Text-Bild-Ansicht Band 282

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

Jahrg. 72, Bd. 282, Heft 7. Stuttgart, 13. November 1891.

Textabbildung Bd. 282, Hefttitelillustration
Jährlich erscheinen 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich M. 9.–. direct franco unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich M. 10.30, und für das Ausland M. 10.95. Redaktionelle Sendungen u. Mittheilungen sind zu richten: „An die Redaktion des Polytechn. Journals“, alles die Expedition u. Anzeigen Betreffende an die „J. G Cotta'sche Buchhdlg. Nachf.“, beide in Stuttgart.

Neuerungen an Fräsen und Fräsemaschinen.

(Fortsetzung des Berichtes Bd. 281 S. 241.)

Mit Abbildungen.

Cincinnati-Fräsemaschine.

Die Cincinnati Milling Machine Comp. in Cincinnati, Ohio, baut nach American Machinist, 1889 Bd. 12 Nr. 41, * S. 1, eine Universalfräsemaschine (Fig. 1 und 2), an welcher die Führung des Aufspanntisches und dessen Schaltungsvorrichtungen beachtenswerth sind.

Der 1194 mm lange und 260 mm breite Tisch erhält Selbstgangbewegung, bis 635 mm Hub, in jeder Winkelstellung innerhalb 45°. Im Drehstück ist der Tisch mittels winkelrechter Seitenleisten geführt und vermöge zweier einspringender Längsschienen am Drehstück gehalten.

Textabbildung Bd. 282, S. 145
Es ist ferner die Kurbelwelle zum Betriebe der Stützspindel für den Tischwinkel schräg nach links gelegt, wodurch eine Behinderung der Schlittenspindel vermieden ist.

Zur Erzielung genauer Einstellungen der Tischtheile sind Theilscheiben an den betreffenden Lagerstellen vorgesehen, an welchen die auf den Schraubenspindeln befindlichen Zeiger spielen.

Der 76 mm breite Antriebriemen geht auf eine dreistufige Scheibe, deren grösster Durchmesser 317 mm beträgt, was mit dem Räderwerk sechs Spindelgeschwindigkeiten ergibt.

Um aber ferner bei Verwendung von drei Stück Stufenscheiben für die Steuerung die Anzahl der Schaltungsgrössen von vier auf zwölf zu vermehren, werden zwei getrennte Riemen in Anwendung gebracht. Indem nun ein Riemen von der Spindel nach der am Ständerfuss im stellbaren Gabellager befindlichen Stufenscheibe geführt, ein zweiter aber von dieser nach der Stufen-Scheibe der gelenkigen Steuerwelle geleitet wird, ist ein dreifacher Wechsel der Riemenlagen möglich.

Textabbildung Bd. 282, S. 145
Die Theilvorrichtung am Spindelstock ist eine doppelte. Für Einstellungen bis 40 wird die cylindrische Theiltrommel am Ende der Spindel gebraucht, dagegen für Einstellungen über 40 die seitliche Theilscheibe, an deren Spindel die im 40zähnigen Schneckenrade eingreifende Schnecke wirkt. Beim Fräsen von schraubenförmig gewundenen Nuthen wird diese Schnecke mittels Versatzräder von der Schraubenspindel des Antriebtisches bethätigt.

Hingegen muss diese Schnecke allemal ausser Eingriff gesetzt werden; sobald Einstellungen mit der hinteren Theiltrommel durchzuführen sind. Durch diese Doppeleinrichtung soll vermieden werden, dass bei kleinen Zähnezahlen des Werkstückes unter 40 die ganzen bezieh. vollen Umdrehungen der Schneckenspindel in Wegfall kommen, wodurch Irrungen vermieden werden sollen.

Ausserdem besitzt die Spindel eine neue Einrichtung, mittels welcher Einstellungen im Winkel sowohl rechts als links von der Lothrechten bis zur Wagerechten möglich werden. Hierdurch ist man in die Lage gesetzt, beim Fräsen links- oder rechtsgängig gewundener Schneidwerkzeuge den Schnittangriff an die rechte oder an die linke Seite der Fräse zu legen.

Auch der Reitstock zeigt eine bemerkenswerthe Neuerung in einem doppelten Spitzenbügel, welcher vermöge eines kleinen Zahnstangentriebwerkes in die Spitzenlinie eingestellt werden kann.

Eine der beiden Spitzen ist etwas stärker für schwerere Arbeit ausgeführt, und während der Spitzenbügel durch eine Querschraube am Schlitten eingeklemmt werden kann, ist dieser nach erfolgter Einstellung in gleicher Weise am Reitstockkörper festzustellen.