Text-Bild-Ansicht Band 282

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Ströme von zweierlei Richtung gebräuchlich ist. Den Arbeitscontacten und den Ruhecontacten sind zur Verminderung des Geräusches beim Aufschlagen flache Stahlfedern beigefügt worden, wie dies Siemens and- Halske bereits 1871 gethan haben. Ferner ist bei jedem Ruhecontacte aussei* dem in den Tasterhebel eingeschraubten Contactstifte am Tasterhebel auch noch ein durch eine Feder nach unten gedrückter, beim Auftreffen auf den Contact nachgebender und ein wenig nach oben ausweichender Stift zur Verlängerung des Contactes angebracht worden. Dies und die Anordnung der in unnöthig grosser Anzahl vorhandenen Contactschienen lässt den Taster etwas verwirrend erscheinen.

Eine anscheinend sehr zweckmässige Neuerung haben R. Stock and Co. in Berlin an einem ausgestellten Hughes (vgl. 1867 184 * 1. 1877 224 * 50) vorgeführt; dieselbe bezieht sich auf die Verkuppelung und Entkuppelung der Druckachse mit der Schwungradachse und ist ihnen durch das D. R. P. Kl. 21 Nr. 55929 vom 6. Juli 1890 patentirt worden. Beim Hughes wird bekanntlich die Druckachse dann, wenn gedruckt werden soll, mit der beständig umlaufenden Schwungradachse dadurch gekuppelt, dass der abgeworfene Elektromagnetanker einer an einem Querstücke der Druckachse angebrachten Feder gestattet, einen seither auf der schiefen Ebene ruhenden Sperrkegel in die Zähne eines auf der Schwungradachse sitzenden Sperrades einzulegen, die Entkuppelung aber erfolgt nach Vollendung eines Umlaufes der Druckachse durch das Auflaufen eines Ansatzes an dem Sperrkegel auf der Rückseite der schiefen Ebene und es muss dabei der Ansatz nothwendig noch die Schneide der schiefen Ebene übersteigen. In dieser Anordnung steckt eine gewisse Unsicherheit und eine wechselnd ungleichmässige und einseitige Belastung der Schwungradachse. R. Stock und Co. bringen nun zur Verkuppelung die Anwendung einer auf der Druckachse verschiebbaren Muffe in Vorschlag, welche beim Verschieben durch eine an ihr befestigte, in einer Nuth liegende und sich in dieser verschiebenden Feder geführt wird, und schliesslich mit den an ihrer Stirnfläche angebrachten Zähnen sich in die Zähne eines auf der Schwungradachse festsitzenden Rades einlegt. Der Ankerhebel wird gabelförmig gestaltet, und ein Anschlag an der unteren Gabelzinke hindert, indem er sich vor eine Nase des ausgerückten Muffes legt, den Muff an der Drehung. Beim Abwerfen des Ankers gibt der Anschlag die Nase frei und zugleich gestattet ein seitlich an der Zinke vortretender keilförmiger Ansatz, da er mit der Zinke zurückweicht, einer Spiralfeder, die Muffe entlang der Druckachse zu verschieben und die Verkuppelung herzustellen. Kurz bevor die Druckachse ihren Umlauf vollendet hat, wirkt ein aus der Mantelfläche der Muffe vorstehender Daumen auf die obere Zinke der Gabel, hebt letztere empor, bringt den keilförmigen Ansatz der unteren Zinke in den Bereich der Nase der Muffe, so dass diese unter Spannung der Spiralfeder und Lösung der Kuppelung auf der Druckachse zurückgezogen wird und die Nase sich endlich wieder an dem Anschlage der unteren Zinke fängt.

Es wäre nun noch des ausgestellten Kabelrelais des Candidaten der Naturwissenschaften Karl Ochs in Ludwigshafen a. Rh. zu gedenken, doch mag bezüglich der Einrichtung desselben auf die Patentschrift Nr. 56639 vom 19. Juni 1890 verwiesen werden. Und so bliebe denn von den Telegraphen im engeren Sinne nur noch der Börsendrucker von Siemens und Halske zu besprechen, welcher den Uebergang von den eigentlichen Verkehrstelegraphen zu den Haus- und Stadttelegraphen anbahnt und im nächsten Hefte ausführlich beschrieben werden soll.

(Fortsetzung folgt.)

M. Heidecke's elektrische Kraftmaschine mit schwingender Bewegung.

Mit Abbildung.

Textabbildung Bd. 282, S. 13
Die Kraftmaschine von M. Heidecke in Berlin (D. R. P. Kl. 21 Nr. 52787 vom 11. December 1889) besteht aus zwei einander gegenüber stehenden Elektromagnetpaaren MM und NN, zwischen denen die mit dem Werkzeug S durch ein Gelenk verbundenen Anker D, D schwingen. Der eine Anker ist über den Drehpunkt hinaus verlängert. Diese Verlängerung B schwingt zwischen den Backen E und F eines mit den Stromschlussfedern f, f verbundenen und um g drehbaren Hebelarmes G. Der jedesmalige Stromschluss wird, da der Arm B zwischen den Backen K und F einen geringen Todtgang hat, kurz vor jedem Hubende durch Andrücken der Feder f gegen eine der beiden Stromschlusschrauben L, L bewirkt. Jede der beiden Stromschlusschrauben steht mit einem Ende der Erregerwickelung eines Elektromagnetpaares in Verbindung, so dass die Elektromagnete abwechselnd eingeschaltet werden, also auch abwechselnd auf die Anker DD wirken und das Werkzeug S hin und her bewegen.

Der Roheisenerzprocess im basischen Martinofen.1)

Von Dr. Leo.

Man erzeugt Stahl im Siemens-Martinofen indem man Schweisseisen- oder Stahlschrott im Roheisenbade auflöst: dieses Verfahren ist als „Schrottprocess“ bekannt.

Der Siemens-Martinofen ist in Folge dieses Verfahrens zur Zeit der geeignetste Apparat für die Verwerthung von Schrott, und die vorzüglichen Resultate, die man mit ihm in Rücksicht auf die Qualität des Productes erzielt, regten und regen noch heute zur steten und gewaltigen Verbreitung des in ihm zu bethätigenden Processes lebhaft an. Zudem hat der Martinstahl nach Einführung des Ferrosiliciums in die Stahlfabrikation den Tiegelstahl aus der Erzeugung von Stahlguss fast ganz verdrängt.

Das Ausbreitungsfeld wird dem „Schrottprocesse“ aber vielfach durch ökonomische Rücksichten verengt – er

1)

Unter Anlehnung an: Examen du Procédé L. Imperatori... par Cyriaque Helson, ingénieur metallurgiste, und Note sur le Procédé au minerai ou „Ore Process“ etc.; par M. A. Pourcel (Mémoires et compte rendu des travaux de la Soc. des Ingén. Civ., Mai 1891).