Text-Bild-Ansicht Band 271

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Abrösten und Einschmelzen ist sehr umständlich, weshalb das Auflösen geschwefelter Kupfererze mittels Eisenchlorides oder Eisenoxydsulfates erst neuerdings wieder von Siemens und Halske (1888 269 364) behufs Gewinnung eines geeigneten Elektrolyten für elektrolytische Kupfergewinnung vorgeschlagen ist. Perino benutzt nun salpetersaure Eisensalze (Eisennitrate), um das Schwefelkupfer der Erze bei niederen Temperaturen (50 bis 150°) direkt zu schwefelsaurem Salze (Kupfersulfat) zu oxydiren. Das stets vorhandene Schwefeleisen soll sich an dieser Oxydation nicht betheiligen, wenn der Prozeſs richtig geleitet wird. Perino beschreibt in der Berg- und Hüttenmännischen Zeitung, 1888 S. 177 ff., selbst die von ihm zu dem angegebenen Zwecke gemachten Versuche.

Mischt man nämlich nach Angabe Perino's gemahlenen Kupferkies innig mit Eisennitrat und setzt das Gemenge einer Temperatur von etwas über 40° aus, so beginnt schon die Entwickelung der nitrosen Dämpfe unter Bildung von Kupfersulfat. Steigert man die Temperatur allmählich bis 100° und 150°, so erreicht man es, daſs beim nachherigen Auslaugen mit Wasser eine reine Kupfervitriollauge resultirt, ohne eine Spur von Eisengehalt, während im Rückstande sich unzersetztes Schwefeleisen, Schwefelsilber u.s.w. und aus dem salpetersauren Eisen entstandenes Eisenoxyd neben den anderen Beimengungen finden. Dieser Rückstand kann dann geeignetenfalls zur Gewinnung des Silbers benutzt werden. Der Rückstand kann nunmehr vollständig abgeröstet und schlieſslich bei der Eisenerzeugung gute Verwendung finden. Die gewonnene Kupferlauge wird nach dem Cementationsverfahren mit metallischem Eisen behandelt und das so erhaltene Cementkupfer weiter geläutert (raffinirt). Die Wiedergewinnung der Salpetersäure aus den nitrosen Dämpfen bietet nach Angabe Perino's keine Schwierigkeiten, wie weiter unten gezeigt werden soll.

Was die Zersetzung des Eisennitrates betrifft, so ergibt der Versuch, daſs die Reduction desselben im obigen Falle bis zur Bildung von Stickoxyd (NO) sich erstreckt, was möglichst vollkommen eintritt, wenn die Schichtung des Materiales eine zweckentsprechende ist. Die Umsetzung erfolgt demnach nach folgender Reactionsgleichung:

Fe2(NO3)6 + 2 CuS = 2CuSO4 + Fe2O3 + 5NO + NO2.

Hiernach kommen theoretisch auf 1 Aeq. Cu 1 Aeq. Fe und auf 1 Th. Kupfer etwa 4 Th. salpetersaures Eisenoxyd.

Die Zersetzung des salpetersauren Eisensalzes erfolgt ohne Beimischung eines oxydablen Körpers erst bei Temperaturen über 100° und dann auch nur theilweise, indem basische Salze sich bilden, welche erst bei beginnender Rothglut weiter zerlegt werden unter Bildung nitroser Dämpfe und eines Rückstandes von Eisenoxyd. Erleichtert wird aber die vollständige Abspaltung des Salpetersäurerestes, wenn oxydable Substanzen zugegen sind, wie im vorliegenden Falle Schwefelmetalle.