Text-Bild-Ansicht Band 282

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

Jahrg. 72, Bd. 282, Heft 8. Stuttgart, 20. November 1891.

Textabbildung Bd. 282, Hefttitelillustration
Jährlich erscheinen 52 Hefte à 24 Seiten in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich M. 9.–. direct franco unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich M. 10.30, und für das Ausland M. 10.95. Redaktionelle Sendungen u. Mittheilungen sind zu richten: „An die Redaktion des Polytechn. Journals“, alles die Expedition u. Anzeigen Betreffende an die „J. G Cotta'sche Buchhdlg. Nachf.“, beide in Stuttgart.

Neuere Schleifvorrichtungen.

Mit Abbildungen.

Wahl der Schleifräder.

Je nach der Feinheit des Schmirgelkornes sind die Schleifräder grob bis fein, je nach dem Verhältniss des Schmirgelsandes zum Bindemittel sind dieselben weich bis hart. Feine Schleifräder sind stets härter als solche von gröberem Korn. Harte Schleifräder werden zur Bearbeitung von gehärtetem Stahl, Gusseisen, Rothguss und Kupfer, weiche Räder hingegen für weichen Stahl und Schmiedeeisen angewendet.

Für eine richtige Schleifarbeit muss die Breite der Angriffsfläche bezieh. die Länge der Angriffslinie im Verhältniss zum Werkstück gebracht werden. Demnach ist zum Rundschleifen eines kurzen Stückes ein schmales, zum Schleifen einer langen Walze ein breites Schleifrad erforderlich.

Je grösser die Breite, desto weicher ist aber das Material des Schleifrades zu wählen.

Je gröber oder weicher das Rad, desto grösser kann die Schleifgeschwindigkeit sein, und im Verhältniss auch die Schaltungsgeschwindigkeit des Werkstückes zunehmen.

Schüttern und Warm werden des Werkstückes, Verglasen und Glattwerden des Schleifrades bedingen die Grenzen des Arbeitsdruckes und der Geschwindigkeit.

Je geringer der Griff des Schleifrades, desto grösser der Andruck, desto wahrscheinlicher Unrundgehen und Warmlaufen des Werkstückes.

Durch Schleifwasser wird die Erwärmung des Werkstückes verhindert, die Schleifleistung aber herabgesetzt. Bei sehr genauer Schleifarbeit ist reichliche Verwendung von reinem oder Sodawasser als Kühlmittel unerlässlich, sobald das Werkstück zwischen Spitzen eingespannt ist und jede durch theilweise Erwärmung hervorgerufene Formänderung des Werkstückes unbedingt zu verhindern ist.

Dahingegen sollen fliegend oder frei im Spindelstock eingespannte Werkstücke nur trocken geschliffen werden.

Eine Ausnahme bilden Gusseisenplatten, welche bei massiger Schleifradgeschwindigkeit und reichlichem Wasserzufluss geschliffen werden.

Die Abnutzung des Schleifrades beeinträchtigt die Genauigkeit der Schleifarbeit. Je schmäler das Schleifrad und je geringer die Schaltbewegung des Werkstückes, desto wahrscheinlicher, dass ein Theil des Werkstückes gar nicht zum Angriff gelangt.

Deshalb müssen lange Arbeitsflächen mittels harten widerstandsfähigeren und breiten Scheiben mit rascher Schaltbewegung des Werkstückes behandelt werden.

Zum Hohlschleifen sollen die kleinen Schleifräder scharfen Griff haben, das Werkstück nur langsam kreisen, weil die vortheilhafteste Schleifgeschwindigkeit bei so kleinem Schleifraddurchmesser kaum einzuhalten geht. Es sind auch die Schleifrädchen zum Hohlschleifen weicher als zum Rundschleifen zu nehmen, weil ein grösserer Theil ihrer Umfangsfläche mit dem Werkstücke in Berührung steht.

Uebrigens wird im Allgemeinen die Schleifleistung im geraden Verhältniss zur Schleifradbreite, ebenso zur Geschwindigkeit derselben und Weichheit bezieh. Angriffsfähigkeit des Schleifrades stehen.

Die Weichheit soll im Verhältniss zur Ausdehnung der Arbeitsfläche, die Schleifgeschwindigkeit im Verhältniss zur Weichheit des Schleifradmaterials und die Schaltbewegung des Werkstückes im Verhältniss zur Flächenausdehnung desselben und zur Schleifgeschwindigkeit stehen. (American Machinist, 1890 Bd. 13 Nr. 45 * S. 10.)

Diamond-Schleifmaschine.

Scheibenfräsen, Ringe u. dgl. Werkstücke an der Stirnseite sowohl flach als auch die Bohrung derselben gleichzeitig hohl zu schleifen, ist dieses von der Diamond Machine Company in Providence, R. I., gebaute Schleif werk (Fig. 1) bestimmt. Nach American Machinist, 1891 Bd. 13 Nr. 17 * S. 7, steht auf der geraden Hauptwange ein Spindelstock mit kreisender Spindel fest, an deren Spannscheibe Werkstücke bis 406 mm Durchmesser angebracht werden, während der zweite rechtsseitige, in selbsthätiger Hubbewegung befindliche Spindelstock die Schleifspindel zum Hohlschleifen enthält.

Textabbildung Bd. 282, S. 169
Selbstverständlich besitzt dieser Spindelstock eine feine Querverstellung auf seinem Schlitten zum Zweck der Anstellung des Schleifrades für Bohrungen, die bis 100 mm reichen.

Winkelrecht zur Hauptwange und in deren Mitte ist eine Nebenwange angegossen, auf welcher ein zweiter Spindelstock mit fliegender Schleifscheibe wieder in selbsthätige Hubbewegung versetzt werden kann, die winkelrecht zur Hauptwange gerichtet ist, wobei der Spindelstock selbst parallele Anstellung erhalten kann.

Es ist überdies die Einrichtung getroffen, jedes Schleifwerk für sich unabhängig zu verwenden. In diesem Fall vermag man auch Kegelbohrungen im Werkstück hohl zu schleifen, indem man dem Spindelstock eine passende Schrägstellung zur Wangenrichtung gibt.