Text-Bild-Ansicht Band 282

Bild:
<< vorherige Seite

zweckmässiger über eine Spule wickeln oder ob man in sonstiger Weise die Beweglichkeit des Oelinhaltes zu erschweren genöthigt sein wird.

Es braucht wohl kaum besonders darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass der eben besprochene Mittelwerth der Dampfspannungen durchaus nicht mit der mittleren indicirten Spannung des Dampfes verwechselt werden darf; während letzterer das Mittel aus den mit den zurückgelegten Kolbenwegen multiplicirten Drucken darstellt, ist der erstere der Mittelwerth aller mit der zugehörigen Wirkungsdauer multiplicirten Dampfspannungen; beide können gewissermassen als räumliches und zeitliches Mittel der Spannungen einander gegenüber gestellt werden.

Man wird in Zukunft aus der blossen Kenntniss der Mitteltemperaturen von Wand und Dampf alle in Betracht kommenden Einzelheiten ableiten können.

Freytag.

Neuere Dampfkessel.

Mit Abbildungen.

A) Neue Normen für den Bau, Wahl der Blechstärke, Statistisches.

In der 20. Delegirten-Versammlung des Internationalen Verbandes der Dampfkesselüberwachungsvereine, welche am 18. und 19. Juli d. J. in Danzig stattfand, wurden neue Vorschläge für die Berechnung der Materialstärken neuer Dampfkessel angenommen. Diese Vorschläge „Hamburger Normen“ sind dazu bestimmt, die Würzburger Normen zu ergänzen, welche sich im Laufe der Zeit als der Erweiterung bedürftig herausstellten; bei der Wichtigkeit dieser neuen Normen lassen wir dieselben in der Hauptsache nach der Zeitschrift des Internationalen Verbandes der Dampfkessel-Ueberwachungs-Vereine Nr. 8 hier folgen.

Hamburger Normen 1891.*)

I. Zulässige Materialspannung, Die Wandstärken neuer Dampfkessel sind so zu bemessen, dass die Zugspannung des Bleches an der schwächsten Stelle nicht mehr als ⅕ der Zugfestigkeit des Materials beträgt.

Bei Anwendung doppelt gelaschter Nähte darf eine Zugspannung bis zu 1/4,5 der Zugfestigkeit des Materials gestattet werden.

II. Material. Für die Anforderungen an die Qualität der zum Baue von Dampfkesseln zur Verwendung kommenden Materialien sind die von dem Internationalen Verbände der Dampfkessel – Ueberwachungs – Vereine festgestellten „Grundsätze für die Prüfung der Materialien zum Baue von Dampfkesseln“ (abgeänderte Würzburger Normen 1890) massgebend.

Für Kupfer, dessen Festigkeit mit zunehmender Erwärmung abnimmt, kann eine Zugfestigkeit von

22 k pr. qmm bei einer Beanspruchung bis zu k Dampfdruck
21 6
20 über 6

hinaus angenommen werden.

III. Vernietung. Die Nietnähte sollen stets so ausgeführt werden, dass die Widerstandsfähigkeit der Nieten gegen Abscheeren nicht geringer als die in Rechnung zu ziehende Festigkeit des Bleches in der Nietnaht ist. Bei Laschennietung sollen die Laschen aus Blechen von mindestens gleicher Güte als die der Mantelbleche geschnitten werden. Die Festigkeit gut und mittels Ueberlappung geschweisster Nähte kann bei Schweisseisen zu 0,7 der Festigkeit des vollen Bleches in Rechnung gesetzt werden.

IV. Schrauben und Verschraubungen. Es ist zu unterscheiden zwischen Schrauben, welche für bearbeitete, und solchen, welche für unbearbeitete Flächen zur Verwendung kommen.

Ist

P = Gesammtdruck auf die gedrückte Fläche in k
p = den auf einen Schraubenkern entfallenden Theil
des Gesammtdruckes P in k,
b = Beanspruchung des Schraubenkerns in k pr. qcm,
d = Durchmesser des Schraubenkerns in cm,

dann ist

und ferner, gleichviel ob die Schrauben aus Schweisseisen oder aus Flusseisen hergestellt sind

1. bei guten Schrauben, guter Bearbeitung der Flächen und weichem Dichtungsmaterial

d = 0,045√p + 0,5;

2. wenn den unter 1 genannten Anforderungen weniger vollkommen entsprochen ist

d = 0,055√p + 0,5;

Schrauben aus Flusseisen sollen kein scharfes, sondern abgerundetes Gewinde erhalten.

Bei der Berechnung der Belastung der Schrauben kann man annehmen, dass, sofern

r = geringster Abstand der Schrauben vom Schwer-
punkte der gedrückten Fläche in cm
c = Schraubentheilung in cm ist,

dann die am stärksten belastete Schraube den Druck

erhält.

Wenn Biegungsspannungen zu befürchten sind, wie namentlich bei unbearbeiteten Flächen, Durchbiegen der Flantschen, einseitig liegenden Dichtungen etc., ist diesen bei der Bemessung der Schrauben besonders Rechnung zu tragen.

Schwächere Schrauben als solche von 16 mm äusserem Durchmesser sind thunlichst zu vermeiden; unter 13 mm äusserem Durchmesser sind solche nicht zulässig.

V. Anker und Stehbolzen. Die Beanspruchung soll bei

geschweissten eisernen Ankern und Stehbolzen 3,5 k/qcm
ungeschweissten 5
flusseisernen 6
kupfernen 3

nicht überschreiten.

Anker und Stehbolzen aus Flusseisen dürfen nicht geschweisst werden.

Bei hohem Drucke (10 k und höher) empfiehlt es sich, die mit Muttern versehenen Längsanker sowohl als auch die Ankerröhren mit Gewinde in die Stirnplatten, bezieh. Rohrplatten, einzuschrauben, ausserdem erstere innen und aussen mit Unterlegscheiben und auch innen mit Muttern zu versehen; die Ankerröhren dagegen sind aufzuwalzen und umzubördeln.

*)

Diese neuen „Hamburger Normen“ sind für 25 Pf. pro Stück, excl. Porto, durch den Norddeutschen Verein zur Ueberwachung von Dampfkesseln in Hamburg zu beziehen. Sie enthalten ausser dem Texte eine Menge tabellarisch zusammengestellter Rechnungswerthe der betreffenden Formeln.