Text-Bild-Ansicht Band 282

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zwischen Trommeln von so grossem Durchmesser würde eine Art Coquille vorstellen.

Bei der Herstellung von Blechen aus Stahl, deren anfängliche Dicke nicht mehr als 2,5 mm ist, dürfte es auf den ersten Blick scheinen, dass die fertige Tafel bei nur noch zweimaligem Durchgang durch die Walzen nicht genügend bearbeitet würde, um denselben Grad von Zähigkeit und Dichte zu erlangen, der durch das häufige Walzen, welches das gegenwärtige Verfahren bedingt, erlangt wird. Doch ist dabei zu bedenken, dass Flusseisen eine krystallinische Substanz ist und dem Gesetze aller krystallinischen Körper insofern folgt, als die Grösse der Krystalle abhängt von der Anhäufung des Materialsund der Zeit, die zu ihrer Bildung zur Verfügung steht. Je länger die verfügbare Zeit und je grösser die Anhäufung, um so grösser werden die Krystalle; ihre Spaltungsflächen sind auch um so bestimmter und lassen sich leichter von einander trennen.

Ein Gussblock von etwa 300 mm im Geviert, der in einen Schweissofen eingesetzt ist, geht während zwei oder drei Stunden in den krystallinischen Zustand über und entwickelt eine grobkrystallinische Structur; aber beim Walzen von flüssigem Stahl in der vorgeschlagenen Weise haben wir an Stelle eines Blocks von 250 mm eine Tafel von nur 1/100 jener Dicke, und an Stelle der zwei oder drei verfügbaren Stunden im gewöhnlichen Falle hier einen Uebergang von vollständiger Flüssigkeit zu vollständiger Erstarrung in einer halben Secunde Zeit und in einer Masse von bloss 2,5 mm Dicke. Wenn sich Krystalle während einer Periode in der Zeit von einer halben Secunde, die zum Uebergang erforderlich ist, bilden, so können sie nur wenig, wenn überhaupt etwas, von den Eigenschaften besitzen, die in grossen Massen während der Ruhestunden in den Durchweichungsgruben entwickelt werden; deshalb ist es höchst wahrscheinlich, dass das homogene flüssige Metall auf einmal in einen vollkommen homogenen unkrystallinischen Körper übergeht und in rascher Folge im flüssigen, halbflüssigen und festen Zustand der Pressung ausgesetzt, die volle Cohäsionskraft und Zähigkeit entwickeln wird, deren das Metall fähig ist.

Mit Bezug auf die Productionsgrösse wollen wir voraussetzen, das Walzwerk sei mit einem Paar Walzen von 4 Fuss Durchmesser und 18 Zoll Breite ausgerüstet, die 4 Umdrehungen in der Minute machen. Ferner soll das Blech eine anfängliche Dicke von 1/10 Zoll haben und durch das dritte Walzenpaar 1/20 Zoll Dicke erhalten; wir erhalten dann beim ersten Walzenpaar eine Oberflächen-Geschwindigkeit von 50 Fuss in der Minute und machen 100 Tafeln von 18 × 12 × 1/20 Zoll, die 300 Pfund wiegen, entsprechend einer Erzeugung von einer Tonne Blech in 7½ Minuten.

Trüpel's Fallbremse.

Mit Abbildung.

Die von A. Trüpel erfundene, eigenartige Fallbremse hat den Zweck, die Wirkung der lebendigen Kraft der Förderschale im Falle eines Seilbruches bei einer plötzlich eingreifenden Fangvorrichtung weniger gefahrvoll zu machen.

Es wird hierbei die lebendige Kraft der abgerissenen Schale nicht plötzlich, sondern nach erfolgtem Eingriff der Fänger allmählich durch Hebung eines Gewichtes mittels eines besonderen Fangseiles und durch künstliche Selbstabbremsung aufgezehrt. Die ganze Einrichtung, wie sie auf den Krupp'schen Eisensteinbergwerk Vierwinde bei Bendorf ausgeführt wurde, ist aus der nebenstehenden Abbildung (theilweise Ansicht mit zwischenliegendem Grundriss), welche der Oesterreichischen Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen 1890 Nr. 3 entnommen wurde, ersichtlich.

Textabbildung Bd. 282, S. 219
Unterhalb der eigentlichen Seilscheiben der Förderseile (im Grundriss mit s und s1 bezeichnet) sind auf elastisch eingebauten Trägern besondere Scheiben S und S1 gelagert, über welche ein Seil ohne Ende als Fangseil derart geschlagen ist, dass es unten im Schachttiefsten zwei Schlingen bildet. In letzteren sind Scheiben eingehängt, deren Achsen unter Zwischenschaltung von Bufferfedern, behufs Erzielung eines elastischen Anhebens durch Gabelhalter und Tragstangen mit den Gewichten G und G1 verbunden sind.

Die Förderschalen sind in üblicher Weise an hölzernen Spurlatten geführt. Die zusammengehörigen Trümme σσ, bezieh. σ1σ1 des endlosen Fangseiles gehen innerhalb der Schale durch den Boden und Kopf derselben hindurch und sind hier zum grossen Theil durch blecherne Schutzhüllen verdeckt. Unterhalb des Schalenkopfes ist das Fangseil beiderseits durch Führungsbüchsen geführt, in denen es beim Bruche des Förderseiles eingeklemmt wird. Hierzu werden anstatt der gewöhnlichen Fangkeile kleine Excenter benutzt, welche beim Seilbruch durch Einwirkung von Federn mittels Zwischenmechanismus so verdreht werden, dass das Fangseil in den Führungsbüchsen, deren Hohlraum in der Mitte etwas ausgebaucht ist, festgeklemmt wird. Wird, entsprechend der in der Abbildungersichtlichen Pfeile, angenommen, dass das linke Förderseil s gerissen ist, und dass in Folge der Wirkung der Fangvorrichtung die Trümme σσ des Fangseiles in den beiden Führungsbüchsen der Schale festgeklemmt sind, so ist leicht zu erkennen, dass beim Niederstürzen der letzteren das Gewicht G1 durch das Fangseil gehoben wird, wobei die Scheiben S und S1 nach der angedeuteten Richtung gedreht werden.

Die abgerissene Schale würde so lange sinken, bis ihre lebendige Kraft durch die beim Heben des Gewichtes G1 verrichtete Arbeit vollständig aufgezehrt ist. Zur Regelung der Fallhöhe der abgerissenen Schale dient eine besondere selbst wirkende Bremsvorrichtung, durch welche die Drehung der einen Scheibe während des Fallens der Schale gehemmt wird; in der Abbildung ist diese nur für das linke Förderseil eingezeichnet, während für das rechte Seil eine genau so eingerichtete; an der anderen Scheibenachse wirkende Vorrichtung entgegengesetzt angebracht zu denken ist.