Text-Bild-Ansicht Band 275

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nach Leuchtgas oder Theer und enthielten reichlich theerige braunschwarze Substanzen, ferner leichte Theeröle und Naphtalin, Spur Ammoniak und Rhodan. Die bei der Destillation des Wassers entweichenden Gase enthielten Schwefelwasserstoff und Acetylen. Die verendeten Fische rochen stark nach Leuchtgas, besonders beim Zerschneiden. Bei Untersuchung der Kanalstrecke vom Gaswerke zur Pegnitz fand sich Schlamm in Massen vor, bestehend hauptsächlich aus Naphtalin und anderen schweren Kohlenwasserstoffen, wenig Ammoniak- und Rhodanverbindungen, Schwefelmetallen, in einem Falle auch Phenol enthaltend. Obenauf schwamm Theer.

Eine im Hofe des Gaswerkes entnommene Probe aus einem Kanalschachte enthielt im Liter 5g Naphtalin und 5cc,7 leichte Theeröle. Im Gaswerke hatte man das Wasser langsam in die Kanäle laufen lassen, während es in die Pegnitz plötzlich in groſser Masse kam, wie sich herausstellte, in Folge von Stauung an einem Wehr und plötzlichem Oeffnen desselben.

Verfasser stellte Versuche an mit Fischen in dem Sperrwasser in verschiedenen Graden der Verdünnung; es zeigte sich, daſs es selbst nach 20facher Verdünnung noch höchst giftig wirkte, die Fische starben trotz folgenden Einsetzens in reines Wasser. Einkochen des Wassers auf ⅓ des Volumens und Verdünnen mit reinem Wasser auf das frühere Volumen nahm demselben die Giftigkeit. Beim Auskochen entwich Ammoniak und Acetylen, später Carbylamin; das Wasser reagirte ursprünglich neutral, bei dem Kochen alkalisch, später schwach sauer. Anscheinend zersetzt sich der giftige Stoff bei längerem Kochen unter Bildung von Ammoniak oder Aminen; es macht dies wahrscheinlich, daſs es ein Cyanür oder Isocyanür ist.

Bei neuer Entleerung eines Behälters wurde das Sperrwasser in die Scrubber geleitet, hier mit Ammoniak angereichert, schlieſslich im Feldmann'schen Apparate auf Sulfat verarbeitet und so unschädlich gemacht, der Schlamm dagegen mit Koksstaub zu Briquetten verarbeitet und verbrannt. (Bericht über die Versammlung bayerischer Vertreter der angewandten Chemie 1889.)

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Handbuch der Spiritusfabrikation: von Dr. Max Märcker, Vorsteher der Versuchsstation und A. O. Professor an der Universität Halle a. S. Fünfte vollständig neubearbeitete Auflage. Mit 280 in den Text gedruckten Abbildungen. Berlin, Verlag von Paul Parey. 1890.

Der Verfasser unterscheidet in der Entwickelung der Spiritusindustrie drei Epochen. Die erste derselben war die Anwendung des Hochdruckes auf die Verarbeitung der stärkemehlhaltigen Materialien und die hierdurch gebotene maschinelle Vervollkommnung der Apparate; die zweite, das Eingreifen der Chemie zur Erforschung des Verlaufes und der Leistungen der einzelnen Operationen der Spiritusfabrikation., welches seine Krönung durch die Errichtung der Versuchsstation für die Spiritusindustrie in Berlin fand; die dritte und neueste ist die Erforschung der Lebensbedingungen des Hefepilzes, das Studium der Spaltpilzgährungen und die Reinzüchtung der Hefe, angeregt durch Pasteur's und Hansen's klassische Arbeiten und in so ausgezeichneter Weise auf die Spiritusfabrikation übertragen durch die Untersuchungen der Versuchsstation für Spiritusindustrie unter Delbrück's Leitung. Gleichzeitig galt es, die neuen Forschungen auf eine veränderte Betriebsweise, die Dickmaischung, zu übertragen. Diese dritte Epoche gehört den letzten Jahren an, und es ist erklärlich, daſs die auf diesem wichtigen Gebiete ausgeführten Untersuchungen zum Theile eine ganz wesentliche Umgestaltung der bisherigen Anschauungen veranlaſst haben. In erster Richtung trifft dieses die Gährungsführung, und es ist danach natürlich, daſs die Kapitel über Gährung und Hefe beim Neuerscheinen des vorliegenden Werkes eine vollständige Neubearbeitung erfahren muſsten. Die neuesten Forschungen haben aber naturgemäſs auch auf fast