Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

sehr gutes Lehrbuch der Mikrophotographie von R. Neuhauss, Braunschweig 1890.

G. Marktanner-Turneretscher berichtete über die Fortschritte der Mikrophotographie in Eder's Jahrbuch für Photographie und Reproductionsverfahren für 1891, S. 137.

M. Thil und Thouronde stellten etwa 400 Aufnahmen von mikroskopischen Schnitten durch Holzarten im Auftrage des französischen Ackerbauministeriums her, welche zu Demonstrationszwecken mittels des Projectionsapparates verwendet werden sollen.

Hitchcook macht im Amer. Monthl. Mier. Journ., XI S. 8, darauf aufmerksam, dass die Verwendung von zu stark tingirten Lichtfiltern bei verhältnissmässig kurzer Expositionszeit ein Fehler ist, welchen viele Mikrophotographen in der Absicht begehen, den Contrast zwischen Object und Hintergrund möglichst zu vergrössern.

Dabei geht die feine Structur der Objecte verloren und erscheinen dieselben wie Silhouetten. Insbesondere gilt dies bei Bakterienaufnahmen.

Van Heurk prüfte das neue Zeiss'sche Immersionssystem von 1,63 numerischer Apertur. Als Immersionsflüssigkeit dient für dieses System Monobromnaphtalin. Das genannte Immersionssystem löst zufolge der hohen numerischen Apertur die Querstreifung der Ampipleura auch bei centraler Beleuchtung auf. Der allgemeinen Anwendung des Objectives dürfte seine complicirte Verwendungsart hinderlich sein, wenngleich die Leistungsfähigkeit für mikrophotographische Zwecke eine grosse ist. (Bull. Soc. Belg. Micr., XV S. 69.)

Piersal weist auf die Wichtigkeit eines genügend stabilen Apparates mit langem Auszuge, einer guten Beleuchtung (am besten Sonnenlicht) und passender Präparate hin, wenn man gute Resultate erzielen will. (Amer. Journ. of Photogr., 1890.)

H. C. J. Dunker berichtet über den von Mechaniker P. Tate, Berlin, fabricirten mikrophotographischen Apparat, welcher sehr gut die Verwendung des Magnesiumblitzlichtes zu photographischen Zwecken gestatten soll. Der Apparat hat an Stelle der zwei parallelen Gusseisenschienen, welche gewöhnlich die optische Bank von solchen Apparaten bilden, zwei parallele Messingröhren und statt des gewöhnlichen Balgauszuges ein fernrohrartig ausziehbares Rohrsystem, dessen Vortheil einem gewöhnlichen Balgsysteme gegenüber wohl schwer einzusehen ist. An Stelle zweier Visirscheiben verwendet Dunker nur eine streifenweise mattirte Scheibe, was unter Umständen zweckmässig sein dürfte. (Photogr. Nachr., Bd. 2 Nr. 36 S. 552.)

Neuhauss bespricht in einem Aufsatze: Die Mikrophotographie auf der Jubiläumsausstellung zu Berlin im J. 1889 die äusserst gelungenen Aufnahmen aus dem hygienischen Institute zu Berlin. (Zeitschrift f. wissensch. Mikr. u. mikr. Technik, Bd. 6 Heft 3.)

In dem erwähnten Werke von Neuhauss: Lehrbuch der Mikrophotographie verdient der Abschnitt über Aufstellung der Apparate, über Objective und Oculare besondere Erwähnung.

Um bei Verwendung eines blauen, speciell eines Kupferoxydammoniakfilters die ultravioletten Strahlen auszuschliessen, empfiehlt Neuhauss die Einschaltung einer Cuvette mit Aesculinlösung (15 : 1000). Aehnlich wirkt eine Lösung von schwefelsaurem Chinin. Auf diese Weise ist die Focusdifferenz ausgeschlossen.

Hinsichtlich der Lichtquelle stellt Verfasser sehr richtig das Sonnenlicht in erste Linie. Dem elektrischen Bogenlichte erkennt er nur dann Verwendbarkeit zu, wenn dasselbe in Verbindung mit einer Mattscheibe benutzt wird, was jedoch von Gärtner und Stricker in Wien widerlegt worden ist.

Ungerechtfertigt erscheint es, dass Neuhauss dem Cirkon- bezieh. Magnesia-Hydroxygenlicht vor minderen Lichtquellen keinen Vortheil zuspricht. (Das Magnesia-Hydroxygengaslicht entspricht jedem Zwecke der Mikrophotographie und hat den Vorzug einer constanten Lage der Lichtquelle bei grosser Helligkeit. Anm. d. Ref.1))

Bei Aufnahmen mit Zuhilfenahme von Magnesiumblitzlicht empfiehlt Neuhauss die Einschaltung einer Cuvette mit Aesculinlösung (s. o.) oder noch besser die Einschaltung einer Aesculinlösung und einer Fluoresceïnlösung. (Nach Miethe: Phot. Wochenbl., 1890 Nr. 18 S. 143.)

Anstatt zweier Cuvetten können auch zwei mit den genannten Stoffen passend präparirte Glastafeln verwendet werden. Dieselben werden mit Gelatinschichten (2 g Gelatine, 25 cc Wasser, 2 g Glycerin, wozu je 0,05 Aesculin und 0,02 Fruoresceïn kommen) überzogen, nach dem Trocknen Schicht an Schicht zusammengelegt und an den Rändern mit Papier verklebt.

Die im Neuhauss'schen Werke gegebene geschichtliche Schilderung der orthochromatischen Verfahren fand Widerspruch. (Siehe H. W. Vogel, Eder, Phot. Corresp., 1891.)

Das bereits genannte Werk von Marktanner-Turneretscher ist bezüglich des photographischen Theiles reichhaltiger als das Neuhauss'sche. Es räumt auch dem nassen Verfahren, welches sich an der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproductionsverfahren in Wien bei Aufnahme vieler Objecte dem trockenen Verfahren gegenüber als ungleich vortheilhafter bewährt hat, einen entsprechenden Platz ein.

Ueber Mikrophotographie berichtet ferner Henri van Heuk (Yearbook of Photogr. for 1891, S. 96) und Grimm (Eder's Jahrbuch für Photographie und Reproductionsverfahren für 1891 S. 96).

(Fortsetzung folgt.)

Neue Verfahren und Apparate in der Zuckerfabrikation.

(Fortsetzung des Berichtes S. 45 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Watts, Regierungschemiker der Vereinigten Staaten, hat folgende Scheidung des Rohrzuckersaftes empfohlen (Bull, assoc. chim. 8 Nr. 7), wobei er sich auf die Betrachtung stützt, dass der Rohrsaft Eiweisstoffe enthält, welche im sauren Saft löslich sind, aber aus dem sorgfältig neutralisirten in der Hitze gefällt werden. Wenn man also den Saft erhitzt, so gerinnen die Eiweisstoffe und bilden eine Schaumdecke; dies dauert so lange, bis sich die Decke bei 190° F. zertheilt.

Um die genaue Neutralisation, d.h. den Kalkzusatz zu erkennen, ist Lackmus nicht anwendbar, da einige organische Säuren nicht darauf einwirken. Watts benutzt

1)

Siehe auch: Eder, Ueber Mikrophotographie, Centralorg. f. Waarenk. u. Technologie, 1891 S. 194. Ferner: Eder's Ausfährt. Handbuch d. Photogr., 1891 1. Bd. 1. Th.