Text-Bild-Ansicht Band 282

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2) Gleichzeitig mit dem Chromgelb muss das Bleisalz einer durch Chromsäure leicht oxydirbaren Säure gefällt werden. Dieses Bleisalz muss in der bei der Fällung sich bildenden freien Säure unlöslich sein.

3) Bei Anwendung solcher Bleisalze, deren Säuren in verdünntem Zustande die Bleisalze der oxydirbaren Säuren zu lösen im Stande sind, muss mit Monochromat, dem die oxydirbaren Säuren in Form ihrer Alkalisalze zugefügt wurden, gefällt werden.

In den vorstehenden Regeln habe ich das Verfahren zur Verhütung des Umschlagens im weitesten Sinne gefasst, da Versuche gezeigt haben, dass ganz allgemein alle oxydirbaren Säuren, organisch oder unorganisch, verwendbar sind, vorausgesetzt, dass dieselben nicht, wie zum Beispiel schweflige Säure, auch von einer kalten Bichromatlösung sofort oxydirt werden, wodurch natürlich die beabsichtigte Wirkung derselben im Chromgelb verloren ginge.

Das im Vorstehenden ausführlich behandelte Verfahren zur Darstellung dem Umschlagen nicht ausgesetzter Chromgelbe gibt uns aber ferner auch den Schlüssel zur Erklärung der so auffallenden Lichtbeständigkeit der mit diesem Gelbe hergestellten Chromgrüne. Dass das Verbleichen der nach den alten Verfahren erzeugten Chromgrüne ganz wesentlich unter Mitwirkung des Bleichromates zu Stande kommt, habe ich bereits gezeigt. Durch die Gegenwart leicht reducirbarer Säuren resp. deren Salze ist aber eine oxydirende Wirkung des Bleichromates auf das Pariserblau wenn nicht ganz ausgeschlossen, so doch jedenfalls auf ein Minimum reducirt.

(Fortsetzung folgt.)

[Kleinere Mittheilungen.]

Patent-Intensivgasofen System Kutscher und Zschetzschingck.

Textabbildung Bd. 282, S. 143
Die Herabsetzung der Gaspreise für industrielle und Heizzwecke hat die Verwendung von Gasöfen wesentlich verallgemeinert. Von der Ueberzeugung ausgehend, dass man nicht allein die leitende, sondern auch die strahlende Wärme mit Vortheil zur Beheizung von Räumen auszunutzen bestrebt sein muss, hat man gefunden, dass dies ganz besonders für die Gasheizung von Wichtigkeit ist. Der in Rede stehende Gasofen1) besitzt eine Reihe leuchtender Heizflammen, von denen sowohl die strahlende, als auch die circulirende Wärme dem den Ofen umgebenden Raum zu Gute kommt. Unter dem Anschlusstutzen ist ein grosser, blank polirter Metallreflector angeordnet, welcher die von den Flammen empfangenen Wärmestrahlen nach vorn und unten wirft und dadurch in erster Linie die unteren Luftschichten des betreffenden Raumes erwärmt.2) Die Verbrennungsgase ziehen in dem Obertheil des Ofenkastens empor und entweichen durch ein kleines, nach dem Schornstein geführtes Rohr, indem sie zahlreiche, schräg gestellte Rohre umspülen, welche quer durch den Ofen gehen und nach aussen offen sind, so dass die Zimmerluft sie durchstreichen muss. Dabei erwärmt sich letztere und saugt fortwährend eine Menge frischer Luft ein, so dass eine beständige Circulation der Luft stattfindet und eine sehr schnelle und durch die Mitwirkung des Metallreflectors auch sehr gleichmässige Erwärmung des Raumes stattfinden muss. Die Interimskirche der St. Andreasgemeinde zu Leipzig wird mit solchen Gasöfen geheizt, und ergab sich, dass bei einer Aussentemperatur von – 17,5° der Kirchenraum nach 4stündigem Heizen von – 7,5° auf + 16,2° erwärmt wurde. Der Ofen wird auch in decorirter Ausstattung, sowie mit gusseisernen Mänteln in verschiedenen Grössen ausgeführt. Fabriklager hält die Firma W. Hanisch und Co., Inhaber Otto Schmidt, Berlin N., Oranienburger Strasse 65.

Capitain Abney's Normalmaass für Farben.

Ein Normalmaass für Farben im Dienste der Wissenschaft und Industrie ist ein längst anerkanntes Bedürfniss. Aber die vielfachen Bemühungen in dieser Richtung haben bisher zu keinem vollkommen befriedigenden Resultate geführt. Viel Scharfsinn ist u.a. auf die Entdeckung von Substanzen aus dem Pflanzen- und Mineralreiche verwendet worden, deren Farbe vollkommen unveränderlich ist, so dass ihre Namen zur Bezeichnung einer gegebenen Farbe ohne weitere Probe genügten. Nach Engineering, 1891 S. 651, ist Abney der erste gewesen, welcher durch Einführung eines neuen Princips, unter Anwendung eines sinnreichen Apparates, ein wissenschaftlich correctes und praktisch nützliches Normalmaass für Farben geschaffen hat. Zur Veranschaulichung seiner sinnreichen Methode nehmen wir die nebenstehende schematische Figur zu Hilfe.

Textabbildung Bd. 282, S. 143
Die Lichtstrahlen des positiven Pols einer elektrischen Bogenlampe werden durch eine Sammellinse L1 in dem Spalte S1 eines Collimators vereinigt. Eine zweite Linse L2 macht die von S1 aus divergirenden Strahlen parallel. Diese gehen durch die Prismen P1 und P2, und die farbigen Strahlen des durch die letzteren gebildeten Spectrums werden durch die Linsen L3 und L4 auf dem Schirme F zu weissem Lichte vereinigt. Bringt man nun einen Schieber D mit einem Spalte S2 in die passende Lage, so kann man die Strahlen von irgend einem Theile des Spectrums durch den Spalt lassen, während der Rest abgeschnitten ist. In diesem Falle wird auf F statt des weissen ein farbiger Streifen m erscheinen. Enthält der Schieber D zwei oder drei parallele Spalte, so erhält man eine Mischung von zwei oder drei Farben. Sind die Spalte verstellbar, so kann man sie in beliebige Stellen des Spectrums rücken, so dass bei F eine Mischung beliebiger Spectralfarben entsteht.

Das von der Vorderfläche des Prismas P1 reflectirte Licht wird, nachdem es durch die Linse L5 gegangen, von einem Spiegel G nach F geworfen, wo es einen weissen Streifen n bildet, welcher zur Vergleichung mit dem farbigen Streifen m dient. Da beide, der weisse und der farbige, von derselben Lichtquelle herrühren, so betrifft jede Veränderung der letzteren beide gleichmässig und braucht also nicht berücksichtigt zu werden. M ist ein besonderer Mechanismus zur Verminderung der Lichtmenge des von G kommenden Strahles. Er besteht der Hauptsache nach aus einer Scheibe mit zwei bogenförmigen Einschnitten von gleichem Halbmesser, welche in einer zum Strahl senkrechten Ebene schnell umläuft. Diese Einschnitte können durch zwei Schieber von gleicher Bogenform beliebig verkleinert werden, ohne die Drehung der Scheibe unterbrechen zu müssen. Wenn es wünschenswerth erscheint, so kann eine ähnliche Vorrichtung auch in den das Spectrum bildenden Strahl gebracht werden.

Die beiden auf dem Schirm F neben einander erzeugten Lichtstreifen lassen sich direct mit einander vergleichen. Auch die von einem Stifte, wie bei dem Rumford'schen Photometer, auf den Schirm geworfenen Schatten können zu diesem Zwecke dienen. In letzterem Falle wird die Gleichmachung der Schatten durch Regulirung der erwähnten bogenförmigen Einschnitte bewerkstelligt, wobei die Grösse der letzteren ein Maass für die durchgelassene Lichtmenge abgibt.

Mit Hilfe des in Rede stehenden Apparates können nun Farben leicht mit einander verglichen werden. Bringt man z.B. irgend ein gefärbtes Medium vor dem Spalte S1 in den Lichtstrahl, so wird das von der Vorderfläche des Prismas P1 reflectirte farbige Licht durch den Spiegel G unverändert zurückgeworfen und bildet auf dem Schirm F einen farbigen Streifen n, während die Farben des Absorptionsspectrums, in einem Streifen m vereinigt, auf F sichtbar werden. Dieser Streifen ist mit dem durch das unveränderte Licht gebildeten Streifen in der Farbe identisch, wenn die Helligkeit des letzteren durch die rotirende Scheibe regulirt worden ist. Oder, wenn das absorbirende Medium zwischen P1 und L5 geschaltet wird, so können von dem die Prismen durchlaufenden Strahl unter Benutzung des Schiebers D die Spectralfarben so ausgewählt

1)

D. R P. Nr. 23333 und Nr. 27132.

2)

Vgl. Houben's Gasofen 1888 270 * 458.