Text-Bild-Ansicht Band 282

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Mittheilungen des königlichen statistischen Bureaus für Preussen aus dem Jahre 1890 einen Beleg, über deren Zusammenstellung wir aus dem Wollengewerbe Nr. 8 vom 25. Januar 1891 einige Mittheilungen entnehmen:

Wenn man die Zahl der Dampfkessel und Dampfmaschinen Preussens, mit Ausnahme der in der Benutzung der Militärverwaltung und der kaiserlichen Kriegsmarine befindlichen sowie der Locomotiven, zu Anfang 1890 mit den entsprechenden Ergebnissen des Vorjahres vergleicht, so ergibt sich, dass in Preussen vorhanden waren

zu Anfang
1889
der Jahre
1890
feststehende Dampfkessel 47151 48538
Dampfmaschinen 45192 46554
bewegliche Dampfkessel u. Locomobilen 12177 12821
Schiffsdampfkessel 1836 2046
Schiffsdampfmaschinen 1674 2007

Während also die Zahl der feststehenden Dampfkessel um 2,9 und diejenige der feststehenden Dampfmaschinen um 3,0 Proc. zunahm, vermehrten sich die beweglichen Dampfkessel und Locomobilen um 5,3, die Schiffskessel aber um 11,4 und die Schiffsdampfmaschinen sogar um 19,0 Proc; allerdings ist die letztere Steigerung mit auf Rechnung einer Aenderung in der Anschreibung zu setzen.

Auf die einzelnen preussischen Provinzen vertheilen sich jene fünf Arten von Dampfentwicklern und Dampfmaschinen zur angegebenen Zeit in folgender Weise.

Es wurden 1890 gezählt
feststehende bewegliche Schiffs-
Dampf-
kessel
Dampf-
maschinen
Dampf-
kessel
Dampf-
kessel
Dampf-
maschinen
Rheinland 11571 11810 1398 399 334
Schlesien 7328 6558 1701 57 67
Westfalen 7147 6914 1129 11 11
Sachsen 4851 5587 1881 112 84
Brandenburg 3994 3338 1190 95 10
Hannover 3151 2855 832 124 131
Hessen-Nassau 1804 1525 677 31 30
Schleswig-Holstein 1699 1575 531 403 400
Berlin, Stadtkreis 1627 1363 285 78 79
Pommern 1464 1574 819 390 385
Posen 1432 1218 902 23 23
Westpreussen 1240 1232 886 172 214
Ostpreussen 1197 985 569 151 144
Hohenzollern 33 20 22

Bezüglich der feststehenden Dampfkessel und Dampfmaschinen geht also die Rheinprovinz auf Grund ihrer hochentwickelten Industrie allen übrigen Provinzen weit voran, an zweiter Stelle folgt bei den feststehenden Dampfkesseln die Provinz Schlesien, an dritter die Provinz Westfalen, während bei den feststehenden Dampfmaschinen die Provinz Westfalen die zweite und Schlesien die dritte Stelle einnimmt. Die Zahl der beweglichen Dampfkessel und Locomobilen ist in den Provinzen Sachsen und Schlesien bei weitem am grössten. Mit Schiffsdampfkesseln und -Maschinen ist die Provinz Schleswig-Holstein am reichlichsten ausgestattet; betreffs der Schiffsdampfkessel folgt die Rheinprovinz an zweiter und Pommern an dritter, bei den Schiffsdampfmaschinen dagegen Pommern an zweiter und Rheinland an dritter Stelle.

Die Verwendung der treibenden Kraft des Dampfes ist in den einzelnen Landestheilen des preussischen Staates überhaupt sehr verschieden. Während der Umfang der gewerblichen Thätigkeit hierfür in erster Linie massgebend ist, und das starke Anwachsen derselben die Benutzung der Dampf kraft erheblich gesteigert hat, trug neuerdings auch die Landwirthschaft hierzu insofern bei, als letztere sich mehr und mehr bestrebt, die theure Menschen- und Thierkraft durch die billigere Maschinenkraft zu ersetzen, und zu einer immer ausgedehnteren Aufstellung von Locomobilen behufs Betriebes von Dresch- und anderen Maschinen schreitet. Hierauf beruht einerseits die starke Zunahme der feststehenden Dampfkessel und Dampfmaschinen in den industriereichen Landestheilen, andererseits diejenige der beweglichen Dampfkessel und Locomobilen in den hauptsächlich dem Landbau obliegenden Bezirken. Indess ist auch der Umstand nicht ausser Acht zu lassen, dass neuerdings gewisse sinnreich construirte bewegliche Dampfmotoren mit geringen Abmessungen und verhältnissmässig grosser Leistungsfähigkeit in den kleinen Werkstätten und Betrieben immer grösseren Eingang gefunden und die starke Vermehrung der beweglichen Dampfkessel überhaupt mit veranlasst haben.

Ueber die Vertheilung dieser Kessel auf die verschiedenen Gewerbegruppen wurden im Jahre 1890 nur bei drei Gewerbegruppen Ermittelungen angestellt, nämlich bei der Industrie der Steine und Erden, wo 28 Schiffsdampfkessel und 32 Schiffsmaschinen, bei dem Baugewerbe, wo deren 185 und 184, und beim Verkehrsgewerbe, wo ihrer 1833 und 1791 gezählt wurden. Im Uebrigen ergibt sich, dass in Preussen der Schwerpunkt der gewerblichen Thätigkeit nach wie vor im Berg- und Hüttenwesen, in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie und in der Textilindustrie beruht. Von sämmtlichen feststehenden Dampfmaschinen und Dampfkesseln, welche überhaupt ihre Verwendung vornehmlich in der Industrie finden, entfielen sowohl 1879 wie 1890 fast zwei Drittel auf die genannten drei Gewerbszweige. Es benutzten nämlich

Proc. der feststehenden
Dampfkessel Dampfmaschinen
1879 1890 1879 1890
Bergbau und Hüttenwesen 29,19 24,48 27,93 24,92
die Nahrungs- und Genuss-
mittelindustrie

25,56

26,77

25,41

27,11
die Textilindustrie 10,61 9,98 11,56 9,57

Von den beweglichen Dampfkesseln (Locomobilen) macht den verhältnissmässig grössten Gebrauch die Land- und Forstwirthschaft; denn wurden schon im Jahrr 1879 von letzterer nahezu die Hälfte aller damals in Preussen vorhandenen beweglichen Dampfkessel verwendet, so stieg ihre Zahl 1890 auf über 55 Proc., indem die von der Land- und Forstwirthschaft benutzten Kessel sich fast verdreifachten.

Neuheiten in Heizungs- und Feuerungsanlagen.

Von F. H. Haase.

Mit Abbildungen.

I. Zimmeröfen.

Unter den neueren Füllöfen-Constructionen ist die in den Figuren 1–4 dargestellte des königlich Württembergischen Hüttenamtes Wasseralfingen als eine der sorgfältigst durchgearbeiteten und in ökonomischer wie in