Text-Bild-Ansicht Band 282

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1) dadurch, dass man fremde Düngemittel zu kaufen gezwungen ist,

2) dadurch, dass man Nahrungsmittel zu kaufen genöthigt ist, welche in England selbst geerntet werden sollten,

3) durch Ausgaben für Arbeiten, welche für complicirtere Wasserversorgungssysteme gemacht werden müssen, da die natürlichen Wasser in der Nähe der Städte stark verunreinigt sind.

Man wird hierzu bemerken, dass dies alles nichts Neues ist, aber so gut der Gegenstand selbst bekannt ist, so wenig ist davon in der Praxis Anwendung gemacht.

Die Erfahrung der letzten 20 bis 25 Jahre lehrt Folgendes: Erstens, was die Kanalwasserableitung anbelangt, so ist dieselbe zweifellos Schuld an der Bildung der Kanalgase. Ich weiss wohl, dass die Schwemmkanalisation für das Publikum grosse Vortheile bietet. Trotzdem ist mit diesem Schwemmsystem ein grosser Nachtheil, nämlich die Bildung von Kanalgasen verbunden, welch letztere bei Sturm oder starken Luftdruckschwankungen ihren Weg in die Häuser nehmen. Die Kanäle bieten durch ihre poröse Oberfläche beim Steigen und darauffolgendem Fallen der Kanaljauche und bei der warmen, feuchten Temperatur in einer Atmosphäre, in der es an Sauerstoff mangelt, die günstigsten Bedingungen für die Bildung dieser Gase.

Zweitens, die starke Verdünnung der Kanaljauche durch Wasser macht sie untauglich als Düngemittel. Dieselbe enthält Stoffe, welche aus der starken Verdünnung abzuscheiden mehr als das Zwanzigfache ihres Werthes kosten würden.

Drittens, auf die Verdünnung der Kanaljauche in den Häusern selbst muss nothwendig eine zweite in dem Kanalnetze folgen. Es ist mehrfach in Vorschlag gebracht worden, zwei Kanalnetze neben einander anzulegen, eines für die eigentliche Kanaljauche, und das zweite für die Abfuhr von Oberflächenwasser. Diesem Vorschlage widerspricht die Notwendigkeit, welche jeder Tiefbauingenieur kennt, die Kanäle mittels der Regenmassen zu reinigen und dieselben so in einem für die Gesundheit zuträglichen Zustande zu erhalten. Die grossen Sielkanäle Londons, von welchen einige 11 bis 12 Fuss Durchmesser besitzen, haben oft auf einer Länge von mehreren Meilen nur 1 Fuss Gefalle für 1 Meile (engl. = 1,609 km).

Welche Anhäufungen von Unrath würden in diesen Kanälen Platz haben, wenn nicht das Regenwasser von Zeit zu Zeit ausspülte. Durch diese starke Verdünnung wird aber das Volumen sehr vergrössert und somit der Werth der brauchbaren Stoffe auf ein Minimum reducirt.

Die Menge Sielwasser, welche 1888 täglich im Durchschnitt aus London abfloss, belief sich auf 6¾ Millionen cbm, und voraussichtlich ist dieselbe seitdem noch angewachsen. Lässt man diese Kanaljauche absitzen und entfernt den Schlamm, so würde man daraus 8000 t Schlamm erhalten, welcher durch Filterpressen abgepresst, 850 t Rückstand von folgender Zusammensetzung ergeben würde:

Mineralsubstanz 30 Proc.
Organische Substanz 14
Wasser 56
––––––––––
100 Proc.
Der Schlamm enthält:
Ammoniak 0,04
Gebundenen Stickstoff 0,90
Phosphorsäure (P2O5) 0,50

1 cbm Kanaljauche in London enthält etwa 33 g Ammoniak oder rund 0,004 Proc. Die Menge der Phosphorsäure kommt nicht in Betracht mit Rücksicht auf die starke Verdünnung. Das Ammoniak ist also der einzige werthvolle Stoff in den Abwässern.

Nehmen wir nun den Preis des schwefelsauren Ammoniaks bei 25 Proc. NH3 zu 12,80 M. an, und 1 Einheit Ammoniak im Dünger in einer Form, welche direkt zum Düngen des Landes verwerthet werden kann, zu ungefähr 10 M. für 1 t, so ist das Ammoniak in 1 t Londoner Kanaljauche = 0,004 × 1000 Pf. = 4 Pf. werth. Wie soll man unter solchen Verhältnissen die geringen Mengen Ammoniak in eine Handelsform bringen? Die einfachen Manipulationen, wie das Pumpen, Klären und Pressen der Kanaljauche kosten für 1 t schon weit mehr, so dass diese Art der Verwerthung aus pekuniären Gründen ausgeschlossen ist. Demnach musste man die Versuche, aus der Kanaljauche die für Düngemittel verwendbaren Stoffe abzuscheiden und zu verwerthen, überhaupt aufgeben und zufrieden sein, die Abwässer bei möglichst niederen Unkosten überhaupt los zu werden. Im Orient und in verhältnissmässig uncivilisirten Ländern wird die Kanaljauche direct auf den Boden gebracht und in übervölkerten Ländern, wie China, hat dies zur Folge, dass das Land ohne grössere Importe seine Lebensmittel selbst hervorbringt.

In England ist der Vorschlag von Moule nicht ganz ohne Erfolg gewesen, wonach die Kanaljauche nicht auf den Boden, sondern der Boden in die Kanaljauche zu bringen, und die saturirte Erde dann mit der Humuserde zu mischen sei; jedoch der Transport der Bodenerde ist so kostspielig, dass das Verfahren bei grösseren Städten nicht durchführbar ist.

In Warrington und Nottingham ist das Sinkkastensystem eingeführt, und wird der Schlamm von den dortigen Landwirthen sehr geschätzt, so dass durch denselben ein Theil der Abfuhrkosten gedeckt wird, jedoch von sanitärer Seite könnten Bedenken geltend gemacht werden, da man noch kein Mittel besitzt, den Schlamm geruchlos zu machen.

Sollte es wirklich aussichtslos sein, geeignete Chemikalien und eine passende Methode zu finden, mittels deren die Abfälle einer Stadt schnell trocken und geruchlos gemacht, gesammelt und dem Boden wieder zugeführt werden können?

Meiner Ansicht nach wären hierfür folgende Punkte ins Auge zu fassen:

a) die Auffindung eines Stoffes, welcher in geringen Mengen angewandt, die Excrete sofort geruchlos macht, und deren Zersetzung auf einige Tage verhindert;

b) ein Apparat, mit oder ohne Vorrichtung zum Trennen der festen von den flüssigen Excreten, in welchem die Chemikalien zugesetzt werden, und der die festen Stoffe schnell in einen Abfuhrwagen o. dgl. und zwar auf eine einfache und reinliche Weise führt;

c) ein Behälter in jedem einzelnen Hause, welcher leicht zugänglich ist und leicht geleert werden kann.

B.

Bestimmung der Beimengungen in Rohparaffin.

Von J. Stuart Thomson.

(Journal of Society of Chemical Industry, 1891 342.)

Die Scottish Mineral Oil Association, welche sich aus Vertretern der einzelnen Mineralöl-Gesellschaften in Schottland zusammensetzt, hat zum Zweck besserer Uebereinstimmung der Untersuchungen von Rohparaffinen in einer am 11. Juni 1890 gehaltenen Versammlung folgende Untersuchungsmethoden als zulässig anerkannt. Der Wortlaut wurde, nach mehreren Versammlungen und nach Ausführung einer grossen Anzahl von Analysen von den Chemikern der betheiligten Gesellschaften wie folgt aufgesetzt.

I. Rohparaffin- (scale) Analyse.

Scale ist die Bezeichnung für das feste Rohparaffin des Handels; dasselbe hat diesen Namen von den blättrig-krystallinischen Platten (scales) erhalten, in welchen die höheren Glieder der Paraffinreihe (CnH2n + 2) vorkommen. Im Handelsparaffin findet sich neben festen Kohlenwasserstoffen eine variirende Menge Oel, Wasser und vegetabilische Beimengungen, und da diese, in grösseren Mengen sich findend, den Werth des Paraffins bedeutend herabsetzen, so musste man Mittel finden, dieselben quantitativ zu bestimmen. Bekanntlich existirt keine scharfe Grenze zwischen festen und flüssigen Kohlenwasserstoffen, sondern den Uebergang bilden die weichen bezieh. niedrig schmelzenden, und zweifelsohne werden diese weichen Kohlenwasserstoffe theilweise mit dem Oel ausgepresst und kommen als solches in Anrechnung. Dadurch wird die Bestimmung von Oel im Hartparaffin natürlich eine approximative. Im Hartparaffin werden gewöhnlich 6 Proc. Beimengungen im Handel als normal angenommen, und zwar 4 Proc. für Oel und 2 Proc. für Wasser und sonstige Beimengungen. Was an diesen Stoffen sich ausserdem in dem Handelsproducte vorfindet, wird nicht mitbezahlt.

1) Probenahme.

Die Erfahrung hat gelehrt, dass ohne äusserst sorgfältige Probenahme die Analysenresultate sehr trügerisch ausfallen können. Bei Anwendung einer conischen Metallröhre als Probenehmer kann eine gute Durchschnittsprobe erhalten werden.

2) Aufbewahren der Probe.

Die Proben verlieren an der Luft schnell Wasser, was natürlich nach Möglichkeit zu vermeiden ist. Ferner, wenn die Probeflasche nicht bis oben gefüllt ist, kann sich das Wasser verflüchtigen und an der innern freien Oberfläche der Flasche condensiren. Die Proben dürfen überhaupt nicht lange vor der Analyse aufbewahrt werden.

3) Bestimmung von Oel im Hartparaffin.

Das Princip der Oelbestimmung besteht darin, dass eine bestimmte Menge des Hartparaffins eine bestimmte Zeit bei bestimmter Temperatur und bestimmtem Druck gepresst und die Gewichtsabnahme ermittelt wird.

a) Beschreibung der Pressen.

Die erste Form einer für obige Zwecke zuerst, in Schottland wenigstens, benutzten Presse bestand in einer einfachen starken Schraube, welche durch einen langen Hebel angetrieben