Text-Bild-Ansicht Band 281

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er dem Siebe nicht den nöthigen Widerstand, wird von diesem abwechselnd in die Länge gezogen und nimmt die ursprüngliche Länge wieder an, wodurch stossweise Bewegungen entstehen, welche sich auf die Papierbahn übertragen und sich in Form von hellen oder dunkeln Streifen später im Papier bemerkbar machen. Vorschriften über die Stärke des Gummi lassen sich nicht machen, dieselbe ist abhängig von der Qualität. Der weisse oder rothe Gummi ist weniger elastisch als der braune, dafür aber auch weniger weich, so dass die seitliche Abdichtung schwieriger ist. Diese beiden Gummisorten enthalten als Füllstoffe Schwefel oder Eisenoxyd, und dieses ist auch der Grund, weshalb sie für den besagten Zweck nicht gleich gut geeignet sind. Durch die schleifende Bewegung, welche das Sieb auf das Siebleder ausübt, wird von dem weniger dichten Gummi abgeschliffen und hierdurch werden die Siebmaschen verschmiert oder verschlossen, ein Missstand, der später zur Sprache kommt.

Wie weit das Siebleder auf dem Siebe aufliegen soll, ist für die verschiedenen Papiersorten verschieden. Reicht dasselbe bis einige Centimeter an die Schleusen, so werden hierdurch und in Verbindung mit den Tragewalzen Streifen im Papier beobachtet, welche verhindert werden, wenn das Siebleder über die zweite Schleuse, also unter diesen hindurch geht. Die Papierbahn kann auf diese Art kein Wasser verlieren, die Fasern bleiben in der Flüssigkeit schwimmen und da die Schüttelung der Maschine hier am stärksten ist, so wird auch gleichmässigere Verfilzung der Fasern unter einander erzielt. Die Ränder des Siebleders müssen scharf geschnitten sein, da an allen hervortretenden Stellen Gelegenheit geboten ist, dass sich Fasern ansetzen, welche sich zusammenspinnen und, sei es mit Flocken oder Katzen, das Papier verunreinigen.

Das Schütteln des Papiers, welches beim Büttenpapier nach allen Seiten gleichmässig geschieht, findet beim Maschinenpapier nur nach der Breitseite des Maschinenlaufes statt; es muss deshalb schon bei der Stuhlung der Siebpartie darauf Rücksicht genommen werden. Um die schüttelnde Bewegung auf das Sieb zu übertragen, laufen die beiden Brustwalzenständer auf Rothgusslagern und die Ständer haben Rollen, mittels welcher sie wagerechte und seitlich gehende Bewegungen machen, begrenzt durch den Hub der Schüttelung. Bei dieser Einrichtung ist es möglich, die gusseiserne Einlaufrinne auf den Ständern aufzuschrauben; diese wirkt als Verbindungsstange und nimmt ausserdem eine Menge Stoff auf, welcher ruhig auf das Sieb läuft. Bei dieser Einrichtung überträgt sich die Schüttelung gleichmässig und ohne zu starke Stösse auf das Sieb. Die Schüttelung selbst findet später Besprechung.

Das Sieb läuft ausser auf der Brustwalze auch auf der unteren Gautschwalze, von welcher aus es seinen Antrieb erhält. Auch verschiedene Leit- und Spannwalzen sind unter dem Sieb tische vorhanden, während der obere Theil auf den Registerwalzen liegt, welche durch dasselbe in Bewegung gebracht werden. Beim Einlaufe liegen diese Registerwalzen dicht neben einander; je mehr die Papierbahn von ihrem Wasser verliert, um so weiter liegen dieselben aus einander, bis zum ersten Saugekasten, nach der Gautschpresse zu sind dieselben nicht mehr nöthig. Der Draht, welcher zu dem Sieb verwendet wird, muss möglichst gleichmässig in der Stärke sein, so dass 1 qc immer genau die gleiche Anzahl Drähte enthält. Derselbe muss gleichmässig geglüht und gehärtet sein, damit er die Spannung aushält, welche das Sieb nöthig hat. Die bewegende Kraft, welche das Sieb erfordert, wird durch die untere Gautschwalze auf dasselbe übertragen; dieses muss aber bei der grossen Spannung so viel Festigkeit und Kraft haben, dass es im Stande ist, alle zur Spannung als auch zum Tragen nöthigen Walzen in Bewegung zu bringen, ohne dass sich die Längsdrähte zu stark verlängern. Es muss deshalb auf die Anfertigung alle Sorgfalt verwendet werden, was häufig nicht der Fall sein kann, da von Seiten der Fabrikanten oft darin gefehlt wird, dass sie nicht immer mehrere Siebe in Vorrath halten und bei unvorhergesehenen Fällen die Anfertigung übereilt werden muss. Dieser Fehler rächt sich oft bitter. Siebe, welche rasch angefertigt werden müssen oder nicht genau für die Maschine passend sind, halten kaum die Hälfte der Zeit, wie wenn auf die Anfertigung Sorgfalt verwendet wird. Man halte deshalb immer zwei bis drei Siebe im Vorrath; trocken aufbewahrt, halten sich dieselben und die längere Dauer dieser Siebe hebt die Zinsen, welche hierdurch verursacht werden, auf. Auch die Länge des Siebes ist von Einfluss auf die Geschwindigkeit der Arbeit, auf die Verfilzung der Fasern. Für eine Maschine von 1800 bis 2000 mm Arbeitsbreite wird eine Sieblänge von 9 bis 10 m verlangt, und kann man damit 45 bis 50 m in der Minute arbeiten. Das Einlegen des Siebes erfordert die grösste Sorgfalt und Vorsicht, da hierdurch die Haltbarkeit des Siebes bedingt ist, sowie auch die Qualität des Papiers davon abhängig ist. Genaue Anleitung über das Einlegen des Siebes, welche nach eigener Erfahrung als durchaus zuverlässig erprobt wurde, ist enthalten in Hofmann's Handbuch der Papierfabrikation, S. 653. In neuester Zeit wird als Material für die Siebe Phosphorbronze verwendet und haben sich diese gut gehalten, da an Stelle des früher verwendeten Alauns jetzt überall schwefelsaure Thonerde genommen wird. Das zum Theil vorhandene saure Salz reagirt auf Lackmus roth; das weichere Messing würde durch die Säure angegriffen und geschwächt werden, indem bei der Anfertigung von Leimpapier schwefelsaure Thonerde im Ueberschuss vorhanden sein muss. Dieser Ueberschuss ist auf Phosphorbronze ohne Einfluss, die Siebe behalten ihre Festigkeit und halten länger als die früher angefertigten.

(Fortsetzung folgt.)

Matrizen-Setzmaschine Linotype.

Mit Abbildung.

Das Problem, Lettern auf mechanischem Wege zu einem Schriftsatze zu vereinigen, ist seit dem letzten Berichte in D. p. J. 1889 274 * 459 seiner Lösung wieder ein gut Stück näher geführt und es nimmt die Einführung von Setzmaschinen in den Druckereien Nordamerikas und Englands von Jahr zu Jahr grösseren Umfang an. Besonders gilt das von den Vereinigten Staaten, die auch auf diesem Gebiete zufolge ihrer besonderen Verhältnisse und der technischen Begabung ihrer Bürger an der Spitze der technischen Entwickelung marschieren. In englischen Druckereien sind besonders die Setzmaschinen von Hatersley und von Thorne bevorzugt, welche letztere den Lesern dieses Journals 1882 243 * 387 und 1889 274 * 467 in Wort und Bild vorgeführt wurde, und für welche die ausführende