Text-Bild-Ansicht Band 274

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nicht eintreten, da die Oeffnungen zunächst sehr klein sind und auſserdem nach und nach bei den einzelnen Röhren entstehen werden.

Es liegt demnach in der Construction des Kessels selbst eine vollkommene Sicherheit gegen Explosionsgefahr, indem bei zu hoher Spannung langsam und ohne explosive Wirkung Oeffnungen an den Verbindungsstellen zwischen Oberkessel und Röhren entstehen, welche das Wasser entweichen lassen und dadurch den normalen Druck wieder herstellen, während sich die Oeffnungen wieder schlieſsen.

Sollte in Folge von Wassermangel eine Explosionsgefahr eintreten, so werden die zum Theil von Wasser entleerten Röhren sich erst recht aus ihrer Sitzfläche abheben, indem sie sich stark ausdehnen und den Dampf entweichen lassen. Bei sehr energischer und plötzlicher Dampfentwickelung könnten höchstens einige glühende Rohrstücke ohne explosive Wirkung zerstört werden.

Es ist in der That überraschend, mit welcher Zuverlässigkeit bei dem ausgestellten Versuchskessel der eben beschriebene Vorgang sich abspielt, und es wäre äuſserst interessant, diese Versuche auch mittels Dampfdruck, d.h. durch Heizung des Kessels vorzunehmen.

Zu den eigentlichen Groſswasserraumkesseln übergehend, haben wir zunächst den zum Betriebe der Brauerei dienenden Zweiflammrohrkessel von H. Paucksch in Landsberg a. W. zu erläutern, welcher 75qm Heizfläche bietet und mit einer neuen Form der Tenbrink-Feuerung ausgerüstet ist.

Die Flammrohre des Kessels sind besonders eigenthümlich, da sie aus einzelnen kurzen Schüssen zusammengesetzt sind, welche verschieden groſse Durchmesser haben. So besitzt z.B. der ausgestellte Kessel Flammrohre, deren Schüsse, an der Feuerung angefangen, folgende Durchmesser haben: 800mm bei 1m Länge, 750mm, 700, 650, 700mm bei je 500mm Länge u.s.w. Man ersieht hieraus, daſs die Verengungen und Erweiterungen des Flammrohrquerschnittes nicht unbeträchtlich sind. Der Zweck dieser Anordnung geht dahin, Wirbelungen der Federgase hervorzubringen, um eine bessere Ausnutzung und Verbrennung zu erzielen.

Die einzelnen Schüsse sind nach auſsen umgebördelt und hier durch einen Versteifungsring verbunden. Diese Verbindung ist ungemein fest und sicher, wie zwei ausgewechselte Flammrohre beweisen, welche in Folge Ausglühens ungeheuer eingebeult sind, ohne daſs die Flanschen irgend welche Beschädigung erkennen lassen.

Die benutzte Tenbrink-Feuerung hat eine ungewöhnliche Anordnung. Ueber dem durch Schüttfeuerung beschickten schräg liegenden Roste, welcher nicht im Wassermantelrohre liegt, befinden sich zwei Wasserquerrohre, welche die Feuergase nach vorn ablenken gegen ein drittes oberhalb gelagertes Querrohr, welches die Gase dann in die Feuerrohre drängt.