Text-Bild-Ansicht Band 282

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457,7 g Kohlensäure, 262,8 g Schwefel. (Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 267.)

Ueber Vergasung von Fleisch von v. Corswant.

Verf. kam, wie kleinere Gasanstalten öfters, in die Lage, ungeniessbares Fleisch vernichten zu müssen; es geschah dies, indem in Gasanstalt Gumbinnen zwei Retorten in einem Viererofen mit dem Fleische gefüllt wurden. Der Ofen war vorher leer gestanden und war dadurch sehr heiss geworden. In kurzer Zeit entwickelte sich Gas, und zwar gelangte dies so heiss in den ersten Kühler, dass dieser nicht mit der Hand' anzufassen war. Es ist jedenfalls dies Verfahren mit Vorsicht anzuwenden, weil nicht alle kleinen Gasanstalten im Besitze der nöthigen Kühlung hierzu sind. Andererseits hat dies Verfahren den Vortheil, dass es etwaige Theerverdickungen in der Vorlage und der Kühlung löst. Kunath (Danzig) bemerkt hierzu, dass die hohe Temperatur im Kühler hauptsächlich von dem in bedeutender Menge erzeugten Wasserdampfe herrührt, der als Träger der Wärme auch lösend auf den verdickten Theer wirkt. Er empfiehlt zur Vernichtung von Fleisch, dasselbe in kleinen Stücken zur Verhütung von Missbrauch mit Gaswasser zu begiessen, mit Kohlenstaub zu bestreuen und in kleinen Portionen mit den Kohlen gemischt zu vergasen.

Merkens (Insterburg) hält die Vergasung von Fleisch nicht für zweckmässig, weil die Gasausbeute sehr gering sei und das Fleisch 4 bis 5 Stunden in der Retorte liegen müsse, um zu verkoken. Er verbrennt dasselbe in den Generatoren, was schneller und ohne jede Gefahr vor sich geht. Gellendien (Elbing) berichtet, dass im J. 1888 während der Nogat-Ueberschwemmung eine grössere Menge Viehcadaver in den Retorten vergast worden seien. Dadurch wäre aber das Gas so in der Leuchtkraft geschädigt worden, dass man es in die Luft blasen musste. Seitdem wird das Fleisch in den Retorten bei offenen Steigrohren verbrannt. Die grosse Menge Wasserdampf wurde auch dort bemerkt, zumal das Fleisch schon längere Zeit im Wasser gelegen und sich damit vollgesogen hatte. (Besprechung im Verein Baltischer Gasfachmänner 1890; Journal für Gasbeleuchtung, 1891 Bd. 34 S. 188.)

Leybold.

[Kleinere Mittheilungen.]

Die Turbinenanlage in Lauffen.

Die für die Turbinenanlage des Württembergischen Portlandcementwerkes in Lauften a. Neckar verfügbare Wasserkraft hat ein nutzbares Gefälle von durchschnittlich 3,80 m und eine Wassermenge von 40000 bis 42000 Secundenliter, und liefert mithin eine absolute Leistung von 2000 , wovon bei einem Wirkungsgrad der Turbinen von 75 Proc. 1500 nutzbar gemacht werden könnten Von dieser Kraft sind bis jetzt durch fünf Turbinen, die von der im Turbinenbau als sehr leistungsfähig bekannten Maschinenfabrik Geislingen in Geislingen geliefert sind, 1296 nutzbar gemacht. Zwei Combinationsturbinen mit je zwei Schaufelkränzen, wovon der äussere Kranz als Reactionsturbine, der innere Kranz als Actionsturbine mit geformtem Wasserstrahl construirt ist, von zusammen 608 dienen zum Betrieb des Portlandcementwerkes. Eine Actionsturbine von 80 dient zur elektrischen Beleuchtung des Portlandcementwerkes und der Stadt Lauften, sowie zum Betriebe einiger elektrischer Aufzüge. Eine weitere Combinationsturbine von 304 ist dazu bestimmt, die Stadt Heilbronn demnächst mit Licht und Kraft zu versehen. Die fünfte Turbine endlich, ebenfalls, eine Combinationsturbine, betreibt die Dynamomaschine von annähernd 300 für die Uebertragung der Kraft nach Frankfurt a. M. Der innere Schaufelkranz dieser Turbine ist mit einer durch einen Regulator beeinflussten Regulirung für einen Wasserconsum bis zu 4000 Secundenliter versehen. Die Bewegung der Turbine wird durch ein Winkelräderpaar direct auf die Dynamomaschine übertragen, so dass bei 35 minutlichen Umdrehungen der Turbine die Dynamomaschine deren 155 macht.

Bücher-Anzeigen.

Mittheilungen aus der Elektrotechnischen Versuchsstation zu Magdeburg-Sudenburg. Richter's Buch- und Kunstdruckerei. Würzburg.

Die kleine Brochüre enthält: A) Aufgaben der Versuchsstation, B) Beschreibung der Versachsstation und C) Jahresbericht 1890–91; sie hat den Zweck, das unter Leitung des Dr. Krieg stehende Unternehmen in weiteren Kreisen bekannt zu machen und für die Benutzung desselben zu werben.

Praktischer Rathgeber für Gasconsumenten. Populäre Darstellung der Bedingungen für die rationelle Benutzung von Leuchtgas als Licht und Wärmequelle im bürgerlichen Wohnhause von D. Coglierina. W. Knapp. Halle a S. 128 S.

Das Werkchen ist vorwiegend zur Unterweisung der Hausbesitzer bestimmt. Es enthält nach einer Einleitung über die Klagen der Gasconsumenten und über die bösen Gasinstallateure die Erörterung über nachstehende Fragen: 1) Wie lässt sich bei geringem Gasverbrauch die grösste Lichtwirkung erzielen? 2) Wie kann man die Heizkraft des Gases für Koch- und Heizzwecke am vortheilhaftesten ausnutzen? 3) Wie soll eine Gasanlage ausgestattet sein und in gutem Zustande erhalten werden?

Allgemeine Landesausstellung in Prag 1891. Führer durch die Maschinenhalle, deren Annexe und zugehörigen Pavillons. Mit Illustrationen, Orientirungsplan und Situationsplan der Maschinenhalle. Vom Maschinenhalle-Comité. Prag. Verlag des Maschinenhalle-Comités. 212 S.

Der Führer zeichnet sich vor den üblichen derartigen Hilfsmitteln durch eine gute Ausstattung und insbesondere durch eine grosse Zahl von über eine, vielfach auch über zwei Seiten reichenden Autotypien aus, die bei im Ganzen guter Ausführung ein lebendiges Bild der Maschinenhalle gewähren.

Hilfsbuch für Dampfmaschinen-Techniker. Unter Mitwirkung von A. Käs, verfasst und herausgegeben von J. Hrabák. 2. Auflage. Berlin. J. Springer. 450 S. geb. 16 M.

Der Inhalt dieses anerkannten Werkes zerfällt in einen praktischen und einen theoretischen Theil, deren ersterer eine grosse Menge ausführlicher Tabellen über die Leistung der Dampfmaschinen verschiedener Systeme, bei verschiedener Dampfspannung und bei den üblichen Expansionsverhältnissen gibt. Vorhergehende Erläuterungen geben Anleitung zum Gebrauche dieser Tabellen, welche in der ersten Serie sich auf A) Auspuffmaschinen mit Coulissensteuerung, B) Auspuffmaschinen mit Expansionssteuerung, C) Eincylinder-Condensationsmaschinen, D) Zweicylinder-Condensationsmaschinen beziehen. Bei A und B sind Cylinder von 0,02 bis 1 qm in Betracht gezogen, und für 7 verschiedene Füllungen ist sowohl die indicirte wie Netto-Leistung für Spannungen von 3 bis 10 at berechnet. Verhältnissmässig ebenso ausführlich sind auch alle übrigen Tabellen. Die zweite Serie enthält die „sehr grossen Auspuff- und Condensationsmaschinen“ in derselben Anordnung wie Serie 1. Die dritte Serie enthält Maschinen mit hohem Dampfdruck (7 bis 14 at) und zwar A) Zweicylinder-Auspuffmaschinen, B) Dreicylinder-Condensationsmaschinen. Ein Anhang verbreitet sich über den Leergangswiderstand der verschiedenen Dampfmaschinensysteme, den Dampfflüssigkeitsverlust und gibt die Fliegner'sche Tabelle für gesättigte Wasserdämpfe, ferner Gewichte, Preise und Dampfconsum. Die Tabellen sind so ausführlich, dass sie für alle gebräuchlichen Verhältnisse sofort Auskunft geben und ein geradezu erstaunliches Zahlenmaterial enthalten.

Der theoretische Theil gibt eine vollständige wissenschaftliche und praktische Herleitung der in den Dampfmaschinenbau einschlägigen Fragen und bildet somit auch die Begründung der Tabellen des ersten Theiles. Das Werk kann allen Dampfmaschineningenieuren als Lehrbuch sowohl, wie als praktisches Handbuch angelegentlichst empfohlen werden. Die Ausstattung ist vorzüglich.