Text-Bild-Ansicht Band 271

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Die eigenartige und für obigen Zweck so äuſserst vortheilhafte Wirkung des salpetersauren Eisensalzes besteht nun weiter darin, daſs Schwefelkupfer eher und leichter durch ersteres oxydirt wird als Schwefeleisen, Schwefelsilber u.s.w., so daſs man bei entsprechender Durchführung des Prozesses nach dem Auslaugen eine sehr reine Kupferlauge erhält und Eisen, Silber, Blei u.s.w., im Rückstande sich finden.

Um die Vorgänge bei der Reaction genauer verfolgen zu können, stellt man den Versuch am einfachsten derart an, daſs man das Gemenge von Kupferkies und salpetersaurem Eisensalze in einen Reagircylinder bringt, letzteren in die Durchbohrung der oberen Wandung eines einfachen Trockenkastens einsenkt und die Mündung mit Kork und Gasleitungsrohr versieht. Läſst man die Temperatur nun ganz allmählich ansteigen, so beobachtet man bei etwas über 40° schon das Entweichen der braunrothen Dämpfe. Erhält man die Temperatur dann etwa ½ bis 1 Stunde auf etwa 50 bis 70°, so nimmt die Reaction ihren stetigen Fortgang, ohne daſs aber schlieſslich in dem Reagircylinder die gefärbten Dämpfe zu sehen sind. Entfernt man aber nun den Kork, so treten sofort an der Mündung die braunrothen Dämpfe auf, ein Zeichen, daſs sich Stickoxyd (NO) gebildet hatte. Eine gröſsere Menge dieses Gases erhält man, wenn man zuerst die Luft im Reagircylinder austreibt (durch Kohlensäure) und die entstehenden Gase dann mittels des Gasleitungsrohres in einer Eudiometerröhre sammelt, Merkt man keine weitere Einwirkung mehr, so kann man die Temperatur auf 130 bis 150° steigern, um die letzten Reste von Nitrat zu zersetzen, was ohne Nachtheil geschehen kann, wenn man nicht einen allzugroſsen Ueberschuſs von salpetersaurem Eisensalze zugesetzt hatte. Letzterer bewirkt unter diesen Umständen eine Oxydation des vorhandenen Schwefeleisens u.s.w. und entsprechende Verunreinigung der Kupferlauge. Das richtige Mengenverhältniſs des salpetersauren Eisensalzes zum Kupferkiese ergibt sich am sichersten durch entsprechende Vorversuche, da jenes je nach der Natur der Kupferkiese bezieh. Kupferkies haltigen Schwefelkiese kleinen Schwankungen unterliegen wird. Auch mag es je nach Umständen zweckmäſsig sein, den Sulfatisirungsprozeſs in zwei Phasen zu vollziehen und danach das Mischungsverhältniſs einzurichten, sowie die Temperaturen zu reguliren, um so eine möglichst vollkommene Kupferextraction zu erzielen. Im Uebrigen verläuft der Prozeſs sehr glatt und läſst sich für reiche wie arme Erze gleich gut verwerthen. Einer besonderen Aufbereitung bedürfen die ärmeren Erze nicht und können direkt im gemahlenen Zustande in den Prozeſs eingehen.

Treten wir nun der Darstellung des salpetersauren Eisensalzes näher, so läſst sich dasselbe am einfachsten aus der im Cementationsprozesse erhaltenen Eisenvitriollauge dadurch herstellen, daſs man letztere mit einer concentrirten Lösung von salpetersaurem Kalke oder Strontian