Text-Bild-Ansicht Band 282

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ersichtlichen Doppelrevelator angestellt, der mit Hilfe eines einzigen Rohres mit dem Dampfcylinder in Verbindung stand, und zwar wurden beide Apparate in gleichen Abmessungen gefertigt, mit Ausnahme ihrer Wandstärken, welche bei dem Apparate A 25 mm, bei demjenigen B nur 10 mm beträgt; behufs Ermittelung der Temperaturen wurden in die Wandungen wieder wie vordem Löcher gebohrt.

Die mit Hilfe dieses Doppelrevelators erlangten Resultate sind in Fig. 8 zur graphischen Darstellung gebracht und es dürften die dort eingeschriebenen Bemerkungen eine weitere Auseinandersetzung überflüssig machen; der Apparat wurde sowohl mit dem Niederdruck- als auch mit dem Hochdruckcylinder der genannten Woolf'schen Maschine, welche mit 35 minutlichen Umdrehungen eine Leistung von 25 Pfd. entwickelte, in Verbindung gebracht. Der innere Durchmesser des Revelators mit der dicken Wandung (25 mm) betrug 60 mm; derjenige des Revelators mit dünner Wandung (10 mm) 76 mm. Alle Temperaturen sind nach Celsius angegeben. Die erhaltenen Temperaturdiagramme sind in vollen Linien gezeichnet; diese endigen mit einem punktirten Theil, der allerdings sorgfältig angenommen ist, indess nicht aus den Beobachtungen resultirt.

(Schluss folgt.)

Surrogate im Hochbauwesen.

Eine vergleichende Studie von O. Gruner, erster Baucommissar in Dresden.

(Schluss von S. 132 d. Bd.)

Das schon mehrfach erwähnte Moniersystem endlich bietet uns heute durch eine glückliche Verbindung des Cementes mit dem Eisen ein Constructionsverfahren, das mit einem Minimum an Material in tragfähigen Deckenconstructionen bisher für unmöglich Gehaltenes leistet (1889 271 383, 272 * 142. 1890 275 189). Das bis zu einem gewissen Punkte vollkommen gleichartige Verhalten der beiden combinirten Materialien ist theoretisch wiederholt nachgewiesen und durch die Erfahrung vollkommen bestätigt worden. Das in Cement eingebettete Eisen verrostet nicht, seine Adhäsion zu demselben ist eine ungemein grosse (40 k auf 1 qc), gegen Hitzeeinflüsse wird es durch die Cementumhüllung noch bei 1000° C. vollständig geschützt, das elastische Verhalten beider Materialien (dem Cement wird das dreifache Quantum Sand zugesetzt) ist noch bei einer Beanspruchung mit 30 k auf 1 qc ein ganz gleichartiges, weshalb dieser Coefficient den statischen Berechnungen mit voller Sicherheit zu Grunde gelegt wird. Durch die verschiedenen beglaubigten Versuche mit Monierconstructionen hat sich deren Feuerfestigkeit als erwiesen herausgestellt, als Proben der Tragfähigkeit seien folgende erwähnt4): Eine 8,5 cm starke, 1 m breite, ebene Platte wurde auf 3 m freigelegt und trug 2610 k gleichmässig vertheilte Last. Die 4,5 mm betragende Durchbiegung in der Mitte verschwand nach Abnahme der Last, ohne Hinterlassung von Haarrissen oder Bruchstellen. – Ein 7 cm starker, 1 m breiter Gewölbstreifen wurde mit 50 cm Pfeilhöhe 5,15 m weit frei gespannt und trug 4663 k gleichmässig vertheilte Last. Eine Einsenkung war kaum wahrnehmbar. Es sei dem nur zur Vervollständigung noch beigefügt, dass 1 qm dieser Constructionen etwa 190 bezieh. 160 k wiegt und etwa 9 bis 9,5 bezieh. 9 M. kosten würde. Im Allgemeinen wiegt 1 qm Monierplatte für 1 cm Dicke 22 bis 23 k. Die Fabrikanten berechnen ferner, dass bei 1000 k Nutzlast Ziegelkappen zwischen I-Trägern, 1,34 m weit aus einander und auf 4 m freiliegend für 1 qm 22,12 M. kosten; in Monierconstruction können die Träger 4 m weit aus einander liegen und 1 qc stellt sich auf nur 18,25 M. Die Herstellung von Holzfussböden auf Zwischendecken ohne Holzbalken und Einschub ist zwar keineswegs ausgeschlossen; die in Asphalt verlegten Park- oder Riemenböden bieten z.B. eine sehr gute Lösung dieser Aufgabe. In den meisten Fällen würde sie aber eine Inconsequenz bedeuten, welche der Architekt dank den als Fussbodenbelag sich bietenden Ersatzmitteln auch recht gut vermeiden kann. Für Hausfluren, Treppenvorplätze, Küchen und Badezimmer eignen sich z.B. sehr gut Mosaik-Terrazzo-Böden, von 6 bis 8 cm Stärke, von denen 1 qm schon für 6,50 M. zu haben ist. Auch die Asphaltböden sind für vielseitigere Anwendung dadurch geeigneter gemacht worden, dass sie in der Form des „Antieläolith“ für Oel und Säure unangreifbar hergestellt werden. Um aber Decken ohne Holz für Wohnzwecke brauchbar und behaglich zu machen, ist das Linoleum (1890 276 360) ein vorzüglich geeigneter Stoff. Es besteht5) aus einer mehrere Millimeter dicken Schicht eines Gemenges von oxydirtem Leinöl, Harz und Korkmehl, welche auf einem starkfädigen, an der Unterseite gefirnissten Grundgewebe aus Jutegarn ausgebreitet und befestigt ist. Für Wasser ist es vollkommen undurchlässig, die Entzündbarkeit ist sehr gering, ebenso sein Wärmeleitungsvermögen. Der Abnutzung widersteht es mit derselben Zähigkeit wie gutes Sohlleder. Dass es schalldämpfend wirkt, liegt in der Natur seiner Bestandtheile. Es wird in Rollen bis zu 25 m Länge und meist 2 m breit hergestellt; je nachdem es erste oder zweite Qualität, einfarbig oder bedruckt ist, kostet 1 qm zwischen 2,50 und 3,30 M.; beim Neubau des Herzog Ernst-Seminars in Gotha stellte sich 1 qm Betondecke nebst Trägern und Linoleumbelag auf etwa 11,25 M. (vergl. 1890 276 * 360).

Mit einigen Worten wenigstens soll hier auch der Ersatzmittel für die Gypsornamente, namentlich an den Decken und Wänden der Innenräume, gedacht werden. Der Tripolith (eine Verbindung von Silicium, Calciumselenit und Eisenoxyduloxyd) hat trotz seines geringeren Gewichtes, rascheren Abbindens und bemerkenswerther Frostbeständigkeit6) dem Gyps das Feld nicht streitig zu machen vermocht; besser geglückt ist das den Papierstuckornamenten, welche aus einzelnen Papierlagen über oder in Gypsformen hergestellt werden und mit dem Stucke nichts gemein haben, als die Formgebung. Hinsichtlich der Modellirung noch mehr gerühmt wird der Holzgypstrockenstuck (Gyps mit Holzstoffzusatz), der in elastischen Formen hergestellt wird, in Folge dessen Unterschneidungen

4)

Vgl. die vom Ingenieur G. A. Wayss herausgegebene lehrreiche Schrift: Das System Monier (Eisengerippe mit Cementumhüllung) in seiner Anwendung auf das gesammte Bauwesen (Berlin 1887), sowie den Bericht des Herrn Prof. Bauschinger in München über Versuche an verschiedenen nach dem System Monier hergestellten Objecten (Berlin-München 1887).

5)

Nach Hugo Fischer: Geschichte, Eigenschaften und Fabrikation des Linoleums. Leipzig, Arthur Felix.

6)

Vgl. Gottschaldt: Ueber „Tripolith“. Civilingenieur, 1884 S. 353.