Text-Bild-Ansicht Band 282

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

Jahrg. 72, Bd. 282, Heft 9. Stuttgart, 27. November 1891.

Textabbildung Bd. 282, Hefttitelillustration
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Ueber das Reinigen der Teppiche und Kissen.

Von H. Glafey, Ingenieur, Berlin.

Mit Abbildungen.

Das Reinigen der Teppiche und Kissen ist eine Arbeit, welche grosse Kraftanstrengung erfordert und ausserdem der Gesundheit der sie ausführenden Arbeiter sehr nachtheilig ist. Man ist deshalb seit einer Reihe von Jahren bemüht gewesen, Maschinen zu construiren, welche das Reinigen der Teppiche und Kissen auf mechanischem Wege bewirken und hierbei den in vielen Fällen mit Krankheitserregern durchsetzten Staub derart entfernen, dass derselbe den die Maschine bedienenden Arbeitern nicht schaden kann.

Die Zahl der in Vorschlag gebrachten Einrichtungen ist eine grosse; im Allgemeinen lassen sich dieselben, soweit sie ausschliesslich zum Reinigen der Teppiche bestimmt sind, in vier Klassen theilen, je nachdem die Entfernung des Staubes erfolgt durch:

a) Klopfen bezieh. Schlagen,
b) Schütteln (Werfen),
c) Bürsten und
d) durch gepresste Luft.

Bei dem Reinigen der Kissen kommt nur das Klopfen und Bürsten in Betracht, welche beiden Arbeiten hier sowohl, als auch bei dem Reinigen der Teppiche sich gewöhnlich unmittelbar folgen, jedoch auch getrennt zur Anwendung gebracht werden.

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Das Reinigen der Teppiche durch Klopfen oder Schlagen kann auf zweierlei Weise erfolgen; in einem Falle werden dieselben in ausgebreitetem Zustande in kurzen Zwischenräumen gegen eine geeignet gestaltete Fläche geworfen, im anderen Falle, – und dies ist der gewöhnlichere, – werden geeignete Klopfwerkzeuge gegen den Teppich geführt.

Ein Beispiel für die erste Art von Reinigungsmaschinen, welche m. W. eine Aufnahme nicht gefunden haben, ist die durch das englische Patent Nr. 1877 vom Jahre 1880 bekannt gewordene Maschine von Hugh Aspin in Manchester. Der zu behandelnde Teppich wird, wie Fig. 1 erkennen lässt, mittels Klammern in dem Rahmen A aufgehangen und mit diesem in rascher Aufeinanderfolge gegen den Rost C geführt. Der Teppich wird in Folge dessen geschlagen und verliert seinen Staub, der mittels eines Windflügels aus dem die ganze Einrichtung umgebenden Gehäuse abgesaugt wird.

Für das allseitig in Aufnahme gekommene Reinigen der Teppiche mit Hilfe geeigneter Klopfwerkzeuge sind eine grosse Anzahl von Einrichtungen in Vorschlag gebracht worden, aus denen nur einige besonders gekennzeichnete einer näheren Betrachtung unterzogen werden sollen. Die Entfernung des Staubes erfolgt bei denselben entweder durch starre stabförmige Klopfer oder solche, welche nur mittels der Fliehkraft in eine gestreckte Lage überführt werden können, sich also jeder beliebigen Unterlage anpassen. Der Teppich bewegt sich hierbei entweder auf der ihn unterstützenden Unterlage fort oder wird von derselben mitgenommen.

Textabbildung Bd. 282, S. 189
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Die Fig. 2 und 3 veranschaulichen zwei Maschinen, bei welchen das letztere der Fall ist. Die erstere rührt von Robert Handyside in Edinburgh her und ist Gegenstand des englischen Patentes Nr. 7884 A. D. 1884. Der zu behandelnde Teppich A wird hierbei auf den ein elastisches Kissen C tragenden, mit Rollen ausgestatteten Wagen B aufgelegt bezieh. aufgespannt und dieser bewegt sich, während die aus Leder oder Gummi hergestellten Schlagflügel durch ihren Träger herumgeführt werden, unter diesem hinweg, bietet also den ankommenden Schlägern stets eine neue noch nicht bearbeitete Fläche dar. Der Wagen B wird bei sehr grossen Teppichen sehr gross ausfallen und somit die Entfernung des Staubes bedeutende Schwierigkeiten bieten. Man hat deshalb versucht, den Teppich auf einer Trommel unter den Schlagwerkzeugen hinwegzuführen, wie es die in Fig. 3 wiedergegebene