Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

eisernen Träger sogar ganz entbehrlich machte, wenn z.B. böhmische Kappen als Gewölbeform gewählt wurden. Behielt man aber die eisernen Träger bei, so wurden ihre Zwischenräume, wie beispielsweise beim Frankfurter Güterbahnhof, 80 bis 90 cm weit, mit 8 cm starken ebenen Betondecken (aus einem Gemisch von 1 Th. Portlandcement und 7 Th. Schlacken) ausgefüllt und trugen auf 1 qm 2100 k ohne jede Beschädigung. – Ein Gewölbe aus einem Gemisch von 1 Th. Portlandcement, 1/4 Th. Kalkteig und 8 Th. Kiessand, im Scheitel 9, an den Widerlagern 15 cm stark, wurde bei 38 cm Pfeilhöhe 3,5 m weit gespannt; der 75 cm breite Gewölbstreifen brach erst bei 30800 k gleichmässig vertheilter Last, d.h. bei 11750 k auf 1 qm. – Ein Betongewölbe von 3,85 m Spannweite wiegt auf 1 qm etwa 550 k, kann mit 2000 bis 2500 k belastet werden und kostet etwa 11,20 M. (auf 1 qm). Auch Treppenstufen aus Stampfbeton entsprechen, wenn gut hergestellt, allen billigen Anforderungen; neuerdings erhalten sie häufig als Kern ein schmiedeeisernes Rohr.

(Schluss folgt.)

Zur Erdölbildung.1)

Von Director Dr. Alex. Veith und Dr. Const. Schestopal.

Die classischen Versuche von Engler „Ueber die Bildung des Erdöles“ haben in unwiderleglicher Form den Beweis für den thierischen Ursprung des Erdöles erbracht. Engler, der sich bei seinen Versuchen und Schlüssen aus denselben auf die Arbeiten von Fraas, Müller, Krämer, Höfer u.s.w. stützte, gelangte zu dem Resultate, dass Meerthiere (Saurier, Tintenfische u.s.w.) das Rohmaterial für das Erdöl bildeten, indem sie, anfänglich einem Verwesungsprocesse unterworfen, sich durch Druck und Wärme in letzteres umwandelten.

Ueber das Rohmaterial eines Sinnes, doch über das „Wie“ der Erdölbildung anderer Ansicht, haben zwei Forscher – R. Zaloziecki und C. Ochsenius – in auch von einander abweichender Form den Entstehungsprocess des Erdöles zu erklären gesucht. Zaloziecki2) stellt sich die allmähliche Veränderung des thierischen Leichenmaterials unter dem Einflüsse des Seewassers in den Meeresuferbuchten u.s.w. vorerst durch Fäulnissgährung – erregt durch Mikroorganismen – und nachträglich, nach Aenderung der äusseren Bedingungen – Ueberschichtung und Luftabschluss – durch einen unter Druck und Zeitwirkung bei nicht zu hoher Temperatur vor sich gehenden Abbau der Fettsäuren unter Ausscheidung von Kohlensäure, Kohlenoxyd und Bildung von Kohlenwasserstoffen, vor. Nebenher können secundäre Veränderungen zur Bildung von reinen und hydrogenisirten Kohlenwasserstoffen vor sich gehen.

Diese Schlussbemerkung seiner Abhandlung sagt im Wesentlichen nichts anderes, was auch schon Engler behauptet, dass das Erdöl sich unter Druck und bei nicht zu hoher Temperatur gebildet haben muss. Neu ist die Zuhilfenahme von Seewasser zur Erzeugung bezieh. Unterstützung des Processes.

Wir werden nun versuchen, an der Hand seiner Arbeit nachzuweisen, dass Zaloziecki stellenweise in Widerspruch mit seiner Schlussbetrachtung geräth. Gleich anfänglich sagt er, dass die Untersuchungen Engler's nicht als dem natürlichen Verlaufe entsprechend angesehen werden können, weil derselbe bei seinen Versuchen eine hohe Temperatur angewendet hat, und in der Natur die Bildung des Erdöles mit keinem pyrogenen Process zu thun hat, weiter fehlen in den Druckdestillaten eine Reihe von Kohlenwasserstoffen, die in der Natur vorkommen, es sind dies die aromatischen und hydrogenisirten Kohlenwasserstoffe. Bezüglich des ersten Einwandes sei bemerkt, dass Engler seine Versuche bis 400° C. durchführte, eine Temperatur, die als eine gewiss nicht zu hohe, bei den weitgehenden Zersetzungen der Thiersubstanz, geherrscht haben muss und mit jener der Pyrosphäre nicht verwechselt werden kann. Wenn Zaloziecki „nicht zu hohe Wärme“ als einen Factor der Erdölbildung und die bei den Engler'schen Versuchen angewendeten Temperaturen als zu hohe berechnet, erscheint die Frage unbeantwortet, wie gross diese „nicht zu hohe Wärme“ gewesen sein mag?

Die zweite Einwendung ist insoweit nicht stichhaltig, als durch seitherige Versuche im Engler'schen Laboratorium3) nachgewiesen wurde, dass sich im Druckdestillate Naphtene, wenn auch in geringer Menge, vorfinden, und dürfte sich bei weiteren Untersuchungen auch das Vorhandensein von aromatischen Kohlenwasserstoffen constatiren lassen.

Nach Zaloziecki spielt das Seewasser in dem Umwandelungsprocesse eine wichtige Rolle, es wirkt gewissermaassen conservirend auf die theilweise zersetzte bezieh. in Verwesung übergegangene Thiersubstanz, die später vom Schlamme u.s.w. überschüttet, bei erhöhter Temperatur und Druck der Wirkung der Luft und des Wassers und deren Bestandtheile ausgesetzt, in die Erdölkohlenwasserstoffe umgewandelt wurde. Hier, im Widerspruche mit seinen einleitenden Bemerkungen, schreibt Zaloziecki der Temperatur eine Rolle in diesem Processe zu. Als wichtigstes Argument für diesen Verlauf des Processes betrachtet Zaloziecki das Fehlen von Stickstoff im Erdöle. Er findet darin einen Beweis mehr, dass ein Theil der Umwandlung im Freien hat geschehen müssen, denn nur so kann er sich das vollständige Fehlen von Stickstoff erklären. Neuere Untersuchungen von G. Beilby4) ergaben die überraschenden Resultate, dass fast alle von ihm untersuchten Erdöle (amerikanischer, russischer, galizischer Provenienz) Stickstoff, theilweise in Form von Basen, theilweise auch als Ammoniumsalze, enthalten. Der Gehalt beträgt in den Rückständen mehr als in den Destillaten und variirt zwischen 0,05 Proc. eines Bakuöles bis 3,2 Proc. eines schottischen Rohölkoks.

Die Analysen von Erdgasen deuten gleichfalls auf das Vorhandensein von Stickstoff; so fanden H. Würz in einem amerikanischen Erdölgase 4,31 Proc. Stickstoff, Sattler 7,32 Proc. Stickstoff, Bischhoff 0,94 Proc. in Bakuer Erdgas. Diese Thatsachen sprechen zur Genüge für den Umstand, dass sich Stickstoff im Erdöle befindet, sie widerlegen also die Behauptung, dass das erste Stadium des Erdölbildungsprocesses gänzlich „im Freien“ vor sich gegangen sein müsse. Das Seewasser, welches nach Zaloziecki conservirend auf die Thierleiber wirkte, musste es unbedingt ermöglichen,

1)

Die Drucklegung dieser Arbeit hat sich durch verschiedene Umstände unliebsam verzögert.

Red.

2)

1891 280 69. 85. 133.

3)

Engler und Seidner: „Zersetzung der Fettstoffe beim Erhitzen unter Druck“, D. p. J. 1889 271 515. 572.

4)

Journal of Society of Chemical Industry, 1891 S. 120.