Text-Bild-Ansicht Band 273

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Mit Chlorcalcium hat sich Candlot eingehender beschäftigt. Wider Erwarten hat sich gezeigt, daſs die Bindezeit des Cementes mit der Menge des Salzes bis zu einem gewissen Höhepunkte zunimmt, dann aber rasch abnimmt.

Gehalt an CaCl2 in 1l 2 5 10 20 40 60 100 200 300g
Abbindezeit h25 1h 10h 10h 12 8 6 h20' 9' 8'

Bei diesem Cemente zeigt sich ein Maximum im Anwachsen der Bindezeit bei 20g auf 1l, bei anderen Cementen lag es zwischen 10 und 40g für 1l. Unter 60g sieht man die Bildung hexagonaler Tafeln von Kalkhydrat, die Reactionen sind dieselben wie mit Süſswasser, die Chlorverbindung spielt keine chemische Rolle. Ueber 100g sieht man aber die Bildung langer Nadeln von Calciumoxychlorid; damit im Zusammenhange steht die schroffe Beschleunigung im Abbinden zwischen 60 und 100g von 6 Stunden auf 20 Minuten. Durch Löslichkeitsbestimmung des Kalkes im Wasser kam Candlot zu folgenden Resultaten:

Gewicht d. CaCl2 in 1l 15 36 61 100
Gewicht d. CaO (gelöst) in 1l 1,298 1,003 1,032 1,121 1,312

Die Löslichkeit schwankt also in demselben Sinne wie die Abbindezeit.

Da diese Erscheinungen industrielle Verwerthung zulassen, wurde Candlot für seine Arbeiten von der Société d'encouragement pour l'industrie nationale durch einen Preis ausgezeichnet (Thonindustrie-Zeitung, 1889 Bd. 13 S. 346).

C. Heinzel macht darauf aufmerksam, daſs er hygroskopische Salze, besonders Chlorcalcium, schon seit einigen Jahren zum Langsammachen der Cemente anwendet (Thonindustrie-Zeitung, 1889 Bd. 13 S. 373).

A. Rinne sucht die Wirkung des Chlorcalciums auf Cement zu erklären (Thonindustrie-Zeitung, 1889 Bd. 13 S. 405). Die Erscheinung des Abbindens kommt nur colloiden Körpern zu und besteht darin, daſs dieselben beim Niedersinken im Wasser dank ihrer halbflüssigen Oberflächenbeschaffenheit und ihrer immensen Feinheit, welche an die molekulare grenzt, sich ohne Zwischenräume zu einer harten, festen Masse abzusetzen vermögen. Der colloide Zustand wird begünstigt durch alkalische Reaction, aufgehoben durch saure, und die Gegenwart von Salzen. Ein festes Absetzen beim Schlämmen des Ultramarins oder Thons, was weiter nichts als Abbinden ist, ist bei Gegenwart von Salzen unmöglich. Setzt man zu aufgeschlämmtem Ultramarin etwas Chlorcalcium, so setzt sich derselbe bald als flockiger Niederschlag ab. In ähnlicher Weise wirkt nach Rinne, den colloiden Zustand der Spaltungsproducte des Cementes mit Wasser aufhebend, das Chlorcalcium auf Cement. Verfasser ist der Ansicht, daſs chemische Reactionen, theilweise Aufhebung der alkalischen Reaction, vielleicht die Bildung von Calciumoxychlorid, die schon Ditte und Candlot beobachtet haben, die Ursache dieser Erscheinungen ist.