Text-Bild-Ansicht Band 281

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Entstellungsursachen suchen. Es ist nun möglich, dass durch die am Schlusse der Gährung eintretende Selbstgährung der Hefe durch Umwandlung des Glykogens der Hefe die höheren Alkohole gebildet werden. Wahrscheinlicher jedoch ist dem Verfasser die Annahme, dass die höheren Alkohole zum grösseren Theil auf die Entwickelung mikroskopischer Organismen, die im Anfange der Gährung durch die Lebensthätigkeit der Hefe unterdrückt werden, zurückzuführen ist. Aus seinen Beobachtungen zieht der Verfasser einige Schlüsse für die Industrie. Wein, Most, Bier u.s.w. erhalten in der sogen. Nachgährung einen eigenthümlichen Geruch, den sie in der Hauptgährung nicht besassen, es bilden sich bei der Nachgährung aus Alkohol und Säuren Aether. Gleichzeitig werden höhere Alkohole gebildet, die in concentrirten Mengen widerlich riechen, in geringer Menge jedoch dem Alkohol Bouquet verleihen. Wenn daher Getränke ein Bouquet erhalten sollen, so soll man sie nachgähren lassen. Dies ist jedoch peinlichst zu vermeiden bei Gährungen, die einen Alkohol ohne Nebengeruch geben sollen. Je später man die vergohrene Würze zum Destilliren bringt, um so mehr setzt man sich der Gefahr aus, höhere Alkohole zu erhalten und die Ausbeute an Aethylalkohol herabzusetzen.

Nach Versuchen von R. Wolffhardt über den Einfluss des Alkohols auf die Magenverdauung wirken 15 bis 30 g absoluten Alkohols verschlechternd auf die Verdauung sowohl der Amylaceen wie des Fleisches. 60 g 50procentiger Cognac scheinen die blosse Amylaceenverdauung zu hemmen, die Fleischverdauung dagegen beschleunigen sie, während des Essens genommen. (Münchener medicin. Wochenschrift, 1890 Nr. 35.)

Eine abgekürzte Berechnung des Alkoholgehaltes gegohrener Flüssigkeiten theilt G. Holzner in der Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, Bd. 17 S. 37, mit.

Ein Verfahren zur Gewinnung von fuselfreiem Spiritus unter Nutzbarmachung der Abgänge als Futtermittel, Düngemittel und Holzkohle ist A. Manbre patentirt. (Englisches Patent Nr. 14719 vom 18. September 1889.)

Ein anderes, demselben Erfinder ertheiltes englisches Patent Nr. 15064 vom 24. September 1890 betrifft die directe Gewinnung von denaturirtem Spiritus aus stärkemehlhaltigen Stoffen und Holz.

Ueber die Verwendung des Spiritus zu Heiz- und Kochzwecken berichtete P. Brüggemann in der Generalversammlung der Spiritusfabrikanten Deutschlands (Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 14, Ergänzungsheft S. 36). – Ebendaselbst S. 51 veröffentlicht F. Brinck eine durch Abbildungen erläuterte Beschreibung der Spiritus-Koch- und Heizvorrichtungen für häusliche und gewerbliche Zwecke.

Verfahren zur Entfettung von Kartoffeln, Malz, Getreide u. dgl.; von Julius Weber in Rossla a. Harz (D. R. P. Nr. 55413 vom 7. Mai 1890 ab).

Zur Abscheidung des Rohrzuckers unreifer Kartoffeln empfiehlt Seliwanow in der Zeitschrift für angewandte Chemie, Bd. 20 Nr. 1 S. 272, die getrockneten, gemahlenen Kartoffeln mit kohlensaurem Baryum zu mengen, dann mit 80procentigem Alkohol zu extrahiren und aus der alkoholischen Lösung den Zucker als Strontiumsaccharat durch Kochen zu fällen. Nur durch den Zusatz des Baryumcarbonats soll die Fällung vollständig werden.

Ein neues Lösungsmittel für Cellulose, welches Cellulose augenblicklich und ohne wesentliche Veränderung löst, geben C. F. Cross und E. J. Bevan in Chemical News, 1891 Bd. 63 S. 66, an. Das Lösungsmittel besteht aus concentrirter Salzsäure, in welcher man etwa das halbe Gewicht Zinkchlorid aufgelöst hat, so dass eine Flüssigkeit von 1,44 spec. Gew. entsteht.

Studien über das Saccharin veröffentlicht C. Kornauth in den Landwirthschaftlichen Versuchsstationen, Bd. 36 S. 241. Die Versuche ergaben, dass das Saccharinum purum Fahlberg's nur schwache antiseptische Wirkungen besitzt und dass die Verfütterung desselben, selbst in grossen Dosen, in keiner Weise eine schädigende Wirkung auf den Organismus oder auf die Ausnutzung des Futters ausübt.

Ueber das Verhalten der Fettkörper und die Rolle der Lecithine während, der Keimung; von W. Maxwell. (Americ. Chimist, Bd. 13 S. 16.)

Ueber den Einfluss der Temperatur und der Concentration auf die Vergährung des Mostes schreibt F. Ravizza in Le Statione Speriment. Agrar. Ital., Bd. 19 S. 142.

Ueber die Gährung von Calciumglycerat durch den Bacillus aethaceticus; von Frankland und Frew. (Journal of Chem. Soc., Bd. 59 S. 81.)

Ueber das Verhalten niederer Pilze gegen verschiedene organische Stickstoffverbindungen hat O. Löw Untersuchungen ausgeführt. (Biologisches Centralblatt, Bd. 10 S. 577.)

Untersuchungen über die Einwirkung der Wärme auf die Hefe; von M. E. Kayser. (Annales de l'Institut Pasteur, 1889 S. 513; auch Zeitschrift für das gesammte Brauwesen, Bd. 13 S. 530.)

Vorschläge zur systematischen Eintheilung der Hefepilze macht Jos. Krieger im Amerikanischen Bierbrauer, Bd. 24 S. 5. Verfasser hält die Sporenbildung für kein Charakteristicum der Saccharomyceten, da die Fähigkeit der Sporenbildung durch lange fortgesetzte Sprosscultur unter gewissen Bedingungen nach und nach verloren gehen kann. Dagegen gibt die physiologische Thätigkeit, die chemische Einwirkung auf die Kohlehydrate, ein werthvolles Mittel zur Bestimmung der Saccharomycesarten.

Ein Verfahren zur industriellen Gewinnung von Milchsäure beschreibt G. Jacquemin im Journ. Pharm. Chim., 1891 Bd. 5 Ser. 23 S. 229. – Ebendaselbst S. 287 berichtet E. Delacroix über die Fabrikation von Milchsäure aus dem Milchserum.

Versuche über den Einfluss von bleihaltigem Lote auf Spirituosen, welche Stockmeier in der Versammlung der bayerischen Vertreter der angewandten Chemie, Bd. 9 S. 29, veröffentlicht, ergaben, dass Cognac beim Aufbewahren in Flaschen aus verzinntem Eisenblech mit stark bleihaltigem Lote in kürzester Zeit Blei und Zinn auflöst. Der Cognac enthielt in 100 cc 0,0174 g Blei, 0,0456 g Zinn, 0,1622 g Eisen und besass eine grünschwarze Färbung, welche von der Einwirkung des Eisens auf die beim Lagern des Cognacs in eichenen Fässern stets in Lösung befindliche Eichengerbsäure herrührte.

Morgen.

[Kleinere Mittheilungen.]

Aluminium als Blitzlicht für photographische Zwecke.

Nach einer Mittheilung der Zeitschrift Electrical Review ist der Vorschlag gemacht worden, das bisher bei den Photographen übliche Magnesium-Blitzlicht durch Licht aus einer Mischung von gepulvertem Aluminium und chlorsaurem Kali zu ersetzen. Die genannte Mischung soll ein vorzügliches Blitzlicht liefern und von der Belästigung durch die Rauchentwickelung, wie sie beim Magnesiumlicht eintritt, vollkommen frei sein.