Text-Bild-Ansicht Band 282

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grossen Maschine überwunden ist, aus dem Zahnkranz sich wieder selbsthätig herausschiebt (vgl. 1884 254 * 277).

Fr.

Lüftungsanlagen im Anschlusse an die gebräuchlichen Heizungssysteme und eine kritische Beleuchtung dieser letzteren.

(Eine Artikelfolge von F. H. Haase, gepr. Civilingenieur, Patentanwalt in Berlin.)

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 280 S. 268.)

VIII. Wirkung der Druckluft bei Lüftungsanlagen.

Ich habe mich bemüht zu ergründen, warum so sehr viele Lüftungsanlagen die wenig angenehme Eigenschaft zeigen, dass, sobald eine Thür oder ein Fenster eines gelüfteten Raumes geöffnet wird, ein empfindlicher Luftzug in demselben bemerkbar wird.

Bei Zuglüftungsanlagen ist diese Erscheinung leicht erklärlich, weil wir wissen, dass die Wirkung der saugenden Vorrichtungen sich naturgemäss an denjenigen Stellen der Raumbegrenzung am meisten bemerkbar macht, an welchen der Herbeiströmung der Aussenluft der geringste Widerstand entgegenwirkt. Diese Erkenntniss bietet uns die Möglichkeit, Anordnungen zu ermitteln, welche – wenn auch nicht in jedem Falle, so doch in sehr vielen Fällen – der Entstehung unangenehmen Luftzuges innerhalb gewisser Grenzen vorzubeugen geeignet sind.

Bei Drucklüftungsanlagen aber ist die Ursache der Entstehung eines empfindlichen Luftzuges beim Oeffnen einer Thür oder eines Fensters weniger leicht zu übersehen und folgerichtig auch die Wahl der geeignetsten Gegenmittel schwieriger zu treffen.

Das zumeist angewendete Mittel, häufig zu öffnende Thüren durch Vorbauten mit besonderem, ja sogar mit doppeltem und selbst mit dreifachem verschliessbaren Durchgang zu verdecken, erweist sich nicht immer als ausreichend, und zwar ganz besonders dann nicht, wenn der durch eine solche Thür erfolgende Verkehr ein so reger ist, dass sämmtliche Schutzdurchgänge ihres Vorbaues mit ihr selbst gleichzeitig seitens des ein und aus gehenden Publikums offen gehalten werden, von welchem übrigens eine mehrfache Thürverdeckung oft als eine sehr unbequeme Schutzvorrichtung empfunden wird. Zudem aber kann deren Wirkung ja auch nur an denjenigen Thüren zur Geltung kommen, an welchen sie überhaupt vorgesehen ist und dies pflegt im Allgemeinen nur bei solchen Thüren der Fall zu sein, welche die Raumluft von der reineren Aussenluft abschliessen, während ungelüftete Seitenräume, wie Küchen, Aborte u. dgl., in welchen vielleicht zum Zwecke einer fast wirkungslosen Scheinlüftung ein Fenster geöffnet ist, nur durch einfache Thüren von einem oft mit hohen Kosten mit Lüftungseinrichtung ausgestatteten Raume getrennt sind.

Auf diesen letzteren Umstand wird selbst bei Zuglüftungsanlagen in der Regel nicht Rücksicht genommen, bei Drucklüftungsanlagen aber erwartet man, dass die eingeführte Druckluft das Eindringen schlechter Luft aus Nebenräumen immer verhindere. Hier liegt eben gerade der Uebelstand; man ist noch heute, trotzdem man so viele Beweise des Gegentheils kennt, durchgängig der Meinung, dass man nur Luft unter Druck in einen Raum einzuführen brauche, um die Zuströmung unerwünschter Aussenluft zu verhindern, und da, wo man eine gegentheilige Beobachtung macht, pflegt man eben nur von ungenügender Ausführung der Lüftungsanlage zu sprechen. Wohl ist in solchem Falle die Ausführung eine ungenügende, aber sehr häufig ist die also abfällig beurtheilte Ausführung anscheinend ganz getreu proportional einer anderen Ausführung nachgebaut, welche sich sehr gut bewährt hat. Wo liegt also der Fehler?

Gewiss ist die Lage der Zuströmungs- und der Abströmungsöffnungen nicht ohne wesentliche Bedeutung, diese Lage kann aber nach allen Lehren der Erfahrung sehr zweckmässig gewählt und die Anlage dennoch eine fehlerhafte sein.

Es wurde bereits unter VI. darauf hingewiesen, dass Druckluft, welche eine höhere Temperatur hat als der zu lüftende Raum, unter Umständen auf die Mauern, Mauerspalten und die zufälligen Oeffnungen dieses Raumes einen saugenden Einfluss ausüben kann. Es wurde gelegentlich dieser Erwägung, da es sich dabei nur um Bestimmung des erforderlichen Luftwechsels handelte, auf eine etwaige Verdichtung der zuströmenden Frischluftmenge auf ihrem Wege bis zum Raume keine Rücksicht genommen, was vielleicht im ersten Augenblicke nicht hinreichend correct erscheinen mag; man wird sich indessen auf Grund der folgenden Betrachtungen überzeugen, dass dabei Vernachlässigungen in der That nicht begangen wurden.

Jedenfalls übersieht man ohne weiteres, dass so lange ausser den für die Lüftung vorgesehenen Oeffnungen keine anderen Mauerdurchbrechungen geöffnet werden, die Wirkung der Druckluft auf die Mauern, Thür- und Fensterspalten wesentlich von dem Verhältnisse der einströmenden Druckluftgewichtsmenge zu der durch die vorgesehenen Abströmungsöffnungen abströmenden Luftgewichtsmenge, bezieh. von dem Verhältnisse der Dichtigkeit der zuströmenden Luft zu derjenigen der Raumluft abhängt.

Ist allgemein pα der bestehende atmosphärische Druck, γα die Dichtigkeit und tα die Temperatur der Aussenluft, p1 der absolute Druck, unter welchem die Frischluft in den zu lüftenden Raum einströmt, γ1 die Dichtigkeit und t1 die Temperatur, welche sie dabei besitzt, und γ2 die Dichtigkeit der Raumluft bei der Temperatur t2, so ist:

a) Wenn die Verdichtung der Luft und ihre allmähliche Dichtigkeitsveränderung im Zuströmungskanale ohne Wärmeentziehung und ohne Wärmeaufnahme stattfindet und unter dieser Voraussetzung die sich für γ1 und t1 ergebenden Werthe mit γ1° und t1° bezeichnet werden, nach den Lehren der mechanischen Wärmetheorie:

Da nun aber die Raumluft selbst dem Drucke unterliegt, unter welchem die Druckluft in den Raum einströmt, so ist nach dem Mariotte-Gaylussac'schen Gesetz:

Dividirt man diesen Ausdruck in den für

aufgestellten, so erhält man:

Bezeichnet man die dem Ueberdrucke p1 – pα entsprechende manometrische Flüssigkeitshöhe mit e und die