Text-Bild-Ansicht Band 282

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1) vorwiegend durch höhere Temperatur aus, welche die sonst selten, fast nie erreichte Leistung von sechs Chargen zu 12 t Einsatz in 24 Stunden auf basischem Herd normal zu erzielen gestattet; daraus folgen ferner dementsprechend erheblich geringerer Verbrauch an Brennmaterial, Verminderung der Instanderhaltungskosten und Erleichterung und Beschleunigung der Arbeiten. Die Ermöglichung einer Productionsvermehrung um rund 50 Proc., sechs gegen vier Chargen täglich, ist so schwerwiegend als möglich.

Diese vorzüglichen Eigenschaften haben ihn bereits in zahlreichen Werken Englands, Nordamerikas und Deutschlands zur Einführung verholfen, wo er zur Zeit in mehr als 60 Ausführungen in normalem Betrieb steht, während noch andere im Aufbau begriffen sind; auch in Italien und Spanien hat er Aufnahme gefunden.

An feuerfesten Materialien ersten Ranges besteht, wenigstens in Deutschland und Oesterreich-Ungarn, heute kein wesentlicher Mangel mehr; Stahlhütten von einiger Bedeutung fertigen ihren Bedarf daran gewöhnlich selbst und lassen die einschlägige Fabrikation an Hand erprobter Vorschriften unter Controle ihrer Chemiker treiben, die am sichersten zu beurtheilen vermögen, welche Rohmaterialien den Anforderungen der Betriebe voll gerecht zu werden vermögen.

Neben richtiger Wahl der Materialien ist es ferner die technische Vollkommenheit der Herstellungsarbeit, die die höchste Qualität der feuerfesten Ofenmaterialien bedingt: äusserste Dichte der Steine und schärfster Brand sind die hauptsächlichsten Voraussetzungen für die Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Angriffe und gegen die zerstörenden Einflüsse der Schlacken; beide sind durch exacte Arbeit und peinliche Beaufsichtigung derselben unschwer sicher zu stellen.

Dass unter den Materialien für die Zustellung von Martinöfen bei den continentalen Werken das früher warm empfohlene Chromerz nur eine sehr untergeordnete Rolle mehr spielt, ist in der einschlägigen technischen Literatur während des letzten Trienniums wiederholt mitgetheilt worden; neuerliche Versuche in Schweden, in Finnland und seitens mehrfacher Werke in Russland haben zu Einführung in den normalen Betrieb daselbst nicht zu führen vermocht. Die österreichisch-ungarischen Flussmetallhütten haben in den letzten Jahren auf die Benutzung von Chromerz beim Aufbaue ihrer Martinöfen gänzlich verzichtet; bei einem deutschen Werke hat seine Verwendung zum Futter vor nicht langer Zeit den Eingang der betreffenden Oefen nach sich gezogen und nirgends – ein einziges Werk minderer Bedeutung ausgenommen – wird in Deutschland dasselbe, wo immer noch in Anwendung, zu anderen Zwecken mehr eingebaut, als zur Trennung der sauren Ofenpartien von den basischen in Form einer wenige Centimeter starken Isolirschicht. Von einer Arbeit auf neutralem (Chromerz-) Herde und innerhalb neutraler (Chromerz-) Umwandung ist in beiden Ländern, abgesehen von vorher erwähnter einzigen Ausnahme, nirgends mehr die Rede. Der mehrfach hervorgehobene Vortheil, welchen die Arbeit auf neutralem (Chromerz-) Herde in Bezug auf Qualität des erzeugten Productes liefern soll in Folge eines in dasselbe übergehenden minimalen Bruchprocentsatzes von Chrom, ist, wenn überhaupt thatsächlich, zweifelsohne durch einen entsprechenden Zusatz von Chromeisen zum Bade billiger und unter Aufrechterhaltung vollster Betriebssicherheit zu erreichen.

Dem Rückgange der Anwendung von Chromerz beim Aufbaue von Martinöfen gegenüber ist die rasche Ausbreitung der Benutzung von Magnesit und daraus hergestellter Magnesiasteine als feuerbeständigstes und gegen Corrosionen durch die feuerflüssigen Producte des Schmelzprocesses widerstandsfähigstes Zustellungsmaterial während der letzten Jahre geradezu staunenswerth zu bezeichnen.

Das Haus Carl Später Coblenz, Besitzer der grössten und anerkannt für die Zwecke des Martinofenbetriebes geeignetsten Magnesitvorkommen Steiermarks, von dem auch die wenigen Concurrenzgeschäfte einen ansehnlichen Theil ihres Rohmaterials beziehen, andere bei ihm ihren ganzen Bedarf decken, hat im verflossenen Jahre allein für Martinwerke in zehn der Hauptproductionsländer der Welt, von Amerika und Spanien im Westen bis zum Ural im Osten, von Schweden im Norden bis Italien im Süden, an 85 verschiedene Firmen nicht weniger als 11390000 k Magnesit in allen Formen der Vorbereitung zum unmittelbaren Verbrauch und daraus hergestellte Magnesiasteine versendet und ausserdem noch am Jahresschlusse unerledigt gebliebene Aufträge von 63 Firmen auf Lieferung von mehr als 7,5 Millionen Kilogramm in ihren Büchern behalten.

Seitdem ist das Zuströmen neuer Bestellungen nur noch lebhafter geworden und hat zu fortwährender Weiterausdehnung der Aufbereitungsanlagen der Firma geführt.

Im Magnesit ist zweifelsohne das Zustellungsmaterial für basische Herdöfen vorhanden, welches der „Roheisenerzprocess“ wie auch der „Process Imperatori“ nicht stärker in Anspruch nehmen werden als das Roheisenschrottverfahren, und dass zu dem einen oder dem anderen in nicht ferner Zeit ernstlich gegriffen werden muss, dazu wird die mit der weiteren starken Ausbreitung der Martinarbeit nothwendiger Weise eintretende Steigerang des Preises brauchbaren Schrotts unwiderstehlich drängen. An verwendbaren kieselarmen Erzen ohne oder mit nur minimalem Schwefelgehalt besteht kein Mangel; da der basische Process an einem Gehalte derselben an Phosphorsäure Anstoss nicht nimmt, und bei dem zum Theil massigen Vorkommen solcher Erze (Grängesberg, Gellivare u.s.w.) ist auch eine unverhältnissmässige Steigerung ihres Preises unter Zunahme ihres Verbrauchs nicht zu befürchten; im Uebrigen aber hindert nichts, dass auch Werke ausserhalb des „schwarzen Landes“ Englands anstatt ihre Raffinirschlacken zu veräussern oder für den eigenen Hochofen zu vermöllern, dieselben zu „bull dog“ um- und dann als artificielles Erz auf dem Herde verarbeiten.

Neuheiten in der Explosivstoffindustrie und Sprengarbeit.

(Schluss des Berichtes S. 61 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die Sprengung von Felshindernissen in Strömen, Häfen u. dgl. nimmt gegenwärtig das allgemeine Interesse in Anspruch, seitdem insbesondere die Regulirung des „eisernen Thores“ in Angriff genommen wurde. Aus diesem Anlasse,

1)

Abschlüssen von Licenzverträgen für Deutschland, Oesterreich und Belgien ist der Civilingenieur R. M. Daelen, Düsseldorf, Kurfürstenstrasse 7, ermächtigt.