Text-Bild-Ansicht Band 282

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eine Zinke der Gabel noch auf eine Contactschraube und drückt dieselbe von ihrer Contactschraube hinweg; Schaltung dieser Contacttheile und Zweck derselben ist nicht zu erkennen. Zur Einstellung des Zeigers im Empfänger auf ein bestimmtes Feld sind noch zwei Drücker vorhanden, mittels deren man auf zwei Winkelhebel wirken und so den Ankerhebel nebst der Gabel hin und her bewegen kann.

Der älteste unter den einzeilige Strich-Punkt-Schrift liefernden Telegraphen war in der Ausstellung ein vom Reichs-Postamte ausgestellter Morse-Stiftschreiber von 1846, welcher dem 1843 zwischen Washington und Baltimore arbeitenden sehr ähnlich ist. Die Weiterbildung der Morse-Telegraphie führten zahlreiche Stift- und Farbschreiber, Taster, ferner Relais, Galvanoskope, Blitzableiter4) und andere Hilfsapparate vor Augen, die indessen fast ausschliesslich preussischen Ursprungs waren. Auch die derzeitige Einrichtung der Morse-Aemter für Arbeitsstrom und für Ruhestrom war zu schauen und ebenso der seit bald zehn Jahren vom Reichs-Postamte benutzte Doppelschreiber von Estienne; dass die Ausstellung auch den neuesten Estienne-Taster (von 1888) enthielt, ist bereits auf S. 12 erwähnt worden. Der erste Doppelschreiber war ja der bereits erwähnte Schreibtelegraph Steinheil's (1836), der älteste in der Ausstellung vorhandene der Stöhrer's (1852); letzteren hatten nebst den zugehörigen Tastern und Relais das Reichs-Postamt und Bayern ausgestellt. Der ebenfalls vom Reichs-Postamte ausgestellte polarisirte „Doppelschreiber von Lewert“ stammt von C. Elsasser und ist 1871 nach dessen Angaben von C. Lewert gebaut worden (vgl. Handbuch der elektrischen Telegraphie, 3. Bd. S. 466 Anm. 25). – Eine ganz andere Aufgabe hatte der vom Reichs-Postamte auch mit ausgestellte Doppelschreiber der hannoverschen Bahnen; derselbe war für Zwischenämter bestimmt und gestattete ein Arbeiten von beiden Seiten her. Dazu besitzt er in einem verhältnissmässig schmalen Kasten zwei zweiarmige Ankerhebel neben einander, deren jeder einen Schreibstift gegenüber dem beiden Stiften gemeinschaftlichen Papierstreifen trägt; die Ankerhebel sitzen auf zwei parallelen Achsen und jede der beiden Achsen geht frei durch den anderen Hebel durch, ohne ihn am Arbeiten zu hindern.

Das denkwürdige Telephon von Reis war sowohl in der Halle für Telegraphie und Telephonie, wie von dem Frankfurter Physikalischen Vereine in der Halle für Wissenschaft.

Von automatischen Telegraphen waren in der Ausstellung – abgesehen von dem Wheatstone's (vgl. S. 12) – nur drei in den vom Reichs-Postamte gefüllten Räumen, nämlich der Handschriftlocher von Siemens (1854) nebst Geber und dem sich durch den schwingenden Elektromagnetkern auszeichnenden Empfänger, ferner der Tastenschriftlocher und ein Geber für Wechselströme für Schnellschrift (1868), endlich der Typenautomat von Siemens (1862); der weit durchgebildetere Dosenschriftgeber von Siemens (1872; vgl. 1876 221 * 531) war nirgends zu sehen.

An der Erfindung und Weiterbildung des Gegensprechens und Doppelsprechens endlich hat bekanntlich Deutschland so wesentlichen Antheil gehabt, zur dauernden Verwendung sind sie aber hier nicht gekommen und daher mag es wohl auch rühren, dass in der Ausstellung weiter nichts davon, als ein im Bereich des Reichs-Postamts benutzter Gegensprecher von Canter und ein Paar Taster von Fuchs und von Ludewig zu finden sind.

Der Betrieb auf der Telephonlinie London-Paris.

Im August d. J. hat W. H. Preece zu Cardiff in einer Sitzung der British Association weitere Mittheilungen über den Betrieb auf der Telephonlinie London-Paris (vgl. 1891 280 24. 157) gemacht, die in technischer und wirthschaftlicher Beziehung alle Erwartungen übertroffen hat. Das Sprechen hat sich in vollkommener Klarheit und Genauigkeit aufrecht halten lassen. Die Linie hat sich als weit besser erwiesen, als sie sein musste, und die Gründe davon werden aus folgenden, dem Electrician, 1891 Bd. 27 * S. 473, entnommenen Angaben zu erkennen sein.


1) Von der Linie hat

Länge
Wider-
stand
Capa-
cität
die Strecke London-St. Margaret's Bay 84,5 183 1,32
das Kabel St. Margaret's Bay-Sangate 23 143 5,52
die Strecke Sangate-Paris 199 294 3,33
die Untergrundleitung in Paris 4,8 70 0,43
–––––––––––––––––––––––
Summe: 311,3 693* 10,62*
englische
Meilen
Ohm Mikro-
farad

* Diese beiden Summen stimmen nicht mit den dem Electrician entnommenen Posten überein; anstatt 70 und 3,33 wird es 73 und 3,35 heissen müssen.

Das Product RK = 693 × 10,62 = 7359 lässt eine grosse Geschwindigkeit erwarten.1)

2) Bei den Vorversuchen im März zwischen den beiden Haupttelegraphenämtern wurden benutzt die stabförmigen Mikrophone von Ader, d'Arsonval, De Jongh, Gower-Bell und Turnbull, die Mikrophone mit Kohlenpulver von Berliner (Hunnigs) und der Western Electric, das Mikrophon mit Lampenfäden von Roulez (vgl. 1891 280 301), das Post Office Mikrophon mit Kohlenklein und Fäden. Als Empfänger wurden benutzt die neueste Form von doppelpoligen Bell-Telephonen und einige von Ader und d'Arsonval zur Vergleichung. Schliesslich entschied man sich dafür, dass Ader, d'Arsonval, Gower-Bell (mit Doppelpolempfängern anstatt röhrenförmiger), Roulez und Western Electric die besten und unter sich nahezu gleich seien. Bei Hinzunahme der Pariser städtischen Leitungen bis zum Observatorium durch ein Vermittelungsamt in der Avenue des Gobelines, welche 7 km lang sind und mit Guttaperchaisolation unter der Erde liegen, also nicht die günstigsten Erfolge verhiessen, erzielte man doch ganz befriedigende Ergebnisse. Dann nahm man in London gewöhnliche unterirdische Leitungen bis zum Schatzamte (2 Meilen = 3,2 km) hinzu; da verminderte sich die Lautheit und Klarheit des Sprechens merklich, doch war das Sprechen noch möglich. Die weiteren Versuche bestätigten, dass das Sprechen auf grosse Entfernungen bloss eine Frage der Leitungen und ihrer Umgebungen, nicht eine Frage der Apparate ist. Zum Betrieb wurden gewählt Gower-Bell für London, Roulez für Paris.

3) Auf keiner Leitung in London spricht es sich vollkommener als zwischen London und Paris. Man vermochte auch über Paris hinaus zu sprechen, nach Brüssel und selbst nach Marseille (über 900 englische Meilen) auf den kupfernen Telephondrähten.

4) Der Andrang zur Benutzung der Leitung, die 8 M. für 3 Minuten kostet, war sehr gross. Im Durchschnitt wurden täglich (ausser Sonntags) 86 Gespräche geführt, das höchste waren 108. Bis zu 19 Gespräche kamen auf die Stunde, im Mittel 15 in den geschäftsreichen Stunden des Tages. 150 Wörter wurden in Paris in der Minute dictirt und in London stenographisch niedergeschrieben; auf 3 Minuten kämen dann 450 Wörter und bei 8 Schillingen kosteten 5 Wörter nur 1 Penny.

5) Die Schwierigkeiten sind theils äussere, theils innere, a) Die äusseren Schwierigkeiten, welche aus der Induction aus benachbarten, nur bis etwa 100 Yard (91 in) entfernten Drähten

4)

Es mag hier noch darauf hingewiesen werden, dass zu dem auf S. 11 erwähnten Stangen-Blitzableiter ein älteres Seitenstück vorhanden ist in dem Tisch-Blitzableiter von Eemasson (vgl. Journal télégraphique, 1874 Bd. 2 * S. 601); in letzterem besitzt aber die Hülse runde Riefen und der in luftverdünntem Raume liegende Kern Längsriefen.

1)

Vgl. 1891 279 120. – Es sei hier darauf hingewiesen, dass es a. a. O. S. 120 Z. 5 v. u. anstatt „0,71 mm“ heissen sollte: „7,1 mm“.