Text-Bild-Ansicht Band 276

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Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung 1889; von Fr. Freytag,

Lehrer der Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 275 * S. 486.)

Mit Abbildungen auf Tafel 8 und 9.

Eine gröſsere Anzahl von Dampfmaschinen verschiedener Systeme hatten M. Lecouteux und Garnier in Paris zur Ausstellung gebracht. Zum Betreiben der Wellenleitungen in der groſsen Maschinenhalle diente zunächst eine von der Firma erbaute liegende Condensationsmaschine, welche mit 5k Kolbenpressung und 65 minutlichen Umdrehungen bei ⅛ Cylinderfüllung eine Leistung von 150 indicirten entwickeln soll.

Die nach dem Corliſs-Systeme construirte Maschine hatte dieselbe Steuerung wie die 1886 262 * 148 beschriebene, aus Armengaud's Publication industrielle, 1885 Bd. 29 * 183, entnommene, ebenfalls von Lecouteux und Garnier erbaute Gebläsemaschine.

Der in Fig. 1 Taf. 8 dargestellte Cylinder zeigt eine neuere, bemerkenswerthe Construction. Er besteht, abgesehen von den Deckeln, aus drei Stücken: dem zweitheiligen Mantel und einem inneren, aus Hartguſs hergestellten Cylinder; jeder Theil des Mantels besitzt kreisförmige Gehäuse für den Ein- bezieh. Ausströmschieber, und beide Theile sind in der Cylindermitte durch Flanschenverschraubung verbunden. Der von oben kommende Dampf vertheilt sich gleichmäſsig nach den beiden Einströmöffnungen und erwärmt, durch Löcher a in den Mantel strömend, gleichzeitig den inneren Cylinder. Das im Mantel sich ansammelnde Condensationswasser flieſst aus Stutzen b durch einen selbsthätigen Reinigungsapparat in den Speisebehälter und wird aus diesem mittels Pumpe in den Kessel gefördert.

Der mit einem durchschnittlichen Vacuum von 0m,71 Quecksilbersäule arbeitende Condensator liegt hinter dem Dampfcylinder in derselben Achse, und die verlängerte Kolbenstange ist mit dem Plungerkolben der einfach wirkenden Condensatorluftpumpe verbunden. Die Steuerung der letzteren erfolgt durch kleine, runde und neben einander sitzende Kautschuk-Klappenventile mit groſsem Durchgangsquerschnitt und geringem Hub.

Alle arbeitenden Theile der Maschine sind aus Stahl gefertigt und zwar Kolben und Kurbelstange aus weichem, die Schwungradwelle aus halbweichem, Kolbenstange und Kurbelzapfen dagegen aus weniger Reichem Stahl; die guſseisernen Schalen der Schwungradlager, die Kreuzkopfführungen, sowie die bronzenen Lagerschalen der Kurbelstange sind mit Weiſsmetall ausgegossen.

Ebenfalls zum Betreiben von Wellenleitungen während der Tagesstunden und auſserdem für elektrische Beleuchtungszwecke, demnach Tag