Text-Bild-Ansicht Band 282

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Bei dem zweiten Versuch bewahrten alle drei Glieder unter 20000 k ein unverändertes Aussehen; bei 35000 k traten zuerst bei dem mittleren Gliede (Nr. 2) mehrere kurze Risse auf, welche sich später auch bei den anderen Gliedern zeigten.

Unter der Belastung von 46750 k brachen schliesslich beide Schenkel des Gliedes Nr. 1. Die Brüche lagen um etwa ⅓ der Schenkellänge, der eine vom rechten, der andere vom linken Ende des Gliedes entfernt. Im Aussehen glichen sie dem Bruchgefüge des Gliedes Nr. 4, jedoch verlief der eine in einer gekrümmten Fläche, wie sie bei Biegeversuchen mit weniger zähen Materialien aufzutreten pflegen. Die Oberflächen zeigten zahlreiche Risse und Abblätterungen mit schmutzigem Grunde.

Textabbildung Bd. 282, S. 110
Die Proben lassen auf eine ausserordentliche Gleichmässigkeit des Materiales schliessen, wie sie auch wohl mit Rücksicht auf die mehrfache Bearbeitung des Materiales bei hohem Drucke zu erwarten war.

An den Ergebnissen der Zugversuche mit dem Kettenstücke selbst erscheint auffällig die geringe Bruchbelastung des Gliedes Nr. 4. Sie entspricht, als reine Zugbelastung angesehen, einer Spannung des Materiales von 18,7 k, also nur wenig mehr als der halben Spannung an der Proportionalitätsgrenze. Da der Bruch unter dem nächsten Kettengliede erfolgt ist, so muss irgend ein Einfluss der Befestigung mittels Vorsteckeisen auf die Tragfähigkeit des Gliedes als ausgeschlossen angesehen werden. Die geringe Tragfähigkeit des Gliedes Nr. 4 ist also wohl ausschliesslich in einem örtlichen Materialfehler zu suchen, und zwar in der oben bei der Bruchbeschreibung erwähnten Fehlstelle am äusseren Rande der Bruchfläche.

Aus dem Verlaufe der Bruchlinien auf den Bruchflächen (siehe Fig. 10) ist deutlich zu erkennen, dass der Bruch von dieser Fehlstelle ausgegangen ist. Ihren Einfluss wird man mit demjenigen äusserer Verletzungen bei bearbeiteten Stäben auf den Verlauf des Versuches vergleichen können, welcher sich gerade bei festeren Stahlsorten, wie das vorliegende Material, erfahrungsgemäss darin äussert, dass die Bruchlast nicht unerheblich heruntergedrückt und die Ausbildung eines feinsehnigen Bruchgefüges verhindert wird. Die Bruchflächen des Gliedes Nr. 1 zeigen derartige Fehlstellen gleichfalls. Sie dürften auch hier die Tragfähigkeit beeinflusst haben, jedoch nicht in gleich hohem Maasse, weil sie in dem geraden, lediglich auf Zug beanspruchten Theil des Gliedes liegen, während die Fehlstelle im Bruche des Gliedes Nr. 4 in dem bei Belastung der Kette auch auf Biegung beanspruchten Theil, und zwar gerade auf der äusseren am stärksten gespannten Seite lag.

Jedenfalls bringen diese Fehlstellen eine erhebliche Gefahr und Unzuverlässigkeit bezüglich der Tragfähigkeit der Kette mit sich. Ihre Entstehung ist auf das Umlegen des beim Pressen der Glieder sich bildenden Bartes (siehe Fig. 4) zurückzuführen. Will man also bei Herstellung der Kette diesen Bart nicht auf geeignete sichere Weise ganz entfernen, so dürfte es sich zur Erhöhung der Zuverlässigkeit der Kette empfehlen, Material von geringerer Festigkeit zu verwenden, welches weniger empfindlich gegen Verletzungen der Oberfläche ist.“

Die symmetrische Lage des Bruches bei Glied 4 scheint unsere anfänglich ausgesprochene Vermuthung des Einflusses der Querfasern zu bestätigen.

Bezüglich der ferner angestellten Versuche über Zug- und Abscherungsfestigkeit, da diese hier weniger in Frage kommen, verweisen wir auf die Quelle.

Die Telegraphie auf der elektrischen Ausstellung in Frankfurt.

(Fortsetzung des Berichtes S. 37 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

III.

Vor der Besprechung der Telegraphen für besondere Zwecke ein paar Worte über die ausgestellten Nebenapparate. Solche finden sich fast ausschliesslich in der Halle für Telegraphie und Telephonie auf den Tischen des Reichspostamts, hier aber in ziemlich grosser Zahl und aus sehr verschiedenen Zeiten. Es sind namentlich sehr viel Relais, Umschalter und Blitzableiter, ebenso Galvanoskope und zwar ausser den im gewöhnlichen Dienste zu benutzenden Galvanoskopen auch die verschiedenen Messinstrumente und unter diesen neben dem einfachen Batterieprüfer Untersuchungsgalvanoskope, Differentialgalvanoskope und selbst ein Kabelmessapparat mit Spiegelgalvanoskop. In der bayerischen Abtheilung steht ferner eine neuere Form des Läutewerks oder Stationsrufers von Wittwer und Wetzer (vgl. 1880 236 * 220), mittels dessen man von einer Anzahl in dieselbe Telegraphenleitung eingeschalteter Aemter jedes beliebige einzeln zu rufen vermag; ihre Beschreibung soll später folgen. Endlich könnte hier nachträglich noch erwähnt werden, dass auf einem am westlichen Ende der Halle in der Mitte stehenden, mit den verschiedenartigsten Apparaten mehrerer Aussteller besetzten runden Tische von Heller in Nürnberg eine Anzahl Proben der neuen und jedenfalls sehr beachtenswerthen Drahtbünde ausgestellt worden sind, bei denen die beiden mit einander zu verbindenden Drahtadern in eine Bronzehülle gesteckt und in und zugleich mit dieser einfach um einander herum gedreht sind, so dass sie ohne Löthung doch ganz innig mit einander vereinigt sind. Diese Bünde sind durch das an Heinrich Arld in Nürnberg ertheilte D. R. P. Nr. 56710 Kl. 49 vom 14. September 1890 geschützt; Arld war wegen der Patentirung und Verwendung derselben in Amerika mit einer amerikanischen Firma in Verbindung getreten und so wird es gekommen sein, dass sie von dort aus unter dem Namen von Giles und Hunt (vgl. 1891 280 * 179) bekannt geworden sind.

Zunächst Haustelegraphen der älteren Einrichtung nun, namentlich Hoteltelegraphen, sind von vielen Ausstellern