Text-Bild-Ansicht Band 282

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der Reactionsmasse zu gestatten, das mittels einer kräftigen Krücke geschieht. Von dieser Haube aus und zwar von dem der Arbeitsöffnung entgegengesetzten Ende derselben führt ein Thonrohr von mindestens 20 cm Durchmesser nach einem kräftig ziehenden Schornstein oder, wo dies nicht möglich ist, steht mit einem Körting'schen Exhaustor in Verbindung, der stündlich mindestens 1000 cbm Luft abzusaugen im Stande ist. Durch ein seitlich in den Kasten führendes und vortheilhaft in dessen Wand versenktes bleiernes Trichterrohr wird die für die Oxydation erforderliche Salpetersäure und Schwefelsäure eingefüllt. Ist der Weissteig in den Kasten eingebracht, so wird zunächst der Zugschieber oder das den Exhaustor bedienende Dampfventil geöffnet und durch den Bleitrichter 50 k Schwefelsäure 66° Bé. eingefüllt, der Weissteig wird damit während einer halben Stunde geknickt und sodann 32 k Salpetersäure 40° Bé. ebenfalls durch das Trichterrohr zugefüllt und innig mit dem Weissteig verkrückt. Nach zehn bis zwanzig Minuten pflegt die Entwickelung der Untersalpetersäure zu beginnen, die häufig sehr stürmisch wird. Ist die Abzugsanlage aber sachverständig getroffen, so findet niemals eine Belästigung der Arbeiter statt, die anderenfalls nicht selten zu Unglücksfällen, häufig mit tödtlichem Ausgang führen.

Nach Beendigung der Oxydation kommt das Blau in die Auswaschbottiche zurück, in denen es vollständig neutral gewaschen wird.

III. Pariserblau, Rothstich: Die Fällung dieses Blaues wird genau in derselben Weise ausgeführt wie vorstehend angegeben, gleichfalls unter Anwendung von Eisenoxydulsulfat, und ist die Behandlung des Weissteiges völlig dieselbe wie bei Blau I und II. Als Oxydationsmittel verwendet man Eisenoxydsulfat, das zwar nicht so energisch wirkt als Kaliumchlorat oder Salpetersäure, aber ein für die gewöhnlichen Grüne vorzügliches Blau liefert und auch eine nicht unbedeutend höhere Ausbeute an Blau ergibt. Vor der Oxydation wird das letzte Waschwasser so vollständig als möglich von dem Weissteige abgehebert und derselbe nach Zusatz von 25 k Schwefelsäure 66° Bé. zum Sieden erhitzt. Wenn in lebhaftem Kochen, werden 150 k Eisenoxydsulfat (Eisenbeize) zugesetzt und unter kräftigem Rühren mindestens eine halbe Stunde lang gekocht. Das Blau ist dann vollständig oxydirt, wovon man sich aber vortheilhaft in jedem Falle überzeugt durch Prüfung einiger Tropfen des Filtrates mit Rhodankalium. Zeigt dieses im Filtrat die Anwesenheit eines kräftigen Ueberschusses an Eisenoxydsalz, so kann man der vollständigen Oxydation sicher sein, anderenfalls fährt man bei ununterbrochenem Kochen mit dem Zusatz von Eisenoxydsulfat fort, bis der erwähnte Punkt erreicht ist, worauf der Bottich mit kaltem Wasser aufgefüllt und das Blau in der üblichen Weise ausgewaschen wird.

Das Eisenoxydsulfat ist im Handel unter dem Namen Eisenbeize käuflich zu haben. Da diese aber sehr häufig ein Gemenge von Oxyd- und Oxydulsalz ist, so ist vorzuziehen, sich dieses Product selbst darzustellen, was sich ausserdem auch aus ökonomischen Gründen empfiehlt.

Die Darstellung dieses Körpers in offenen Gefässen ist mit grosser Belästigung und Gefährdung der Arbeiter verknüpft in Folge der sich entwickelnden grossen Masse von Untersalpetersäuredämpfen. Am besten empfiehlt sich die Anwendung einer Anzahl dreihalsiger Tourils, die neben einander und mit einem massig ziehenden Schornstein so verbunden sind, dass die sich entwickelnden Dämpfe im Moment der Entwickelung abgeführt werden (Fig. 1). Die Tourils müssen während der Arbeit warm gehalten werden; man setzt dieselben daher in einen Kasten, dessen Deckel zweitheilig gearbeitet wird, so dass er sich genau an die Tourils anschliesst. Der Kasten wird durch Dampf geheizt und besitzt einen Auslass für das Condenswasser. Die Tourils sind am Boden mit Hähnen versehen, die sich aber ausserhalb des Kastens befinden, was sich durch Einschaltung eines (ebenfalls thönernen) Verlängerungsstückes erreichen lässt (Fig. 2).

Textabbildung Bd. 282, S. 208
Die Tourils werden beschickt mit 50 k Wasser, 32 k Salpetersäure 40° Bé. und 30 k Schwefelsäure 60° Bé., dann werden langsam und unter zeitweisem Rühren mit einem durch Hals des Tourils eingeführten schmalen Rührscheit 150 k Eisenvitriol eingeworfen. Der Eisenvitriol muss entweder das fein krystallisirte Product sein, anderenfalls er vor der Verwendung zu einem groben Pulver zermahlen werden muss. Die Oxydation geht mit grosser Schnelligkeit, aber ruhig vor sich. Um die Abkühlung der Tourils zu verhüten, was leicht zu einem totalen Stocken der Reaction führt, leitet man während der Operation in den Kasten einen massigen Dampfstrom ein. Nach vollendetem Eintragen des Eisenvitriols rührt man während der folgenden zwei Stunden noch zeitweilig um. Dann überlässt man die Tourils während 12 Stunden der Ruhe und zieht danach durch die Hähne das Eisenoxydsulfat ab.

[Kleinere Mittheilungen.]

Umschalter der Brugh Company für Leitungen mit hoher elektrischer Spannung.

In den für Leitungen mit hoher Spannung bestimmten Umschaltern wird für die Sicherheit des Umschaltenden gewöhnlich dadurch gesorgt, dass lange und gut isolirte Handhaben angebracht werden; bisweilen wird das Metall noch mit einer Decke versehen, auch wohl durch einen Schutz die Hand gegen ein Abrutschen nach dem Metall geschützt. Noch grössere Sicherheit bietet ein im Electrician 1890 Bd. 27 * S. 410 beschriebener Umschalter, welcher ganz aus Porzellan und Metall hergestellt ist. Sein Hebel ist stramm auf eine wagerechte Achse aufgesteckt und wird durch eine kräftige Feder in guter Entfernung von den Contactstücken gehalten. Zieht man an einen, an einer starken Schnur befestigten Porzellanknopf mit der Aufschrift „zu“, so wird der Hebel zwischen die federnden Contacte hineingezogen und durch eine federnde Sperrung fest gehalten, bis man an dem Porzellanknopfe eine zweite Schnur mit der Aufschrift „offen“ zieht, wodurch der Hebel frei wird und von der Feder rasch emporgetrieben wird.