatten das tiefere Eingehen auf den Gegenstand. Diese Ausführlichkeit der Darstellung chemischer Prozesse und Manipulationen bringt allein den Gegenstand der Behandlung der Wirklichkeit nahe, es ist daher angezeigt, auch geringfügig erscheinende Operationen und Kunstgriffe, welche zum Gelingen der Operation beitragen, in einer Abhandlung zu schildern, welche vielleicht später geschichtliches Interesse erlangen wird.

I. Die Rothschmelze.

Erhitzt man ein Gemenge der zweifach sauren Arseniate des Anilins

des o- und p-Toluidios
auf 180 bis 190°, so entsteht unter Reduction der Arsensäure zu Arsentrioxyd eine cantharidengrüne Masse, welche die Fuchsinbasen: Pararosanilin, Methyl-Pararosanilin und wahrscheinlich auch Dimethyl-Pararosanilin; die Phosphinbasen: Chrysanilin und Methyl-Chrysanilin und die Indulinbasen: