Text-Bild-Ansicht Band 282

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

Jahrg. 72, Bd. 282, Heft 6. Stuttgart, 6. November 1891.

Textabbildung Bd. 282, Hefttitelillustration
Jährlich erscheinen 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich M. 9.–. direct franco unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich M. 10.30, und für das Ausland M. 10.95. Redaktionelle Sendungen u. Mittheilungen sind zu richten: „An die Redaktion des Polytechn. Journals“, alles die Expedition u. Anzeigen Betreffende an die „J. G Cotta'sche Buchhdlg. Nachf.“, beide in Stuttgart.

Stopfbüchsen- und Kolbendichtungen.

(Fortsetzung des Berichtes S. 76 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

II. Kolbendichtungen.

Bei den Kolbendichtungen wird nur noch ausnahmsweise anderes Material als Metall benutzt, da die hohen Dampfspannungen gebieterisch ein der dauernden Einwirkung der Wärme widerstehendes Material verlangen. Auch die Elasticität ist nur durch Metall auf die Dauer genügend zu erhalten.

Textabbildung Bd. 282, S. 121
Eine der einfachsten Kolbenconstructionen, die mit den bekannten Ramsbottom'schen Hingen, hat ihren alten guten Ruf bewährt, und wird wegen ihrer billigen Herstellung und ihres dichten Abschlusses noch viel verwendet. Die Firma Cocker-Brothers lim. in Sheffield, welche die Herstellung dieser Kolben als besonderen Fabrikationszweig betreibt, macht über die gebräuchlichen zu einander gehörigen Maasse der Kolben und Kolbenringe nachstehende Angaben:


Querschnittsabmessungen
Zugehöriger Cylinder-
durchmesser
3/16 × 3/16'' engl. (5 × 5 mm) (100 bis 225 mm)
9/32 × 1/4'' engl. (7 × 6,5 mm) (230 „ 400 mm)
⅜ × 5/16'' engl. (10 × 8 mm) (405 „ 500 mm)
7/16 × ⅜'' engl. (11 × 10 mm) (505 „ 700 mm)
⅝ × ½'' engl. (16 × 13 mm) (705 „ 960 mm)
⅞ × 9/16'' engl. (23 × 15 mm) (965 „ 1215 mm)
1⅛ × ⅜'' engl. (28 × 19 mm) (1220 mm) und mehr

Die St. John-Kolbendichtung (Fig. 32), welche durch die Firma S. and E. Ransome and Co., London, vertrieben wird, hat ⌜-förmige Ringe B, welche in dem Ringe A ihre Führung haben. Letzterer ist in gewöhnlicher Weise von dem Boden C und dem Deckel J des Kolbens gehalten. Der Ring A ist an den Rändern ausgedreht, damit einestheils die Federn in die Nuth geschoben werden können, ohne so sehr der Gefahr des Verbiegens und Brechens ausgesetzt zu sein, anderentheils um dem frischen Dampfe eine Einwirkung auf die Dichtung dadurch zu gestatten, dass der Ring B von aussen auf den breiten Sitz aufgedrückt wird.

Textabbildung Bd. 282, S. 121
Diese Wirkung tritt bei den glatten Ramsbottom'schen Ringen allerdings in gleicher Weise ein; der Vortheil der abweichenden Form der Ringe kann also nur in der grösseren Reibungsfläche, und dem derselben entsprechend geringeren Verschleisse liegen.

Von den wenigen Constructionen, welche in Deutschland zur Patentirung gelangt sind, sind nachstehende bemerkenswerth.

Die Firma Haniel und Lueg, Düsseldorf-Grafenberg, verwendet bei ihrer Kolbendichtung (D. R. P. Nr. 53793 vom 21. Januar 1890) axial verschiebbare Kegelringe C und D (Fig. 33) zum Anpressen der Liderringe A und B. Die Kegelringe C und D werden mittels Rankenfedern e nach der Richtung des Cylindermittels aus einander geschoben, bis zu einem durch die Schraube e regelbaren Maasse. Hierbei bewirken die konischen Flächen a und b das Anpressen der Liderringe A und B sowohl an die Kolbenwand als auch an den Kolbenkörper.

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Adolph Socher in Laibach wendet für seine Kolbendichtung (D. R. P. Nr. 49564 vom 1. Juni 1889. Fig. 34 und 35) übergreifende selbstspannende Liderungsringe A an, welche über den glatt abgedrehten Kolben B greifen. Sie sind durch Sprengringe C gegen Verschiebungen in der Richtung der Kolbenachse gesichert und erhalten nötigenfalls noch eine Spannfeder D, welche das Anlegen an die Wand des Kolbens verstärkt. Die Liderungsringe sind schräg geschnitten und erhalten an der Schnittstelle eine Zunge, welche mit der Spannfeder D vernietet oder verschraubt ist. Die Patentschrift zeigt die Verwendung dieser Dichtung für den Dampfkolben und den Schieberkolben einer Dampfmaschine.

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Thomas Tripp in Avon, Mass., Nordamerika, hat sich durch D. R. P. Nr. 49040 vom 30. October 1888 ab eine metallene Kolben- und Stopfbüchsenpackung aus Kreisabschnitten mit prismatischen Führungsstücken schützen lassen.

Die einzelnen Metallstücke sind so geformt, dass sie durch Aneinanderreihen einen geschlossenen Ring bilden.

Die erste Ausführungsform wird durch Fig. 37 dargestellt, und wird bei derselben nur ein Formstück gebraucht,