Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

Für seine Ansichten führt Ochsenius die Untersuchungen der das Erdöl begleitenden Wasser an, indem er daraus den Schluss zieht, dass, nachdem diese die Mutterlaugensalze enthalten, sie auch an der Umwandlung der Thierreste mitgewirkt haben müssen.

Das Zwingende dieses Beweises lässt sich nicht gut einsehen. Viel einfacher und auch natürlicher ist die schon erwähnte Erklärung, dass das durch Abspaltung gebildete Wasser die leicht löslichen Salze, die in dem Erdölbecken, sowie auch in den Thierresten enthalten waren, aufnahm und sich mit denselben sättigte. Dass die Erdölwässer eine ziemliche Regelmässigkeit in ihrer Zusammensetzung zeigen, kann ganz gut auf die übereinstimmenden Bedingungen des Erdölbildungsprocesses zurückgeführt werden.

Dass, wie Ochsenius ganz richtig anführt, die Halogenverbindungen des Aluminiums zersetzend und umwandelnd auf die Kohlenwasserstoffe wirken, gilt eben nur für die letzteren, ob und in welcher Weise die Glyceride und die Fettsäuren in die Kohlenwasserstoffe umgewandelt wurden, hierfür kann diese Reaction keinen genügenden Aufschluss geben. Möglicher Weise wirkten diese Salze schon bei den fertig gebildeten Kohlenwasserstoffen, indem sie diese in andere complicirtere überführten, dagegen dürften sie kaum im Stande sein, zum Abbau der höheren Kohlenwasserstoffe in niedrigere beizutragen. Die Anwesenheit einer Aluminiumhalogenverbindung, die als die reactionsfähigste gilt, in dem Erdölwasser von Oelheim erscheint zum mindesten zweifelhaft, wenn man berücksichtigt, dass diese Verbindungen bei Gegenwart von Wasser leicht zersetzlich sind, daher als solche in wässerigen Lösungen nicht auftreten können. Alle anderen Halogenverbindungen, insbesondere die am häufigsten vorkommenden Natriumsalze, sind den Fetten und ihren Derivaten gegenüber chemisch so wenig wirksam, dass diese als Hauptfactoren eines so grossartigen Processes – selbst in den grössten Zeiträumen – wie des der Bildung des Erdöles nicht angenommen werden können. Von Interesse wäre es immerhin, Untersuchungen über die Wirkung gesättigter Halogenverbindungen des Natriums, Kaliums, Magnesiums u.s.w. auf die Fette bei höherem Drucke durchzuführen, nur diese könnten möglicher Weise einen Aufschluss über eine katalytische Wirkung ertheilen.

Wir können mit Berücksichtigung aller bekannten Thatsachen nur die Ansichten von Engler, die er auch experimentell nachgewiesen hat, als die einzige bisher richtige Erklärung für die Bildung des Erdöles annehmen. Es können nur starker Druck und massige Wärme als die wesentlichsten Factoren der Umwandlung der Thierreste in Erdöl gewirkt haben. Im Nachfolgenden wollen wir versuchen, diesen Verlauf ein wenig modificirt zu schildern, wobei wir uns auf manches schon vorher Gesagte stützen.

Die Seethierleiber als Rohmaterial erlitten, wie Engler angenommen, zunächst eine Zersetzung, bestehend in einer Fäulniss der stickstoffhaltigen Substanzen. Dieser Process kann anfänglich „im Freien“ vor sich gegangen sein, aber das Seewasser, das auch nach Zaloziecki conservirend wirkte, verlangsamte ihn, so dass ein Theil desselben noch vor sich ging, als die halbverwesten Thierreste überschüttet bezieh. eingebettet wurden, und nun, bei Gegenwart von miteingeschlossener Luft, fand dieser Verwesungsprocess seinen Abschluss, die gebildeten und später zu bildenden Gase lieferten den nothwendigen Druck, während die Zersetzung selbst als ergiebige Wärmequelle wirkte. Nach dem totalen Verschwinden der stickstoffhaltigen Substanzen, deren Stickstoff in Form von Salzen und Stickstoffbasen im Oele und frei in den Druckgasen blieb, ging die eigentliche Zersetzung der Glyceride vor sich. Zunächst zerfielen sie in Glycerin und die freien Säuren, wobei das Glycerin sich, wie schon anderweitig erwähnt6), in Acroleïn unter Wasserabspaltung umwandelte und dieses sich unter weiterer Wasserabspaltung zu den Kohlenwasserstoffen der aromatischen Reihe condensirte. Hierdurch ist eine zwanglose Erklärung für das Vorhandensein von aromatischen Kohlenwasserstoffen gegeben. Da, wie erwähnt, ein Theil des Fäulnissprocesses auch im abgeschlossenen Raume vor sich gegangen und die Bedingung des zu- und abfliessenden Wassers benommen ist, entfällt die Behauptung eines Auswaschens des Glycerins. Die Fettsäuren, unter gleichen Bedingungen stehend, zerfielen allmählich unter Abspaltung von Kohlensäure in Kohlenwasserstoffe. Nachdem in den das Erdöl begleitenden Gasen auch Kohlenoxyd vorkommt, konnte dieses als secundäres Product nur durch Reduction eines Theiles dieser Kohlensäure entstanden sein, indem Wasserstoffmoleküle während des Spaltungsvorganges der Kohlenwasserstoffe diese Reduction hervorriefen, unter gleichzeitiger Bildung von Wasser. Einleuchtend ist die Ansicht von Zaloziecki, dass sich bei diesem Processe aus den Fettsäuren Kohlenwasserstoffe mit höherem Kohlenstoffgehalte – Erdwachs – gebildet haben, die allmählich in solche mit niederem Kohlenstoffgehalte der Fettreihe u.s.w. umgewandelt wurden. Aus unseren Betrachtungen geht hervor, dass in dem ganzen Verlaufe dieses Umwandlungsprocesses Wasser gebildet wurde, so dass das mit dem Erdöle auftretende Wasser nicht die Rolle eines Agens spielen muss bezieh. in keiner Weise bei der Umwandlung hat wirken müssen. Auch die Annahme des a priori eingeschlossenen Wassers haben wir schon an anderen Orten zu widerlegen gesucht, denn es konnte sich während des Processes so viel Wasser bilden, dass dieses vollkommen genügend erscheint, um als Begleiter des Erdöles dienen zu können. Sein charakteristischer Gehalt an Salzen findet die Erklärung darin, dass das Wasser die Salze des Erdölbeckens und der Thierreste auflöste und sich mit denselben sättigte.

Beiträge zur Technologie der Chrompigmente.

Von Dr. Carl Otto Weber.

Chromgrüne aus Chromgelb.

Der Name Chromgrün kommt von Rechtswegen nur dem Chromoxydhydrat (Guignets Grün) oder den aus Chromoxydsalzen resp. Doppelsalzen bestehenden grünen Pigmenten zu. Indessen ist es ein feststehender Handelsgebrauch geworden, die aus Mischungen von Chromgelb und Pariserblau bestehenden grünen Pigmente ebenfalls als Chromgrüne zu bezeichnen, und ist das eigentliche Chromgrün, das Guignets Grün, im Handel besser unter dem Namen Permanentgrün1) bekannt.

Drei Punkte sind es in der Fabrikation der gemischten

6)

Chemiker-Zeitung, 1890 S. 1368.

1)

Gemenge von Guignets Grün und Zinkgelb führen den Namen Victoriagrün.