Text-Bild-Ansicht Band 282

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Ueber die Fortschritte der Photographie und der photomechanischen Druckverfahren.

Von Dr. J. M. Eder und E. Valenta in Wien.

(Fortsetzung des Berichtes S. 64 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Photographie bei künstlichem Lichte.

Eine vollständige Uebersicht über die Methode zur Photographie bei künstlichem Lichte gab Eder in seinem Ausführlichen Handbuch der Photographie, 1891 2. Aufl. Bd. 1.

Einzelne neuere Arbeiten auf diesem Gebiete werden in Nachfolgendem gegeben.

Eder stellte eine Tabelle auf, welche zum Zwecke des Studiums des chemischen Lichteffectes der Magnesiumlampen ermittelt wurde. Diese Tabelle gibt vergleichbare Zahlen, welche auf die Hefner-Alteneck'sche Amylacetatlampe und die Distanz der Lichtquelle = 1 m reducirt sich darstellen.



Benutzte Lichtquelle in einer
Distanz = 1 m
Relative
optische Helligkeit
Relative chemische
Leuchtkraft bezüglich
der Wirkung auf
Bromsilbergelatine


Zeitdauer
der Ein-
wirkung der
Lichtquelle
Chemische
Leuchtkraft
(photo-
graphische
Wirkung)
1. Hefner-Alteneck'sche Amylacetat-
lampe

1

1

Sec.

1
2. Drummond'sches Kalk-, Magnesia-
oder Zirkonlicht

70

1


260
3. Gaslicht (Argandbrenner) 16 1 28
4. Magnesiumband, wovon 9,6 cm
= 0,05 g wägen und in 7 Se-
cunden verbrennen


80


7




11400
5. Schirm'sche Magnesiumblitzlampe
(mit 0,05 g Mg)

?



18200
6. Magnesiumband, wovon 19,2 cm
= 0,1 g sind und in 13 Secunden
verbrennen




13




22000
7. Schirm'sche oder Beneckendorff-
sche Lampe (0,1 g Mg)


1/7


36000
8. Magnesiumpulver von oben in
eine Erdöllampe geschleudert,
mittels Dr. Hesekiel's Blitzlampe
(0,1 g Mg)






1/10






7960
9. Explosive Magnesiummischung
mit 0,1 g Magnesium, 0,75 g
Kaliumchlorat, 0,75 g Kalium-
perchlorat






1/30






19200
10. Haake-Albers-Blitzlampe (0,3 g Mg) 101000
11. Sinsel-Dorn'sche, sowie Hruza's
Blitzlampe (1 g Mg)


1/4


350000
12. Loehr'sche Lampe (1 g Mg) 351000
13. „ „ (4 g Mg) ½ 890000
14. Explosive Magnesium-
mischung (1½ g Mg)


1/25


200000
15. Explosive Magnesium-
mischung (4 g Mg)


1/20


500000

Das Drummond'sche Kalklicht erscheint nach dieser Tabelle dem Auge 70mal heller als eine Kerze, während die photographische Wirkung auf Bromsilber ungefähr 270 mal so gross ist, was mit der Beobachtung von Michalke übereinstimmt, der zufolge gedämpftes Tageslicht bei gleicher optischer Helligkeit wie das Licht einer Amylacetatkerze dennoch photographisch 10 mal so wirksam ist. (Phot. Mitth., 1890 Bd. 24 S. 195.)

Berechnet man die chemische Leuchtkraft auf Secunden-Meterkerzen und ermittelt den Effect, welcher sich ergeben würde, wenn das Licht 1 Secunde anhielte, so resultirt folgende Tabelle (nach Eder):

Relative Wirkung
auf Bromsilbergelatine
berechnet auf
Secunden-Meterkerzen
1. Amylacetatlampe (Hefner-Alteneck) 1
2. Magnesiumband, wovon 0,05 g =
9,6 cm lang sind

1630
3. Schirm'sche Lampe (mit 0,05 g Mag-
nesiumpulver)

145600
4. Schirm'sche oder Beneckendorff'sche
Lampe (mit 0,1 g Mg)

252000
5. Haake-Albers-Lampe (mit 0,3 g Mg) 505000
6. Sinsel-Dom-Lampe (mit 1 g Mg) 1400000
7. Loehr'sche Lampe (mit 1 g Mg) 1053000
8. Explosivpulver (mit 1,5 g Mg nebst
Chlorat und Perchlorat)

5000000
9. Explosivpulver (mit 4 g Mg) 10000000

Daraus ergibt sich, dass das Magnesiumpulver von allen bis jetzt bekannten künstlichen Lichtquellen bei kürzester Verbrennungsdauer den grössten chemischen Effect äussert.

Schirm verbesserte seine Magnesiumblitzlampe dadurch, dass er an Stelle des Gefässes mit Benzinflüssigkeit ein solches mit Werg oder Wolle gefüllt, welche Materialien mit Benzin getränkt sind, verwendet, wodurch der Transport und die Handhabung gefahrlos wird. (Eder's Jahrbuch für Photographie und Reproductionsverfahren für 1891, S. 249.)

Miethe's Lampe (D. R. P. Nr. 54423) erscheint sehr empfehlenswerth, indem die Aufgabe, bei thunlichst vollkommener Verbrennung des Magnesiumpulvers eine leuchtende Flamme von grosser Ausdehnung zu erhalten, bei dieser Lampe gut gelöst wird.

Textabbildung Bd. 282, S. 89
Bei Miethe's Lampe ist ein rundes Kupferblech in passender Höhe unter einem Winkel von 45° gegen die Flamme des Spiritusbrenners geneigt angebracht, welches dieselbe zwingt, sich fächerförmig zu vertheilen; bläst man nun von unten Magnesiumpulver in die Flamme, so wird der grösste Theil in der unteren und mittleren Flamme verbrannt. Das unverbrannte Pulver prallt an dem Bleche ab und gelangt so in die fächerförmige Flamme, woselbst totale Verbrennung stattfindet. Die Lampe ist mit einem Magnesiumpulvermagazin versehen, welches durch einen Hahn bei jedesmaliger Drehung nur das bestimmte Quantum (0,1 g) Magnesiumpulver in das Blaserohr treten lässt (siehe Fig. 1).

Textabbildung Bd. 282, S. 89
Hruza in Wien construirte eine sehr brauchbare Lampe (Fig. 2) für Magnesiumblitzlicht; das Princip derselben besteht darin, dass sich zwei Ströme noch vor dem Eintritt in die Flamme unter spitzem Winkel treffen, wodurch ein Zerstäuben des Magnesiumpulvers bewirkt wird, was das Entstehen einer grossen Lichtfläche, und in Folge dessen hohe Lichtintensität zur Folge hat. Auch kann man durch Einfüllen von Magnesiumpulver und Schwefel in das eine und Kaliumchlorat in